Unicorns: Darum versagen die Tech-Stars an der Börse
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UnicornsDarum versagen die Tech-Stars an der Börse

Rocket Internet, Alibaba oder Twitter: Aus Start-ups wurden über Nacht Milliardenkonzerne. Doch an der Börse dümpeln die Titel vor sich hin – mit einer Ausnahme.

von
K. Wolfensberger

Von einem Tag auf den nächsten erobern sie die Welt: die Einhörner (engl. unicorns). Gemeint sind damit aber nicht etwa Fabelwesen, sondern Firmen wie Facebook, Twitter, Alibaba, Rocket Internet oder Groupon, die sich innert weniger Jahre von der Minifirma zum Milliardenunternehmen entwickelt haben. Sie gehören zu den absoluten Lieblingen der Investoren und vor allem der Risikokapitalgeber, die auf üppige Renditen hoffen.

In den vergangenen Jahren sei es wegen dieser Hoffnungen zu einer regelrechten Unicorn-Rally gekommen, sagt der Schweizer Usgang.ch-Gründer und Tech-Investor Marc P. Bernegger zu 20 Minuten. Insgesamt 145 Firmen zählt der Informationsdienst CBInsights inzwischen zu diesem exklusiven Club. Dass der Wert der Firmen so schnell nach oben geschossen ist, liegt am Verhalten der Risikokapitalgeber: Sie schaukeln die Einhörner in mehreren Finanzierungsrunden hoch. Längerfristiges Ziel dabei ist oft ein möglichst ertragreicher Gang an die Börse.

Enttäuschung nach Börsengang

Kommt es schliesslich zum Debüt an den Märkten, schlagen sich die Jungunternehmen aber oft schlecht. Das zeigt eine Analyse der NZZ, die die Kursentwicklung der sieben bekannten Einhörner Facebook, Twitter, Groupon, Lending Club, Alibaba, Box und Rocket Internet untersucht hat. Es zeigte sich, dass die Titel der Firmen auf lange Sicht zum Teil deutlich unter dem ursprünglichen Ausgabepreis notierten.

Eine Ausnahme ist Facebook. Der Aktienkurs des sozialen Netzwerks entwickelt sich prächtig. Für Tobias Hüttche, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, ist das wenig erstaunlich. Im Gegensatz zu den anderen Firmen liefere Facebook gute Resultate und sei hochprofitabel. «Das Unternehmen ist eigentlich kein fabelhaftes Einhorn mehr, sondern ein respektabler Goldesel», so der Experte.

«Potenzial ist oft beschränkt»

Johannes Höllerich von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften teilt diese Einschätzung: «Facebook kann die eigene Wachstumsstory mit guten Zahlen im letzten Quartal untermauern, der Umsatz wurde gesteigert und der Gewinn mehr als verdoppelt.» Auch der Anstieg bei den Nutzerzahlen der Plattform und bei weiteren Dienstleistungen mache Facebook attraktiv. Dabei habe CEO Mark Zuckerberg vor allem mit dem Kauf von Whatsapp ein goldenes Händchen bewiesen. Schliesslich dürfte der Ausblick auf neue Angebote, etwa im Bereich des Zahlungsverkehrs oder der Virtual Reality, den Aktienkurs beflügelt haben.

Im Gegensatz zum sozialen Netzwerk war bei den anderen untersuchten Firmen die Stimmung bei den Anlegern besser als die eigentliche Lage. Professor Hüttche sagt: «Das Potenzial von Geschäftsideen, die irgendwie etwas im Internet und mit einer App machen, ist oft sehr beschränkt.» Das merke man häufig aber erst im Nachhinein, die Kraft der Ideen werde zuerst überschätzt. Und Marc P. Bernegger warnt: «Wir werden deshalb noch einige Einhörner sehen, die ihre Bewertung nach unten anpassen müssen.»

Die Risiken sind klar

Dabei gilt allgemein: Der Handel mit Aktien ist risikoreich. Doch auf diese Risiken werde meist hingewiesen, erklärt Hüttche. Zum Beispiel bei Rocket Internet, der Beteiligungsgesellschaft, der unter anderem Zalando gehört. Im Börsenprospekt schreibt Rocket Internet ausdrücklich, dass gewisse ihrer Firmen «möglicherweise nie gewinnbringend» sein werden. «Doch wer nimmt diese Hinweise ernst?», fragt Hüttche.

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