Kollbrunn ZH: Das 13-jährige Mädchen war ein Polizist
Aktualisiert

Kollbrunn ZHDas 13-jährige Mädchen war ein Polizist

Ein 22-jähriger Einzelgänger aus Kollbrunn hat nicht nur Kinderpornographie konsumiert, sondern auch im Internet 13-jährige Mädchen sexuell massiv belästigt. Bis der Täter in eine Falle der Polizei tappte.

von
Attila Szenogrady

„Man hat zwar viel Kontakte, lebt aber in Wirklichkeit alleine", erklärte der Gerichtsvorsitzende Roland Heimann am Ende des Prozesses. Der erfahrene Richter sprach damit über die langjährige Internet-Sucht des heute 22-jährigen Angeklagten aus Kollbrunn. Bereits im Alter von 14 Jahren hatte der umfassend geständige Einzelgänger begonnen, regelmässig pornographische Bilder und Filme an seinem Computer herunterzuladen. Zuerst aus Neugier, später aus Gewohnheit.

Auf Kinderpornographie ausgewichen

Mit der Zeit habe er aber schon alles gesehen, erinnerte sich der heute Arbeitslose vor Gericht zurück. Völlig abgestumpft und verroht sei er deshalb eines Tages auf verbotene, harte Pornographie ausgewichen. Auch auf Streifen, die sexuelle Handlungen mit Kindern zeigten.

Im November 2008 wurde der Computerfreak für einmal auch in der realen Welt straffällig. Er verging sich in seiner Wohnung zwei Mal an einem 14-jährigen Mädchen. Vor dem Geschlechtsverkehr hatte er die Schülerin im Internet kennen gelernt. Er habe schon früher immer von Sex mit einer 14-jährigen Freundin geträumt, rechtfertigte er seine Uebergriffe

In Polizeifalle getappt

Im Frühling 2009 machte sich der Angeklagte im Chatroom „Kidstalk" an 13-jährige Mädchen heran. In einem Fall forderte er eine Geschädigte auf, sich auszuziehen. Dann sollte sie sich ihm mittels einer Internet-Kamera anbieten und ihre Brüste zeigen. Dann sagte er, dass sie sich „ficken" solle. Wozu es aber nicht kam, da das Kind die Befehle nicht befolgte.

Das Treiben des Angeklagten nahm ein abruptes Ende, als er eine andere 13-jährige Internetbenutzerin zu perversen, sexuellen Handlungen bewegen wollte. Bei der vermeintlichen Minderjährigen handelte es sich diesmal um einen Polizeibeamten.

Es folgten für den aufgeflogenen Computer-Unhold 27 Tage Untersuchungshaft und ein Strafverfahren.

Täter will zur NZZ

Vor Gericht zeigte der Angeklagte Reue und berichtete auch optimistisch über seine Zukunftspläne. So wolle er nach einer Matura in den Journalismus einsteigen. Bei der Neuen Zürcher Zeitung, wo er sich auch kürzlich beworben habe, sagte er.

Letzte Chance für einen Neustart

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich weit weniger optimistisch und forderte wegen sexuellen Handlungen mit Kindern sowie Pornographie eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Davon sollte der Ersttäter zwölf Monate verbüssen. Der Verteidiger setzte sich für eine bedingte Strafe von 15 Monaten ein und verwies darauf, dass sein einsichtiger Klient heute regelmässig aus freien Stücken eine Psychotherapie besuche. Mit dem wichtigen Ziel, seine schwere Internet-Sucht zu überwinden.

Das Gericht schlug einen Mittelweg ein und legte eine gerade noch bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren fest. Als letzte Chance für einen Neustart. Allerdings zeigte das Gremium auch Bedenken. So erteilte es dem gebürtigen Horgner die Weisung, weiterhin die Psychotherapie zu besuchen. Bei einer verlängerten Probezeit von drei Jahren.

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