Tyrannosaurus Rex – Darum waren seine Ärmchen so kurz
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Neue TheorieDarum waren die Ärmchen des T-Rex so kurz

Seit Jahrzehnten rätseln Forschende über die Gründe, weshalb der Tyrannosaurus Rex nur so kurze Arme hatte. Nun liefert ein Paläontologe eine einleuchtende Theorie.

von
Jean-Claude Gerber
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Der Tyrannosaurus Rex, der vor 68 bis 66 Millionen Jahren in Nordamerika und Asien lebte, war eine beeindruckende Kreatur.  Er mass 14 Meter, sein Kopf alleine war 1,5 Meter gross.

Der Tyrannosaurus Rex, der vor 68 bis 66 Millionen Jahren in Nordamerika und Asien lebte, war eine beeindruckende Kreatur.  Er mass 14 Meter, sein Kopf alleine war 1,5 Meter gross.

Imago/ Zdenek Maly
Doch seine Arme waren winzig. Gerade einmal einen Meter lang. (Im Bild: Thomas der T-Rex im Natural History Museum in Los Angeles.)

Doch seine Arme waren winzig. Gerade einmal einen Meter lang. (Im Bild: Thomas der T-Rex im Natural History Museum in Los Angeles.)

imago images/Eco Images/UIG
Übertragen auf einen 1,80 Meter grossen Menschen würde das Arme von nur 13 Zentimeter Länge bedeuten.  (Im Bild: Ein Gipsmodell eines Tyrannosaurus-Rex-Skeletts im Valley Life Sciences Building der University of California Berkeley.)

Übertragen auf einen 1,80 Meter grossen Menschen würde das Arme von nur 13 Zentimeter Länge bedeuten. (Im Bild: Ein Gipsmodell eines Tyrannosaurus-Rex-Skeletts im Valley Life Sciences Building der University of California Berkeley.)

Peg Skorpinski

Daum gehts

  • Der Tyrannosaurus Rex war ein furchteinflössender Jäger – doch seine Arme waren winzig.

  • Wieso das so war, ist Gegenstand unzähliger Erklärungsversuche.

  • Der Paläontologe Kevin Padian hat jetzt vielleicht die Lösung entdeckt.

  • Da Tyrannosaurier zusammen jagten, haben sie wohl auch zusammen gefressen.

  • Wenn sie einen Kadaver zerlegten, boten kurze Arme den Vorteil, weniger leicht von einem anderen T-Rex abgebissen zu werden.

Der Tyrannosaurus Rex war ein furchteinflössendes Raubtier. Der Raubsaurier war 14 Meter lang, allein sein Kopf mass riesige 1,5 Meter. Dagegen waren seine Arme buchstäblich armselig. Sie massen gerade einmal einen Meter. Übertragen auf einen 1,80 Meter grossen Menschen würde das Arme von nur 13 Zentimeter Länge bedeuten. Als der Paläontologe Barnum Brown 1900 den ersten T-Rex entdeckte, konnte er sich nicht vorstellen, dass die winzigen Ärmchen zum gleichen Skelett gehörten.

Auch der US-Paläontologe Kevin Padian hatte lange keine Antwort darauf, weshalb das so ist. Auf entsprechende Fragen seiner Studentinnen und Studenten in seinen Seminaren antwortete er für gewöhnlich: «Niemand weiss es.» Doch die Frage liess ihm keine Ruhe. Und so suchte der inzwischen emeritierte Professor einen neuen Erklärungsansatz, wie er im Fachjournal «Acta Palaeontologia Polonica» schreibt. Er suchte nach Vorteilen, die so kurze Arme dem T-Rex bringen könnten.

T-Rex jagte im Rudel

Vergangenes Jahr veröffentlichten Forscher des amerikanischen Bureau of Land Management eine Studie, wonach Tyrannosaurier möglicherweise nicht alleine, sondern in Rudeln jagten, ähnlich wie Wölfe. Diese Erkenntnis brachte Padian auf eine neue Spur. Wenn die Raubtiere gemeinsam jagten, dann frassen sie wohl auch gemeinsam. Und wenn mehrere solcher Giganten ihre Beute zerrissen, war es möglicherweise von Vorteil, so kurze Arme zu haben.

«Was, wenn sich mehrere ausgewachsene Tyrannosaurier um einen Kadaver versammelten? Es gab dort eine Menge riesiger Schädel mit unglaublich kräftigen Kiefern und Zähnen, die direkt neben dir herzhaft ins Fleisch und die Knochen reinbissen», erklärte Padian in einer Mitteilung. «Und wenn dein Freund neben dir fand, dass du ihm etwas zu nahe kommst? Er hätte dich vielleicht vertrieben, indem er dir einen Arm abbiss.»

Tatsächlich wurde bei Reptilien wie Krokodilen oder Alligatoren beobachtet, dass sie in einem Fressrausch aus Versehen die Gliedmassen ihrer Artgenossen abrissen. Falls bei den Tyrannosauriern eine ähnliche Gefahr bestand, wären kurze Arme also eher hilfreich gewesen. «Es wäre von Vorteil gewesen, wenn die Gliedmassen geschrumpft wären, da sie für den Beutefang sowieso nicht benötigt wurden», so Padian.

Auch andere Raubsaurier hatten kurze Arme

Die Urahnen des T-Rex hatten dagegen deutlich längere Arme. Da die Evolution Lebewesen robuster und überlebensfähiger für ihren Lebensraum macht, kann davon ausgegangen werden, dass das Schrumpfen der Arme den Raubsauriern irgendeinen Vorteil bringen musste. Padian merkte dazu an, dass auch die Abelisaurier und Carcharodontosaurier, die in einem anderen Zeitabschnitt andere Gegenden der Erde bevölkerten, ebenfalls so kurze Arme hatten.

Doch so einleuchtend die Theorie auch sein mag, einen Beweis dafür wird es – wie für alle anderen auch – kaum jemals geben, wie der Paläontologe selber zugibt. Schliesslich ist es 66 Millionen Jahren her, seit der letzte T-Rex auf der Erde Schrecken verbreitete. 

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