Teure Auskunft – Darum wirst du bei der Zürcher Impf-Hotline zur Kasse gebeten
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Teure AuskunftDarum wirst du bei der Zürcher Impf-Hotline zur Kasse gebeten

Es gibt zahlreiche Info-Hotlines zur Corona-Impfung. Nur in Zürich kostet der Service. Trotzdem haben schon 400’000 Menschen angerufen.

von
Fabian Pöschl
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Wer eine Frage zur Corona-Impfung hat, findet dafür zahlreiche Hotlines vom Bund und den Kantonen.

Wer eine Frage zur Corona-Impfung hat, findet dafür zahlreiche Hotlines vom Bund und den Kantonen.

Tamedia AG
Fast alle Hotlines sind gratis, ob vom Bund oder den Kantonen.

Fast alle Hotlines sind gratis, ob vom Bund oder den Kantonen.

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In Zürich kostets aber. Die Anrufenden zahlen im Schnitt 80 Rappen.

In Zürich kostets aber. Die Anrufenden zahlen im Schnitt 80 Rappen.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Für Fragen zur Corona-Impfung gibt es zahlreiche Infolines vom BAG und den Kantonen.

  • Die meisten sind gratis, aber Zürcherinnen und Zürcher müssen für Infos zahlen.

  • Ein News-Scout, der Konsumentenschutz und der Digital-Experte finden das nicht korrekt.

Welchen Impfstoff bekomme ich? Welche Nebenwirkungen drohen? Fragen zur Corona-Impfung gibt es viele. Ebenso gibt es auch zig Info-Hotlines vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und den Kantonen. Ob in Bern, Basel, Genf oder Lausanne – in allen Kantonen und beim Bund sind die Infos gratis oder zum Festnetztarif zu bekommen, der bei Flat-Abos inbegriffen ist.

Nur in Zürich ist das anders. Dort werden die Leute zur Kasse gebeten, wenn sie Fragen zur Corona-Impfung haben. Denn der Kanton verwendet eine 0848er-Nummer. Bei dieser kostet ein Anruf laut der Zürcher Gesundheitsdirektion 7.5 Rappen pro Minute. Aus dem Ausland wirds noch teurer.

80 Rappen kostet der Anruf bei der Impf-Hotline im Schnitt

News-Scout M. wusste nichts von den Kosten, denn auf der Webseite der Stadt stehen keine Preisangaben. Umso grösser war sein Ärger, als er die Abrechnung seines Anbieters Salt sah, die 20 Minuten vorliegt. Rund 30 Rappen muss M. für ein knapp siebenminütiges Gespräch zahlen.

Im Schnitt zahlen die Anruferinnen und Anrufer sogar rund 80 Rappen, wie es auf Nachfrage bei der Gesundheitsdirektion heisst. Über 400’000 Anrufe nahm die Impfhotline des Kantons Zürich seit ihrem Start Ende März dieses Jahres entgegen.

M. macht das hässig. «Die Impf-Hotline sollte zum Service public gehören», sagt er zu 20 Minuten. So sieht es auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Impfwillige sollten ihre Anmeldungen ohne Kostenfolgen tätigen können, sagt sie zu 20 Minuten.

«Anstelle der diversen Impfförder-Gadgets, welche der Bundesrat in die Vernehmlassung gab, sollte der Bundesrat den Kantonen Mittel geben, wenn die Kantone das nicht selber stemmen können oder wollen.»

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz

Schlecht findet Stalder zudem, dass auf der Webseite keine Kosten ersichtlich sind. «Die Kosten müssen nur schon gemäss der Preisbekanntgabeverordnung angegeben sein», sagt Stalder. Sie verweist aber auch darauf, dass die Tarife für die Hotline auf der eigentlichen Webseite des Zürcher Gesundheitsdepartements angegeben sind.

Hürde fürs Impfen

Comparis-Digital-Experte Jean-Claude Frick findet es ebenfalls unverständlich, dass Leuten in Zürich, die Fragen zur Impfung haben, Hürden in den Weg gelegt werden. «Es kann nicht sein, dass so eine wichtige Nummer etwas kostet», sagt Frick.

Die Betriebskosten für die Infolines übernimmt der Bund. Indem sich das Zürcher Gesundheitsdepartement für die 0848-Nummer entschied, lagerte es zudem die Arbeiten wie das Einrichten einer Warteschlange an die Telecom-Anbieter aus, erklärt Frick. Dafür geht das Geld direkt an Swisscom, Salt und Sunrise.

Die Schaltungen für eine solche Helpline sind heutzutage schnell digital erledigt, sagt der Comparis-Experte. «Der Aufwand für die Telecom-Anbieter dürfte sich daher in Grenzen halten und das Geschäft relativ lukrativ sein», so Frick.

Eine Gratisnummer käme wohl schnell an die Kapazitätsgrenze

Das Zürcher Gesundheitsdepartement erklärt die Kosten für die Anruferinnen und Anrufer mit der Grösse des Kantons, eine Kostenfrage sei es nicht. Mit einer 0848er-Nummer liessen sich sehr viele Anrufe gleichzeitig abwickeln, sagt ein Sprecher. Mit einer Gratis-0800er-Nummer hingegen wären etwa bei 60 Mitarbeitenden nur 120 Leitungen freigeschaltet.

Die Hälfte der Anruferinnen und Anrufer landet dann in der Warteschlange. Der 121. Anrufer oder die 121. Anruferin käme aber in keine Leitung mehr. Die Person würde den Eindruck erhalten, dass die Impfhotline nicht funktioniert, sagt der Sprecher: «Deshalb kann für diesen Zweck im Kanton Zürich keine 0800-Nummer eingesetzt werden.»

Grossangelegte Impf-Offensive

Der Bundesrat rührt die grosse Kelle an, um die Impfbereitschaft im Land nochmals deutlich zu steigern. Die Offensive stützt sich auf vier Pfeiler: eine nationale Impfwoche, zusätzliche mobile Impfstellen, persönliche Informationsangebote wie die Impf-Hotlines und Gutscheine für erfolgreiche Impfberatung.

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