05.10.2016 11:43

Tödliche GefahrDarum wandern Parasiten schnurstracks ins Gehirn

Gelangen Amöben in den menschlichen Körper, zieht es sie oft ins Gehirn. Nun haben Forscher erkannt, warum das so ist.

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Als sie beim Raften in einem US-Naturwasserpark kenterte, infizierte sich die 18-jährige Lauren Seitz mit der Amöbenart Naegleria fowleri. Über die Nase war der Parasit zunächst in den Körper und schliesslich ins Gehirn gelangt.

Als sie beim Raften in einem US-Naturwasserpark kenterte, infizierte sich die 18-jährige Lauren Seitz mit der Amöbenart Naegleria fowleri. Über die Nase war der Parasit zunächst in den Körper und schliesslich ins Gehirn gelangt.

Screenshot Channel 9
Die Amerikanerin überstand die Begegnung nicht. Sie starb an den Folgen der tödlichen Infektion im Gehirn.

Die Amerikanerin überstand die Begegnung nicht. Sie starb an den Folgen der tödlichen Infektion im Gehirn.

Twitter.com/Lis Foster
Lange war unklar, was die Parasiten zu einer so zielgerichteten Attacke auf unser zentrales Nervensystem bewegt. Doch nun präsentieren Forscher der Universität Karachi in Pakistan die Lösung.

Lange war unklar, was die Parasiten zu einer so zielgerichteten Attacke auf unser zentrales Nervensystem bewegt. Doch nun präsentieren Forscher der Universität Karachi in Pakistan die Lösung.

PD

Wer schwimmen geht, rechnet mit allem – aber nicht damit, dass ihm anschliessend das Gehirn zerfressen wird. Doch genau das kann passieren – vor allem in wärmeren Gewässern wie heissen Thermen, aber auch in schlecht chlorierten Schwimmbecken.

So erging es kürzlich auch Lauren Seitz (siehe Bildstrecke), die bei einer Rafting-Tour in einem US-Naturwasserpark kenterte. Dabei drang kontaminiertes Wasser in ihre Nase, über das sie sich mit der Amöbe Naegleria fowleri infizierte.

Diese frass sich durch die Schleimhäute bis in ihr Gehirn und zersetzte dort innerhalb weniger Tage die Gehirnmasse, wie eine Untersuchung der US-Gesundheitsbehörde CDC ergab. Für die 18-Jährige kam jede Hilfe zu spät.

Botenstoff lockt Einzeller an

Lange war unklar, was die Parasiten zu einer so zielgerichteten Attacke auf unser zentrales Nervensystem bewegt. Doch nun vermelden pakistanische Forscher im «Journal of Receptors and Signal Transduction», die Lösung gefunden zu haben.

Demnach scheint Acetylcholin, ein häufig vertretener Botenstoff der Nervenzellen im Gehirn, als Lockstoff für die Parasiten zu fungieren.

Parasiten im Fokus

Für die Studie hat das Team um Abdul Mannan Baig von der Universität Karachi eine andere Amöbenart untersucht, die den menschlichen Körper über offene Wunden entert: In deren Erbmaterial stiessen sie auf ein Protein, das eine sehr ähnliche Struktur hat wie ein menschlicher Acetylcholinrezeptor.

Diesen fanden die Forscher auch bei näherer Betrachtung der Naegleria fowleri vor. Baig und seine Kollegen vermuten deshalb, dass sich die gefährlichen Einzeller dank dieses Rezeptors orientieren und immer weiter in die Geweberegionen mit viel Acetylcholin vordringen.

Behandlung bald möglich?

Sollen sich die Erkenntnisse verfestigen, könnten Medikamente, die den Rezeptor blockieren, künftig als Therapie für infizierte Patienten dienen. Entsprechende Präparate gibt es schon: Sie werden bereits zur Behandlung des sogenannten Reizdarmsyndroms oder als Herzmedikament eingesetzt.

Zwar sind Infektionen mit Naegleria fowleri äusserst selten – in den USA haben sich seit 1962 nur 138 den Parasiten eingefangen –, aber angesichts des immer wärmer werdenden Klimas rechnen Experten damit, dass die Zahl der Betroffenen steigt. Schliesslich lieben die Amöben warme Umgebungen.

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