Aktualisiert 23.03.2019 12:34

Kaffee statt Bier

Darum spielt die Nati schon um 15 Uhr

Fans reiben sich verwundert die Augen. Wenn die Schweizer Nati auf Georgien trifft, dann beginnt der Match bereits am Nachmittag. Wir nennen die Gründe.

von
Erik Hasselberg

Ein kühles Blondes in der einen, eine Packung Chips in der anderen Hand, gemütlich auf dem Sofa sitzend, dem Matchbeginn um viertel vor neun entgegenfiebernd – so kennen das die Fans der Schweizer Nationalmannschaft. Am Samstag müssen sie sich umstellen. Statt Bier gibt es eher Kaffee und Kuchen. Denn Anpfiff in Tiflis zum ersten Spiel der Qualifikation zur EM-Endrunde 2020 ist bereits um 15 Uhr Schweizer Zeit. Wo liegen die Gründe für die frühe Ansetzung?

Das sagt die Uefa:

Gemäss Artikel 24 der Uefa Regeln zur Fussball-Europameisterschaft liegt die Entscheidungshoheit zur Spielansetzung beim europäischen Fussballverband. Artikel 26 regelt die Anspielzeiten. Neben den üblichen Ansetzungen um 20.45 und 18.00 Uhr ist für Spiele am Samstag und Sonntag auch eine optionale Anspielzeit um 15.00 Uhr vorgesehen. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt die Uefa, dass als Grund für die frühe Ansetzung verschiedene Auflagen berücksichtigt wurden, wie beispielsweise die unterschiedlichen Zeitzonen sowie der Versuch, attraktive Partien für die Zuschauerinnen und Zuschauer über den ganzen Tag gleichmässig zu verteilen. So gesehen, wertet die Uefa die Partie zwischen der Schweiz und Georgien indirekt nicht als einen Knüller des Spieltags.

Dass die Partie früher als gewohnt Schweizer Zeit stattfindet, liegt an der Zeitverschiebung. Zwischen der Schweiz und der Hauptstadt Georgiens liegen rund 3860 Kilometer. Die Distanz hat auch Auswirkungen auf die Zeit: Drei Zeitzonen trennt die beiden Länder. Vor Ort erfolgt der Anpfiff deshalb um 18 Uhr.

Das sagt SRF:

Die Programmansetzung an einem Samstagnachmittag habe die Verantwortlichen vor keine Probleme gestellt, erklärt SRF-Mediensprecher Lino Bugmann. Dennoch hätte man das Spiel gerne im Hauptabendprogramm gezeigt, um die Partie einem «möglichst grossen Publikum» zu präsentieren.

SRF hat so das Loch, das sich nach dem Ende des Wintersports am Nachmittag ergibt, gut gefüllt. Zudem tangiert die Fussballübertragung auch nicht die geplante Ausstrahlung der Unihockey-Halbfinals um 17 Uhr.

Das sagt der Verband:

Auf Anfrage erklärt SFV-Mediensprecher Marco von Ah, dass der Schweizer Fussball-Verband die Vermarktungsrechte für die EM-Qualifikation an die Uefa abgetreten hat. Der SFV erhält dafür vom europäischen Verband jährlich eine Zahlung von geschätzten 2,5 Millionen Franken. Das ist für den Verband ein gutes Geschäft. Hat er nicht Losglück und trifft in den Qualifikationsspielen auf Deutschland oder England, kann er mit dem Verkauf der TV-Rechte nicht annähernd diesen Betrag einspielen.

Die Uefa vermarktet nicht nur die Qualifikationsspiele zentral. Sie bestimmt auch über die Ansetzung der Spiele. Das war früher anders. «Da haben sich die Teilnehmer nach der Auslosung getroffen und über die Terminierung der Spiele diskutiert. Dabei kam es schon mal vor, dass sich die Diskussionen über einen ganzen Tag erstreckten», schildert von Ah.

Diese Diskussionen gibt es nun nicht mehr. Die Uefa hat entschieden. Für die Fans bedeutet das eben vielleicht eher Kaffeemaschine statt Kühlschrank – wenn nicht schon der Biergarten zur Premiere lädt, es könnte am Samstag schön warm werden. Für die Mannschaft hat die frühe Anspielzeit den angenehmen Nebeneffekt, dass sie noch am Samstagabend zurück in die Schweiz fliegen kann und zwei reisefreie Tage hat, bevor sie am Dienstag in Basel Dänemark empfängt. Die Landung ist in der Nacht auf Sonntag eine halbe Stunde nach Mitternacht geplant, damit ist auch für den Flughafen Basel-Mulhouse geltende Landeregime bis auf die letzte Minute ausgereizt.

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