Olympia 2022: Wendy Holdener vergiesst nach Bronze-Gewinn Tränen
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«Ich hatte schon aufgegeben»Darum weinte Wendy Holdener im Olympia-Zielraum gleich zweimal

Wendy Holdener durchläuft im Olympia-Rennen eine Achterbahn der Gefühle. Am Ende kann das Schweizer Slalom-Ass aber aber vor allem lachen. 

von
Adrian Hunziker
Nils Hänggi
(aus Peking)

Holdener sichert sich Bronze im Slalom. 

SRF

Darum gehts

  • Wendy Holdener holt sich an den Olympischen Spielen Bronze Slalom

  • Im Ziel vergoss die 28-Jährige Tränen, zuerst solche der Enttäuschung, dann der Freude.

  • Im Oktober hatte sich Holdener im Training beide Handgelenke gebrochen.

  • Michelle Gisin verpasste dagegen eine Medaille. 

  • Die Obwaldnerin blieb gefasst, auch wenn sie bitter enttäuscht war. 

Was für eine Dramatik im Olympischen Slalom der Frauen! Zuerst schied die Dominatorin der letzten Jahre, Mikaela Shiffrin, aus, dann legtr die Disziplinensiegerin dieses Jahres, Petra Vlhova, einen Super-Lauf in den Schnee. Und dann kam Wendy Holdener, Fünfte nach dem ersten Lauf. Doch ihr Vorsprung reichte nicht, im Ziel leuchtete Rot statt Grün. Immerhin war die 28-Jährige im Zwischenklassement noch Dritte, eine kleine Chance auf Bronze lebte also noch. Aber es kamen ja noch vier Fahrerinnen. 

«Im Ziel dachte ich, das war zu wenig. Ich hatte es eigentlich schon aufgegeben», sagte Holdener im Interview mit dem SRF mit Tränen in den Augen. Zuerst waren es Tränen der Enttäuschung, dann folgten die Tränen der Freude. Denn alle vier weiteren Fahrerinnen blieben hinter Holdener zurück, die Bronzemedaille war Tatsache. «Ich fuhr sackstark. Ich wusste, ich kann heute ein gutes Rennen fahren. Nun bin ich happy, dass es doch noch reichte.»

Doppelter Handgelenkbruch im Oktober

Sie haderte zuerst mit ihrem Schicksal. Es habe doch alles gepasst, sie habe nicht gewusst, was sie noch anders hätte machen können. «Dass es doch noch reichte, gibt einem riesigen Mut und macht happy, dass die Arbeit sich ausbezahlt hat», bilanzierte Holdener letztlich doch noch. Und auch auf der Pressekonferenz war sie sichtlich happy. «Ich bin einfach froh, dass die Zeit auf meiner Seite war. Ich wusste nicht, ob sie für eine Medaille reichte.» Holdener lachte, sie war gut drauf.

Besonders beeindruckend ist Holdeners Leistung in Anbetracht der Widrigkeiten, mit denen die Unteribergerin in dieser Saison zu kämpfen hatte. Im Oktober brach sie sich im Konditionstraining gleich beide Handgelenke – das Mitten in der Entscheidenden Vorbereitungsphase auf die Olympiasaison. Erst im November kehrte Holdener zurück auf die Ski. Nun wird die 28-Jährige mit Bronze für ihre Leidenszeit entschädigt.

Wendy Holdener vergoss Tränen im Zielraum. 

Wendy Holdener vergoss Tränen im Zielraum. 

AFP

«Ich wollte es zu gut machen»

Etwas gefasster war Michelle Gisin. Das, obwohl die Obwaldnerin als Zweite in den zweiten Lauf gestartet war und sich am Ende mit dem sechsten Rang begnügen musste. «Ich wollte es zu gut machen. Ich bin den obersten Teil gut gefahren, wollte insgesamt aber zu sauber fahren. Das tut weh, das ist bitter.» Sie zeigte eine starke Fahrt im ersten Lauf und «dass ich diese Ausgangslage nicht ausgenutzt habe, schmerzt», so die 28-Jährige weiter.

Vielleicht sei sie zu sehr mit dem Kopf gefahren. Ihr bedeuten diese technischen Disziplinen so viel und eine Olympiamedaille hätte ihr noch mehr bedeutet. «Ich will so eine seit so vielen Jahren. Und ich weiss nicht, ob ich nochmals eine Chance bekomme. Ich weiss nicht, ob ich in vier Jahren nochmals dabei bin.» In Peking darf sie sich im Super-G und in der Kombination jedoch noch weitere Medaillenchancen ausrechnen.

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