Fachkräftemangel: Darum war es noch nie so einfach, einen neuen Job zu finden
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FachkräftemangelDarum war es noch nie so einfach, einen neuen Job zu finden

Es gibt immer mehr offene Stellen. Firmen auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden müssen nun mehr bieten als früher. Bei vielen Angestellten ist die Wertschätzung im Unternehmen ausschlaggebend für einen neuen Job.

von
Fabian Pöschl
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Wer auf Jobsuche ist, hat derzeit viele Optionen.

Wer auf Jobsuche ist, hat derzeit viele Optionen.

20min/Michael Scherrer
Noch nie gab es so viele offene Stellen.

Noch nie gab es so viele offene Stellen.

imago images/Ralph Peters
Grund dafür ist die steigende Nachfrage nach der Corona-Krise.

Grund dafür ist die steigende Nachfrage nach der Corona-Krise.

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Darum gehts

Arbeitsuchenden bieten sich derzeit so viele Chancen wie noch nie. Die Anzahl Stelleninserate lag zwischen Januar und März zum zweiten Mal in Folge auf einem Rekordwert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die Ausschreibungen um 47 Prozent, wie der Stellenvermittler Adecco unter Bezug auf den Stellenmarkt-Monitor der Universität Zürich mitteilt.

Grund dafür sei die steigende Nachfrage nach der Corona-Krise, die auch in naher Zukunft noch anhalten werde. Gemäss der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich planen deshalb Unternehmen aus allen Branchen, ihren Personalbestand auszubauen. 85’000 Fachkräfte fehlen laut dem Stellenvermittler Dynajobs in der Schweiz.

Auch in der Autogarage sind IT-Kenntnisse gefragt

Besonders gefragt seien digitale Kompetenzen. In fast jedem dritten Stelleninserat würden zumindest Grundkenntnisse verlangt, egal, ob in akademischen oder handwerklichen Jobs. «In vielen Berufen werden Arbeitsprozesse fortdauernd digitalisiert», sagt Yanik Kipfer von der Universität Zürich. So werde der Computer etwa auch in handwerklichen Berufen, wie beispielsweise in einer Autogarage, ein immer wichtigeres Werkzeug.

Mit solchen Kompetenzen stehen die Chancen auf eine neue Stelle gut, wie es bei Adecco heisst. Arbeitgebende müssten sich bei der hohen Anzahl offener Stellen aktuell besonders stark bemühen, um solche Mitarbeitende anzuziehen und bestehende Mitarbeitende im Unternehmen zu halten.

«Die Leute wollen etwas bewirken im Job»

Doch nicht jeder Stellensuchende finde sofort einen Job, sagt Personalexpertin und Arbeitspsychologin Eva Fankhauser von der Beratungsagentur BäRa Dienstleistungen. «Wer schlecht ausgebildet ist, wird immer mehr Mühe haben, etwas Passendes zu finden», so Fankhauser.

Besonders gefragt seien gemäss ihren Kunden Fachleute im Handwerk und Pflegebereich. Auch Fankhauser ist überzeugt, dass Firmen auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden mehr bieten müssen als früher. «Viele Leute, die ich berate, sind nicht zufrieden bei der Arbeit, weil ihnen der Sinn darin fehlt. Sie wollen nicht mehr alles machen, haben höhere Erwartungen und wollen etwas bewirken im Job», so Fankhauser.

Chefinnen und Chefs müssen deshalb auf die Interessen der Leute eingehen, sie sollen laut Fankhauser neue Projektarbeiten oder passende Weiterbildungen anbieten. Ausserdem sollten sie flexibel sein, etwa beim Homeoffice oder beim Arbeitspensum. Sie sollen laut der Expertin auch die Kinderbetreuung unterstützen, sodass die Angestellten spüren, dass sich die Firma nicht nur um sie, sondern auch um ihre Familien kümmert.

So kannst du dich nach der Wertschätzung in der Firma erkundigen

Auch Personalexpertin Ursula Bergundthal vermutet, dass für viele Leute die Wertschätzung der Firma ein entscheidendes Kriterium für den Job sei. «In der Corona-Zeit haben viele im Homeoffice die Anerkennung vermisst und unter anderem auch deswegen den Job gewechselt», sagt Bergundthal.

Wem die Wertschätzung wichtig sei, der könne beim Bewerbungsgespräch Fragen stellen, um die Unternehmenskultur einschätzen zu können. Alarmzeichen sollen laut Bergundthal schrillen, wenn der künftige Vorgesetzte nur ein Standardgespräch führt und sich nicht für die Person interessiert.

Wer fragt, wie lange die Angestellten in der Regel in der Firma bleiben oder warum der Vorgänger das Unternehmen verliess, bekomme in den Antworten ein Gespür dafür, was für eine Unternehmenskultur gelebt wird. Ebenfalls helfen könnten Arbeitgeberbewertungs-Tools wie Kununu.

Löhne sollen nur leicht steigen

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