Trinkspiel in Kinderabteilung - Darum verkauft die Migros ein Beer-Pong-Spielset
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Trinkspiel in KinderabteilungDarum verkauft die Migros ein Beer-Pong-Spielset

Die Migros verkauft keinen Alkohol. Jetzt hat eine Kundin bei den Sommerspielsachen ein Trinkspiel entdeckt. Das gehöre weder in die Kinderabteilung noch zur Philosophie des Ladens, ärgert sie sich.

von
Janine Gloor
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Dieses Beer-Pong-Set verkauft die Migros bei den Sommerspielen.

Dieses Beer-Pong-Set verkauft die Migros bei den Sommerspielen.

20min/News Scout
«Das Spiel hat in der Kinderabteilung nichts verloren», sagt die Migros-Kundin.

«Das Spiel hat in der Kinderabteilung nichts verloren», sagt die Migros-Kundin.

20min/Marvin Ancian
Beer Pong ist ein Spiel aus den USA, das hauptsächlich als Trinkspiel gespielt wird.

Beer Pong ist ein Spiel aus den USA, das hauptsächlich als Trinkspiel gespielt wird.

Getty Images

Darum gehts

  • Ein Beer-Pong-Set in der Kinderabteilung irritierte eine Kundin.

  • Beer Pong ist ein Trinkspiel aus den USA.

  • Dieses Spiel gehört nicht in eine Kinderabteilung, findet auch das Blaue Kreuz.

  • Beer Pong erfreut sich einer hohen Nachfrage.

Bei den Sommerspielsachen in der Migros Wädenswil entdeckte ein News-Scout etwas, das sie «voll daneben» fand. Es war ein Set für das Spiel Beer Pong, das M.* verärgerte.

Für 9.95 Franken verkauft die Migros ein Spielset mit roten Plastikbechern und gelben Pingpong-Bällen. Beer Pong ist ein Trinkspiel aus den USA. Zwei Teams stellen auf ihrer Tischhälfte mit Bier gefüllte Becher auf. Wenn das gegnerische Team einen Pingpong-Ball in einen Becher trifft, muss der Inhalt getrunken werden.

Was News-Scout M. am meisten störte, ist die Platzierung des Beer-Pong-Sets bei den Kinderspielsachen für den Sommer. «Das Spiel hat in der Kinderabteilung nichts verloren», sagt sie. «Die Migros hat aufgrund ihrer Geschichte eine Verantwortung, den Konsum von Alkohol nicht zu fördern.»

Alkohol in der Migros

1983 wurde der Grundsatz, keinen Alkohol in der Migros zu verkaufen, in den Statuten des Migros-Genossenschafts-Bunds festgelegt. Diese Philosophie geht zurück auf den Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Er wollte verhindern, dass mit niedrigen Preisen die «Volkssucht Alkohol» gefördert wird. Trotzdem hat die Migros schon zu Duttweilers Zeiten alkoholhaltige Produkte, etwa Kirschtorten oder Pralinen, verkauft. Diese Produkte stellen gemäss der Migros keine ernstzunehmende Gefahr dar, da in den Pralinen nur eine geringe Menge enthalten sei und sie im Vergleich zu einem Bier viel teurer seien.

M. hat selber zwei Kinder, eines im Teenager- und eines im Kleinkind-Alter. «Ich bin nicht grundsätzlich gegen Alkohol», sagt sie. Doch dieses Produkt sollte Erwachsenen angeboten werden, die selber darüber entscheiden können. «Wenigstens hätte die Migros das Spiel bei den Partyartikeln platzieren können», sagt die Mutter.

«Beer Pong mit alkoholfreiem Bier»

Auf den Ärger der Kundin angesprochen, teilt ein Sprecher 20 Minuten mit, dass die Migros auch Spielwaren für Erwachsene anbiete. «Dabei berücksichtigen wir aktuelle Trends», sagt er. Beer-Pong erfreue sich einer hohen Nachfrage.

Die Migros sieht in der Natur des Spiels keine direkte Verbindung zum Konsum von Alkohol: «Obwohl das Spiel ‹Beer-Pong› heisst, kann es ausserdem auch mit anderen Getränken gespielt werden, wie zum Beispiel alkoholfreiem Bier.»

Über ihren Onlineshop verkauft die Migros alkoholische Getränke, in den Läden gibt es diese sonst nur bei zur Migros gehörenden Läden wie Denner.

«Ausgerechnet die Migros»

Beim Blauen Kreuz hat man wenig Verständnis für das Beer-Pong-Set im Sortiment der Migros. «Sollen Kinder für alkoholhaltige Trinkspiele gewonnen werden, während das Gesetz den Verkauf von alkoholhaltigen Getränken an Kinder ausdrücklich verbietet?», sagt eine Sprecherin auf Anfrage von 20 Minuten.

Aus Sicht des Blauen Kreuzes sei es stossend, dass ausgerechnet die Migros das Produkt Beer-Pong vertreibe. «Im Sinne der betrieblichen Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen würden wir es begrüssen, wenn die Migros von solchen Produkten im Sortiment absehen würde.»

*Name der Redaktion bekannt

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