6 Gründe: Darum spielt das Wetter im Juni immer verrückt
Aktualisiert

6 GründeDarum spielt das Wetter im Juni immer verrückt

Starkregen, Hochwasser und Hagel: Alle Jahre wieder heisst es in unseren Breitengraden im Juni Land unter. Schuld daran ist der Monsun-Effekt.

von
F. Riebeling
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Das Aufräumen hat begonnen: Überschwemmungen nach starken Regenfällen am Sonntag in Leonding in Oberösterreich. (5. Juni 2016)

Das Aufräumen hat begonnen: Überschwemmungen nach starken Regenfällen am Sonntag in Leonding in Oberösterreich. (5. Juni 2016)

Keystone/Fotokerschi.at
In den Überschwemmungsgebieten Niederbayerns arbeiten Hunderte Einsatzkräfte und freiwillige Helfer, Und immer mehr wollen helfen. Helfer, die noch auf dem Weg seien, sollten umkehren, appellierten die Behörden.( 4. Juni 2016)

In den Überschwemmungsgebieten Niederbayerns arbeiten Hunderte Einsatzkräfte und freiwillige Helfer, Und immer mehr wollen helfen. Helfer, die noch auf dem Weg seien, sollten umkehren, appellierten die Behörden.( 4. Juni 2016)

Keystone/Armin Weigel
Baden im Schlamm: Einige Besucher des Rockfestivals am Nürburgring liessen sich den Spass nicht nehmen. (4. Juni 2016)

Baden im Schlamm: Einige Besucher des Rockfestivals am Nürburgring liessen sich den Spass nicht nehmen. (4. Juni 2016)

Keystone/Thomas Frey

In unseren Nachbarländern sind in den letzten Tagen vielerorts Bäche und Flüsse über die Ufer getreten. Die Lage ist dramatisch. Das verheerende Hochwasser in Niederbayern forderte mindestens fünf Tote, weitere vier Personen werden vermisst. In der Nacht auf Donnerstag hinterliess die Gewitterfront auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Spuren. In der Region Paris steigen die Pegelstände so schnell wie seit 1910 nicht mehr. Und eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht: Für heute wird erneut heftiger Regen erwartet. Warum ist das so? 20 Minuten hat für Sie die Fakten zusammengetragen.

Wird das Wetter immer schlimmer?

Der Schein trügt nicht: In den letzten rund 30 Jahren hat laut Forschern des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern die Anzahl von Extremereignissen – starke Stürme, heftige Niederschläge und Überschwemmungen – zugenommen. Fanden Letztere früher vor allem zwischen Juni und September statt, treten Hochwasser seit den 1990er-Jahren immer öfter bereits im Mai auf. Zudem sind die Sommermonate heute wärmer und feuchter als noch vor einigen Jahrzehnten.

Warum regnet es ausgerechnet im Mai und Juni so heftig?

Schuld daran ist der sogenannte Monsun-Effekt. Zu diesem kommt es, weil es Ende Mai und Anfang Juni in unseren Breitengraden bereits recht warm ist, während die Gewässer in und um Europa herum – vor allem der Atlantik – noch ziemlich kalt sind. Über dem Kontinent steigt die von der Sonne aufgeheizte Luft auf. Der dadurch frei werdende, darunter liegende Raum wird mit den feuchten Luftmassen gefüllt. Diese stammen von den Meeren und werden quasi über den Kontinent gesogen, wo sie sich innert kürzester Zeit entleeren.

Warum kommt es zu so schweren Überschwemmungen?

Wenn es lange und stark regnet, nimmt der Boden immer weniger Wasser auf, weil er zunehmend gesättigt ist. Ist die Speicherkapazität des Bodens schliesslich erreicht, kann kein Wasser mehr versickern. Es breitet sich überirdisch aus und fliesst auf direktem Weg in nahe Bäche und Flüsse. Die Hochwassergefahr steigt.

Fällt aber – so wie derzeit in Deutschland – sehr viel Regen in sehr kurzer Zeit, kann es auch dann zu Überschwemmungen kommen, wenn der Speicher noch nicht gefüllt ist. Grund: Der Boden ist nicht in der Lage, so schnell so viel Wasser aufzunehmen. Das Wasser fliesst überirdisch ab.

Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende Überbauung: Laut Dörte Aller von der Nationalen Plattform Naturgefahren (Planat) in Bern kann sie zum Hochwasserproblem beitragen.

Warum hat man die Menschen in den betroffenen Regionen nicht früher gewarnt?

Zwar lassen sich Unwetter, die mit einer Wetterfront (eine abrupte Grenze zwischen verschiedenen Luftmassen) verbunden sind, gut vorhersagen. Doch wo genau sie passieren und wie heftig es wird, lässt sich nur schwer vorhersagen. Andreas Friedrich, Experte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), vergleicht in der «Frankfurter Rundschau» die Situation mit einem Topf voll kochendem Wasser: «Sie wissen, dass es gleich anfängt zu brodeln, aber wo das erste Bläschen hochsteigt, wissen sie nicht.»

Gibt es Ansätze, die Wettervorhersagen präziser zu machen?

Ja. Erst im vergangenen Monat hat die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (Eumetsat) angekündigt, von 2020 an zwölf neue Wettersatelliten in den Orbit zu bringen. Diese sollen so leistungsfähig sein, dass mit ihrer Hilfe Unwetter schon während ihrer Entstehung registriert werden können. Das soll frühzeitigere Warnungen ermöglichen.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Durch den Klimawandel beschleunigt sich laut Klimaforscher Andreas Fischlin von der ETH Zürich der globale Wasserkreislauf. Das führt einerseits zu ausgeprägteren Trockenperioden, andererseits zu deutlich mehr und intensiveren Starkniederschlägen. Zudem soll es im Winter mehr Niederschlag geben, was Auswirkungen auf die Abflüsse habe. Als Folge dieser Entwicklung dürften sich Hochwasserereignisse weiter häufen.

Zu diesem Schluss kommen auch Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. In einer 2015 veröffentlichten Studie berichten sie von einem «Aufwärtstrend nie dagewesener Regenfälle», der nur durch den Einfluss der Erderwärmung zu erklären sei.

Unwetter zieht über Europa

Das Satellitenbild zeigt, wie das Unwetter am Wochenende und am Montag über Europa zog. Künftig sollen zwölf neue Satelliten für genauere Vorhersagen sorgen. (Video: Eumetsat via Storyful)

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