Cyber-Attacke auf US-Pipeline - Darum zahlst du gerade mehr fürs Benzin
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Cyber-Attacke auf US-PipelineDarum zahlst du gerade mehr fürs Benzin

In den USA stand die grösste Öl-Pipeline still. Das wirkt sich auch auf die Schweizer Zapfsäulen aus.

von
Barbara Scherer
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Der Preis für Benzin ist leicht gestiegen.

Der Preis für Benzin ist leicht gestiegen.

20min/Simon Glauser
Grund dafür ist ein Hackerangriff auf die grösste US-Pipeline.

Grund dafür ist ein Hackerangriff auf die grösste US-Pipeline.

AFP
Der moderate Preisanstieg sei auf spekulative Käufe zurückzuführen, heisst es vonseiten der Oel-Pool AG.

Der moderate Preisanstieg sei auf spekulative Käufe zurückzuführen, heisst es vonseiten der Oel-Pool AG.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Die Colonial Pipeline war seit einem Cyber-Angriff lahmgelegt, wurde aber am Mittwochabend wieder in Betrieb genommen.

  • Die Benzinpreise sind auch hierzulande zwischenzeitig leicht gestiegen.

  • In verschiedenen US-Bundesstaaten kam es zu Engpässen beim Benzin und zu den höchsten Preisen seit 2014.

Die grösste Pipeline der USA lag seit letzter Woche still, am Mittwoch wurde sie wieder in Betrieb genommen. Grund dafür ist ein Hackerangriff der Gruppe DarkSide. Diese hat mit einer Schadsoftware sensible Daten gestohlen und erpresste die Pipeline-Betreiberfirma Colonial.

Als Folge des Cyber-Angriffs hat die Pipeline Teile der Anlage stillgelegt. Die Lage hatte sich zuletzt verschärft. Im Bundesstaat North Carolina etwa war nach Angaben der Marktanalysefirma Gasbuddy zur Wochenmitte an fast zwei von drei Tankstellen kein Benzin mehr erhältlich. In Virginia seien 44 Prozent der Tankstellen betroffen, in South Carolina und in Georgia seien es jeweils 43 Prozent. Auch in anderen Bundesstaaten im Südosten der USA kam es demnach zu Engpässen. Die Knappheit hat die Benzinpreise auf den höchsten Stand seit 2014 getrieben und teilweise zu turbulenten Szenen an Tankstellen geführt.

Die US-Regierung hatte die Bürger bereits am Dienstag aufgefordert, keinen Kraftstoff zu horten. «Die nächsten Tage werden herausfordernd sein», sagte Energieministerin Jennifer Granholm in Washington.

Der Hackerangriff auf die US-Pipeline war auch in der Schweiz spürbar: Die Preise für Öl und Benzin haben sich seither leicht erhöht, wie Bernhard Maurer von der Oel-Pool AG gegenüber 20 Minuten bestätigt. Das Unternehmen betreibt über 500 Tankstellen in der Schweiz.

«Diese moderate Erhöhung ist unserer Meinung nach auf spekulative Käufe zurückzuführen», erklärt Maurer. Wäre die Pipeline länger unterbrochen geblieben, hätten die Preise aber spürbar nach oben gehen können. Denn die Verschiebung von Öl-Produkten aus Europa zur Überbrückung in die USA, hätte das Benzin hierzulande verteuert.

Bis Pipeline wieder vollständig läuft, wird es dauern

Preisanstiege an den Zapfsäulen in der Schweiz können grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, heisst es auch vonseiten der Coop Mineralöl AG.

Aber der Preis für Benzin steige hierzulande jeweils deutlich weniger stark als der Rohölpreis. «Das hat mit den Steuern und Abgaben zu tun, die den Hauptteil des Preises an der Zapfsäule in der Schweiz ausmachen», erklärt ein Sprecher.

Das ist die Colonial Pipeline

Die Colonial Pipeline führt über insgesamt 8850 Kilometer durch den Süden und Westen der USA. Sie transportiert normalerweise pro Tag 2,5 Millionen Barrel Benzin, Kerosin und andere Erdölprodukte durch die Leitungen. Fast die Hälfte der Kraftstoffversorgung der US-Ostküste fliesst durch diese Pipelines. Zu den Abnehmern zählen auch mehrere Flughäfen, wie der weltgrösste Airport in Atlanta.

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