Gleichstellungsfrage: Darum wollen die Frauen wie ihre Männer heissen
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GleichstellungsfrageDarum wollen die Frauen wie ihre Männer heissen

Eine neue Statistik zeigt: Drei Viertel aller Frauen, die heiraten, nehmen den Nachnamen ihres Ehemannes an – allen Gleichstellungs-Bemühungen zum Trotz.

von
mme
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Drei Viertel oder 76,5 Prozent der Frauen nehmen den Namen ihres Mannes an, wie eine neue Statistik des Kantons Luzern zeigt, die auf Zahlen von 2018 basiert. (Symbolbild)

Drei Viertel oder 76,5 Prozent der Frauen nehmen den Namen ihres Mannes an, wie eine neue Statistik des Kantons Luzern zeigt, die auf Zahlen von 2018 basiert. (Symbolbild)

Danny Lawson
Nicht nur im Kanton Luzern sind die Werte so hoch. Schweizweit waren es 2016 immerhin 70,3 Prozent aller Frauen, die den Namen des Mannes wählten. (Symbolbild)

Nicht nur im Kanton Luzern sind die Werte so hoch. Schweizweit waren es 2016 immerhin 70,3 Prozent aller Frauen, die den Namen des Mannes wählten. (Symbolbild)

epa/Roman Pilipey
SP Nationalrätin Min Li Marti findet es schade, dass Frauen den Namen ihres Partners annehmen. «Ich sehe es als Zeichen dafür, dass den Frauen die eigene Identität weniger wichtig ist als den Männern.»

SP Nationalrätin Min Li Marti findet es schade, dass Frauen den Namen ihres Partners annehmen. «Ich sehe es als Zeichen dafür, dass den Frauen die eigene Identität weniger wichtig ist als den Männern.»

Keystone/Walter Bieri

Man könnte meinen, in Zeiten der Frauenbewegung möchten Frauen nach ihrer Heirat immer noch so heissen wie vorher. Doch dem ist nicht so: Drei Viertel oder 76,5 Prozent der Ehefrauen nehmen den Namen ihres Mannes an, wie eine neue Statistik des Kantons Luzern zeigt, die auf Zahlen von 2018 basiert.

Und das ist nicht nur im katholisch-konservativen Luzern so: Schweizweit waren es 2016 immerhin 70,3 Prozent aller Frauen, die den Namen des Mannes wählten. Besonders erstaunlich: In den letzten zehn Jahren hat sich das kaum verändert. 1998 nahmen in Luzern 79,2 Prozent der Frauen den Namen des Mannes an.

«Ich konnte mir nicht vorstellen, meinen Namen zu wechseln»

Nun kann ein Nachname die Identität einer Person mitprägen. Wieso also verzichten heute viele moderne Frauen nach der Heirat freiwillig auf ihren Namen? Die Zürcher SP-Nationalrätin und Feministin Min Li Marti hat mögliche Erklärungsansätze. Zunächst sagt sie: «Als ich geheiratet habe, konnte ich mir nicht vorstellen, den Namen zu wechseln.»

Oft heisse es, es sei den Frauen wichtig, dass alle in der Familie den selben Namen tragen. «Dies, obwohl man das auch mit dem Namen der Frau erreichen könnte», wie Marti bemerkt. «Das macht allerdings kaum jemand.». Die Zahlen von Lustat geben ihr Recht: 2018 nahmen in Luzern nur 3,1 Prozent der Männer den Namen der Frau an.

Werden Doppelnamen wieder eingeführt?

Sie könnte sich vorstellen, dass die Wiedereinführung von Doppelnamen nach dem Muster Meier-Müller aus dem Dilemma führen könnte. Derzeit ist eine parlamentarische Initiative von SVP-Nationalrat Luzi Stamm hängig, die genau das fordert.

Weiter führt Marti aus: «Sicher spielt auch Tradition eine Rolle, dass Frauen den Namen des Partners annehmen. Und Personen, die heiraten, sind wohl konservativer als solche, die unverheiratet mit jemandem zusammenleben.» Diese Traditionen gäbe es seit Jahrhunderten, so schnell ändere sich das nicht, «auch wenn wir in den letzten Jahren viel erreicht haben.»

«Frauen ist eigene Identität weniger wichtig als jene ihrer Männer»

Persönlich findet Marti, es sei natürlich schon Privatsache jeder einzelnen Frau zu entscheiden, wie sie nach der Heirat heissen will – dennoch findet sie es schade, dass so viele Frauen zum Namen des Mannes wechseln. «Ich sehe es als Zeichen dafür, dass den Frauen die eigene Identität weniger wichtig ist als den Männern, aber das ist meine persönliche Meinung.»

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