Serbien - Darum wird Putin in Belgrad auf der Strasse gefeiert

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SerbienDarum wird Putin in Belgrad auf der Strasse gefeiert

Eine Demo in der serbischen Hauptstadt Belgrad hat Schlagzeilen gemacht. Rund tausend Protestierende haben Russland ihre Unterstützung für den Einmarsch in die Ukraine demonstriert. 

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In Belgrad haben sich am Freitagabend Demonstrierende auf die Seite Putins geschlagen.

In Belgrad haben sich am Freitagabend Demonstrierende auf die Seite Putins geschlagen.

IMAGO/SNA
Viele Serbinnen und Serben sehen in den Russen ein «Brudervolk».

Viele Serbinnen und Serben sehen in den Russen ein «Brudervolk».

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Belgrad wurde im Kosovo-Krieg 1999 von Nato-Streitkräften bombardiert.

Belgrad wurde im Kosovo-Krieg 1999 von Nato-Streitkräften bombardiert.

imago images/Anka Agency International

Darum gehts

In der serbischen Hauptstadt Belgrad sind am Freitagabend rund tausend pro-russische Demonstranten auf die Strasse gegangen, um ihrer Unterstützung für den russischen Einmarsch in die Ukraine Ausdruck zu verleihen. Mit russischen Flaggen und Bildern von Kreml-Chef Wladimir Putin zogen die Demonstrierenden am Freitagabend durch das Stadtzentrum. Viele skandierten dabei Nato-feindliche Parolen. Doch weshalb wird Putin von Teilen der serbischen Bevölkerung gefeiert, während in anderen europäischen Ländern die Menschen gegen den russischen Einmarsch demonstrieren

«Der Hintergrund ist einerseits die Verbundenheit von Serbien mit Russland. Viele Serben haben die idealistische Vorstellung, dass die Russen ein Brudervolk seien», sagt Dr. Alexander Dubowy, Politik- und Rechtsanalyst und Russland-Experte.  Andererseits fördere Russland pro-russische Kräfte in Serbien aber auch Bosnien-Herzegowina aktiv, etwa finanziell. «Für Russland sind solche Kundgebungen eine gute Möglichkeit, gegenüber dem Westen anzudeuten, dass man die Situation auch im Balkan eskalieren lassen könnte. Etwa, indem man serbische Separatisten in Bosnien unterstützt, allenfalls bis hin zum militärischen Konflikt. Putin könnte so eine zweite Front schaffen, um den Fokus vom Ukraine-Krieg zu verschieben», so der Russland-Experte weiter.

Kosovo wird von Russland nicht anerkannt

Dazu kommt, dass Russland die Unabhängigkeit Kosovos nicht anerkennt. Die serbische Regierung betrachtet Kosovo formal als seine autonome Provinz, räumt jedoch ein, dass eine «serbische Souveränität über den Kosovo praktisch nicht vorhanden ist» und die «wahren Grenzen» Serbiens in der Zukunft noch zu bestimmen seien.

Die ablehnende serbische Haltung gegenüber der Nato ist zum grossen Teil damit begründet, dass Belgrad 1999 im Kosovo-Krieg von Streitkräften der Nato bombardiert wurde. Der Nato-Einsatz dauerte 78 Tage. Das Eingreifen der Nato in den Krieg geschah ohne UNO-Mandat. Am ersten Tag der Bombardements wandte sich der damalige US-Präsident Bill Clinton in einer TV-Ansprache an die Öffentlichkeit. «Heute haben unsere Streitkräfte gemeinsam mit unseren Nato-Verbündeten mit Luftschlägen gegen die serbischen Truppen begonnen, die für die Brutalität im Kosovo verantwortlich sind», sagte Clinton damals. Bei der sogenannten «Operation Allied Force» kamen nach Schätzungen von  Human Rights Watch mindestens 489 und höchstens 528 Zivilisten ums Leben.

Bei der UNO-Generalversammlung am 2. März stimmte Serbien für die Verurteilung der russischen Invasion.  Sanktionen gegen Moskau lehnt Serbien aber ab. Das Land sieht die Intervention der Nato 1999 als Verletzung des Völkerrechts an. Diese Haltung  ist auch eine Grundlage der eigenen Aussenpolitik. Deshalb muss Serbien den russischen Angriff auf die Ukraine formell verurteilen. Andererseits hat man mit Putin einen gemeinsamen Gegenspieler zur Nato. Serbien wiederum ist für Moskau ein wichtiger Verbündeter auf dem Balkan.

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(AFP/job)

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