Sixpack-Blog: Darum tue ich mir das alles an
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Sixpack-BlogDarum tue ich mir das alles an

Stefan war so krank, dass er zum Arzt ging. Im Wartezimmer hatte er Zeit, über die eigentlichen Beweggründe für die Challenge nachzudenken.

von
sry
Stefan drohte vor einem Jahr ein chirurgischer Eingriff ...

Stefan drohte vor einem Jahr ein chirurgischer Eingriff ...

Ahoi again, wir leben noch.

Ich mehr, die Infektion weniger. Habe mir gut geschaut in Woche drei nach dem Trainingslager. Mehr als nur eine Frucht am Tag wie sonst und viel Salat, Gemüse und Fleisch, auch mal Fisch zwischendurch. Tatsächlich ist mir auch der Hüttenkäse noch nicht verleidet.

Nur ein Nebeneffekt des proteinreichen Essens geht ziemlich nach, ähem, hinten los: Flatulenzen, allenthalben. Das sei normal, sagte meine Ärztin am Freitag, ihr Mann habe dasselbe Problem. Mein Herz schlage übrigens auch normal, das EKG sehe bestens aus. Das Blutbild belegte dann definitiv, dass ich mit einem bakteriellen oder viralen Infekt (haben Sie jetzt auch Infarkt gelesen, Sie Hypochonder, Sie?) kämpfe. Die Ärztin ordnete zwei Ruhetage fürs Wochenende an. Habe mich dran gehalten. Nur am Sonntag drehte ich noch mit dem Velo eine kleine Runde. Und nein, ich renne nicht wegen jedem Bobo zum Arzt. Im Gegenteil. Irgendwann muss aber auch ein Hypochonder wie ich Gewissheit haben, wirklich krank zu sein. Sowieso habe ich meinen Beitrag an tiefere Krankenkassenprämien längst geleistet.

Letzthin hat mich mein Chef über den Unterschied zwischen einem Hypochonder und einem Alarmisten aufgeklärt: Der Hypochonder bildet sich eine Krankheit ein, wo gar keine ist. Der Alarmist hingegen vermutet bei Kopfschmerzen gleich Schlimmeres. Schön blöd: Ich bin gar kein Hypochonder, nur Alarmist.

Immerhin war ich aber schon am Anfang der Challenge ein wenig krank. Mögen Sie sich noch an den Ausschlag erinnern? Ich weiss endlich den Grund: Es ist der «Fluch der Kelten», auch bekannt als Rosacea. Ausgelöst oder besser gesagt verstärkt durch das ständige Schwitzen beim Training, trat die Erbkrankheit, die ungefährlich ist, aber übel (nein, googeln Sie das jetzt nicht) enden kann, bei mir sofort stark in Erscheinung.

Neuerdings weiss ich also, wie ich den Keltenfluch in Schach halte: Störende Stellen im Gesicht weglasern lassen und für den Rest des Lebens möglichst wenig an die Sonne (Yeah: Ich werde der erste käseweisse «Bachelorette»-Kandidat der Schweiz – okay, Kandidatur soeben zurückgezogen), jeden Morgen Daylong Extreme mit Sonnenschutzfaktor 50 ins Gesicht schmieren, als weisses Gespenst arbeiten gehen und – sollte ich mich tatsächlich ausnahmsweise mal im Freien bewegen müssen – jeweils von schattenspendendem Baum zu schattenspendendem Baum hechten, stets mit weit ausladendem Sombrero auf dem Kopf.

Ja, jetzt lachen Sie unter Umständen noch, aber spätestens in drei Jahren werden Sie sich vielleicht wieder mal im Spiegel anschauen und plötzlich fragen: Was machen die roten Äderchen da auf meiner Nase? Und die da auf meiner Wange? Und was ist eigentlich mit der alten Narbe über dem linken Schienbein? Wieso schmerzt meine linke Hüfte jedes Mal, wenn ich mich im Sessel fläze? Kommen Ihnen diese Fragen vertraut vor? Hypochonder!

Sie kennen diese Schmerzen?

Arthrose, ja.

Ich, ein Alarmist? Diesmal nicht, ich schwörs; es ist tatsächlich Arthrose, wie die Abklärung bei einer renommierten Orthopädischen Klinik ergab. Die Orthopädin schlug mir ziemlich alternativlos eine Hüftgelenk-OP vor, ist ja klar. Einem damals noch 37-jährigen Mann sollte ein sicherlich wunderschönes Hüftgelenk eingebaut werden. Aber wäre das jetzt nicht etwas früh gewesen? Gäbe es nicht auch noch schonendere, günstigere Therapien?

Zuhause googelte ich die Krankheit und fand schnell heraus: Ausreichend Bewegung ist auch ein geeignetes Mittel gegen Arthrose. Das also gab den Ausschlag, meine müden Knochen zu schütteln. Und weil ich ein klassischer Alles-oder-nichts-Typ bin, musste es halt gleich die Sixpack-Challenge sein, mit Scheinwerfern, Hüttenkäse und ganz viel Salat. Sonst wäre ich eh nach zwei Lektionen Springseilen wieder versackt mit meinem Pizzateig-Bauch und den Speckrollen unter den Achseln.

Hja, wer hätte das gedacht: Bewegung ist heilsam, ka-tsching. Hätte ich eigentlich selber draufkommen können. Wer rastet, der rostet und so, nicht wahr? Wussten ja schon unsere Altvorderen, Turnvater Friedrich Ludwig Jahn etwa: Frisch! Fromm! Fröhlich! Frei! Hat schon was, das Motto. War heute um 7 Uhr früh frisch und fromm im Spinning beim grossartigen Rolf und fühle mich fröhlich und frei wie schon lange nicht mehr.

Mein Körper hat regelrecht rebelliert während der Schonzeit. Ich glaube, er hat aus Trotz gleich wieder mit dem Anlegen neuer Fettreserven begonnen (das ist jetzt eben der Jojo-Effekt, der sich bei ausbleibender Bewegung in meinem Fall sofort bemerkbar macht, weil ich so irrsinnig schnell abgenommen habe). Aber es bleiben ja noch zweieinhalb Monate bis zum 23. August. Hui, Adrenalin! Oder wie Babba Sven sagen würde: Gudde Laune!

Ach ja, und ein Kumpel hatte am Samstag noch einen hilfreichen Tipp gegen die Furzerei: Ananas. Ist ja obendrein auch noch ein Fatburner, wenn die Legende stimmt. Falls auch Sie noch einen Tipp parat haben, wie ich meine Emissionen dauerhaft senken kann, schreiben Sie es doch bitte ins Kommentarfeld. Ich werde es Ihnen danken.

So long,

Ihr Käpt'n Irrsinn

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