Nachbefragung: Darum triumphiert SVP-Wobmann mit der Burka-Initiative
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NachbefragungDarum triumphiert SVP-Wobmann mit der Burka-Initiative

Es ist ein bürgerliches Ja: Neben der SVP-Wählerschaft stimmte auch eine Mehrheit der FDP- und Mitte-Wählerschaft der Burka-Initiative zu. Hätten die Jüngeren das Sagen, wäre die Initiative jedoch durchgefallen.

von
Daniel Waldmeier

Darum gehts

  • Die Befragung der Stimmenden zeigt: Viele wollten ein Zeichen gegen den radikalen Islam setzen.

  • Bei grünen Wählerinnen und Wählern stimmte knapp jeder Vierte für das Burkaverbot.

  • Die FDP- und Mitte-Sympathisanten trugen viel zur Annahme bei – obwohl ihre Parteien die Nein-Parole herausgegeben hatte.

  • Das E-ID-Gesetz lehnten viele Stimmberechtigte ab, weil private Unternehmen die elektronischen Identitäten hätten anbieten können.

  • Beim Freihandelsabkommen mit Indonesien überstimmten die Männer die Frauen.

Für das Egerkinger Komitee rund um SVP-Nationalrat Walter Wobmann ist es ein grosser Sieg: Das Volk stimmte dem Verhüllungsverbot mit gut 51 Prozent Ja knapp zu, obwohl Bundesrat und die grösseren Parteien mit Ausnahme der SVP die Nein-Parole herausgegeben hatten.

Die LeeWas-Befragung vom Abstimmungswochenende, die 20 Minuten und Tamedia gemeinsam durchführen, zeigt nun, wie das Resultat zustande kam. Laut der Umfrage stimmten 91 Prozent der SVP-Wählerinnen und Wähler für die Initiative. Stark zum Ja beigetragen haben die bürgerlichen Wählerinnen und Wähler, die ihren Parteien nicht folgten. So stimmten 58 beziehungsweise 53 Prozent der FDP- und Mitte-Sympathisanten für die Burka-Initiative. Mehrheitlich ablehnend standen der Vorlage Linke gegenüber.

Jüngere wurden überstimmt

Überstimmt wurden dieses Mal die Jüngeren. So sagten bei den 18- bis 34-Jährigen nur 45 Prozent Ja zur Initiative. Die Zustimmung steigt mit dem Alter. Bei den Senioren stimmten 57 Prozent für die Initiative. Auch kam die Initiative bei Männern besser an als bei Frauen.

Das wichtigste Argument für ein Ja war, dass die Stimmberechtigten ein Zeichen gegen den radikalen Islam setzen wollten. Kaum eine Rolle spielte laut der Umfrage der Absender der Initiative. So sagten nur fünf Prozent der Nein-Stimmenden, dass sie die Initiative angenommen hätten, wäre sie nicht von SVP-Kreisen lanciert worden.

Das sagt Walter Wobmann zum Burka-Sieg.

E-ID: Rolle der Privaten als Stolperstein

Die Umfrage erklärt auch, wieso die E-ID keine Chance hatte. So stimmt einzig eine knappe Mehrheit von 55 Prozent der FDP-Wählerinnen und -Wähler für das Gesetz. Die Anhänger der übrigen grösseren Parteien konnten sich mit der Vorlage nicht anfreunden.

Im Abstimmungskampf hatten die Gegner kritisiert, dass auch private Unternehmen die elektronische Identität anbieten könnten, während der Staat eine Kontrollfunktion wahrnimmt. Laut der Umfrage verfing das Argument: So sagten 53 Prozent der Ja-Stimmenden, sie würden einer E-ID zustimmen, würde diese einzig vom Staat angeboten. 41 Prozent führten grundsätzliche Bedenken, zum Beispiel im Bereich des Datenschutzes, an.

Männer für Freihandel – Frauen nicht

Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) kann sich über einen knappen Sieg freuen. Rund 51 Prozent sagten Ja zum Handelsabkommen mit Indonesien, das es Schweizer Firmen ermöglicht, zollfrei nach Indonesien zu exportieren. Seinen Sieg verdankt Parmelin den Männern: Von diesen legten 58 Prozent ein Ja in die Urne. Hätten die Frauen das Sagen, wäre die Vorlage mit 55 Prozent Nein abgeschmettert worden.

Mehrheitlich abgelehnt haben die Wählerinnen von SP und Grünen die Vorlage. Laut der Umfrage stehen aber nur 13 Prozent der Stimmberechtigten dem Freihandel grundsätzlich ablehnend gegenüber. Eine Mehrheit verlangt aber, dass die Abkommen die Einhaltung minimaler Umwelt- und Tierwohlstandards garantieren.

Zur Umfrage

15'340 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 5. bis 7. Februar an der Nachbefragung von 20 Minuten und Tamedia zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 7. März 2021 teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,4 Prozentpunkten.

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