Siri und Co.: Darum sprechen Gadgets mit Frauenstimme zu uns

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Siri und Co.Darum sprechen Gadgets mit Frauenstimme zu uns

Können Gadgets sprechen, haben sie meist eine weibliche Stimme. Experten erklären, weshalb das biologische Gründe hat – und sexyer ist.

von
Philipp Stirnemann
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Ob Sprachassistenten von Apple, Google oder Microsoft (im Bild: MS-Assistentin Cortana) ...

Ob Sprachassistenten von Apple, Google oder Microsoft (im Bild: MS-Assistentin Cortana) ...

Microsoft
... Navis in Autos ...

... Navis in Autos ...

Flickr/Dominic Hallau
... oder automatisierte Ansagen im ÖV, ...

... oder automatisierte Ansagen im ÖV, ...

Flickr/OLOLZ

Reden Sie auch mit Ihrem Smartphone, lassen sich im Auto von Ihrem Navi akustisch ans Ziel führen oder schalten Ihre Game-Konsole per Sprachbefehl ein und aus? Dann ist Ihnen sicher auch schon aufgefallen, dass die Stimmen aus diesen Geräten fast immer einer Frau gehören.

Natürlich kann man bei Navis wählen, welche Stimme der Sprachassistent haben soll. Auch beim neuen Microsoft-Betriebssystem Windows 10 stehen verschiedene Varianten zur Auswahl. Standardmässig sprechen jedoch fast nur Frauen aus technischen Geräten mit uns.

Wie die Stimme im Mutterleib

Ein Beitrag des US-Radiosenders Rivet nennt verschiedene Gründe, warum fast alle technischen Geräte «weiblich» sind beziehungsweise weshalb fast nur Frauen mit uns sprechen.

Mit Frauenstimmen zu interagieren wirke auf den Nutzer beruhigender, sind sich Silicon-Valley-Analysten überzeugt, da sie mit Attributen wie «unterwürfig» oder «dienlich» in Verbindung gebracht würden. Zudem bestehe die Tech-Industrie zu über 70 Prozent aus Männern, weshalb sich Entwickler hauptsächlich für weibliche Stimmen entscheiden würden. Ein dritter Grund liegt für die US-Analysten in der Unterhaltungsbranche: Sexy Frauenstimmen in Filmen und Games hätten einen Einfluss auf Hersteller im Silicon Valley.

Heike Hagen, eine der bekanntesten Stimmen im deutschen Sprachraum (siehe Box und Bildstrecke), sieht einen Grund für die Dominanz weiblicher Stimmen in der Biologie, wie sie zu 20 Minuten sagt: «Die Mutter war die erste Stimme, die wir alle gehört haben. Sie ist auch meist die erste Person, die uns das Sprechen beigebracht hat.» Diese These stützt auch Werber Frank Bodin: «Föten im Mutterleib reagieren auf die Stimme der Mutter, nicht die des Vaters», so der CEO der Agentur Havas Worldwide. Darum sei das menschliche Gehirn von klein auf programmiert, eher weibliche Stimmen zu mögen.

Männlicher Befehlston

Männerstimmen hingegen würden als fordernd gelten, sind sich alle Experten einig: «Männliche Stimmen werden als autoritär und dominant empfunden», so Bodin. Habe man sich mit dem Auto verirrt, lasse man sich lieber von einer Stimme leiten, «die einen versteht und hilft» anstatt von einer, die einen herumkommandiere. Hagen ergänzt: Könne eine Botschaft allerdings über typisch männliche Merkmale wie Durchsetzung, Entscheidung, Action oder Coolness am besten transportiert werden, «funktioniert das super mit einer Männerstimme».

Werber Bodin nennt schliesslich noch einen einfachen weiteren Grund für die überwiegend weiblichen Stimmen in technischen Geräten: «Frauenstimmen heben sich wegen ihrer höheren und helleren Stimmlage besser von den Umgebungsgeräuschen ab und sind leichter zu verstehen.»

Mann oder Frau?

Es gibt aber auch regionale Unterschiede: In England und Frankreich werden männliche Stimmen bevorzugt. So sprach etwa Apples Sprachassistentin Siri in England bis 2014 mit einer Männerstimme. Warum Engländer und Franzosen diese bevorzugen, können sich die Experten nicht erklären.

Dass wir uns vor allem von «weiblichen» Geräten helfen lassen, hat zumindest für die US-Analysten nichts mit Sexismus zu tun. Dies anzunehmen, sei lächerlich, so eine Expertin auf Rivet Radio. Denn im Endeffekt sei jede dieser Stimmen künstlich, egal ob sie nun männlich oder weiblich sei. Oder, wie auch Siri auf Anfrage bestätigt: «Ich bin geschlechtslos.»

Heike Hagen: Ihre Stimme gehört zu den bekanntesten im deutschen Sprachraum. Sie war die erste Stimme von Apples Sprachassistentin Siri und hat auch beim Game «Assassin's Creed» mitgewirkt.

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