02.09.2015 21:08

Anthony Martial

Das 50-Millionen-Juwel erinnert an Thierry Henry

Der Wechsel von Monaco zu Manchester United macht Anthony Martial zum teuersten Teenager der Fussball-Historie. Sein Stil erinnert an Frankreichs Rekordtorschützen.

von
Kai Müller

Das kann Manchester Uniteds neuste Attraktion Anthony Martial. (Quelle: Youtube/<a href=" https://www.youtube.com/watch?v=YxLnLBwM11U">David Payne</a>)

Die horrende Ablösesumme, die herumgeisterte, machte auch Wayne Rooney neugierig. Also fragte der Captain von Manchester United seinen Teamkollegen Morgan Schneiderlin: «Wer ist dieser Anthony Martial?» Der Franzose antwortete: «Er ist ein grossartiger Spieler mit riesigem Potenzial – ein ähnlicher Typ wie Thierry Henry.» Das war am Sonntag auf dem Rückflug nach Manchesters 1:2-Niederlage in Swansea. Am Dienstag präsentierte der englische Rekordmeister schliesslich seine neuste Attraktion. Kostenpunkt: 50 Millionen Euro. Für einen 19-Jährigen, der nun der teuerste Teenager der Fussball-Historie ist.

Der Vergleich mit Henry kommt nicht von ungefähr. Auch wenn dieser mit seinen spektakulären Antritten und Toren bei Arsenal Legendenstatus erlangte und Martial noch am Anfang seiner Karriere steht, sind die Parallelen verblüffend. Wie sein berühmter französischer Landsmann hat Martial Wurzeln in Guadeloupe und verbrachte seine Fussball-Kindheit bei CO Les Ulis nahe Paris. Seine ersten Treffer schoss er dort gar auf einem Platz, den einst die Gunners-Ikone finanziert hatte. Und wie Henry lenkte Martial mit seiner Entwicklung bei Monaco das Interesse internationaler Grossclubs auf sich.

Gespräch mit dem Nationaltrainer als Ansporn

Werdegang und Herkunft sind jedoch längst nicht die einzigen Gemeinsamkeiten. Vielmehr erinnern Martials Fähigkeiten an Henry. Er ist ebenfalls pfeilschnell, nur schwer vom Ball zu trennen, technisch versiert, durchsetzungsstark und elegant in seinen Bewegungen. Zudem kann er seine Wirkung als Mittelstürmer und als Flügel entfalten. Trainer Louis van Gaal schwärmt: «Anthony ist ein Naturtalent. Wir haben ihn schon seit einer Weile beobachtet, während seiner Zeit bei Monaco hat er sich enorm entwickelt.» Der Holländer mahnt dennoch zur Geduld: «Wir müssen ihm Zeit geben, damit er sich der neuen Umgebung und dem Rhythmus der Premier League anpassen kann.»

Dass Manchester bereit war, derart viel Geld aufzuwerfen, hat auch mit Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps zu tun, der indirekt zur Entfaltung von Martials Talent beitrug. «Als ich mit ihm sprach, hat es klick gemacht», sagte Martial im Januar. «Er erklärte mir, dass ich talentiert sei, aber härter an mir arbeiten müsse. Ich erspiele mir zwar Chancen, muss aber häufiger treffen.»

«Nicht mehr derselbe Spieler»

Die Bilanz des Jungspunds sieht in der Tat nicht berauschend aus, erst recht nicht, wenn man sie der gigantischen Ablösesumme gegenüberstellt: 52 Spiele in der Ligue 1, elf Tore. Nur: Martial traf in den letzten zwölf Runden der Saison 2014/15 achtmal. Frankreichs U21-Nationaltrainer Pierre Mankowski stellte begeistert fest: «Der Anthony Martial, den ich im vergangenen Jahr kannte, und jener vom Ende dieser Saison – das ist nicht mehr derselbe Spieler. Wenn er am Ball ist, sorgt er immer für Gefahr oder wird gefoult.»

Die Leistungsexplosion brachte Monaco-Trainer Leonardo Jardim gar dazu, mit dem Abschied zu drohen, sollte sein Juwel oder der ebenfalls hoch talentierte Bernardo Silva verkauft werden. «Alle anderen Spieler können uns aus finanziellen Gründen verlassen. Diese beiden bleiben aber», stellte der Portugiese klar. Zwei Wochen später verlängerte Martial bei den Monegassen bis 2019. Dennoch knickten sie ein, als die Red Devils mit ihren Geldscheinen wedelten. «Wir hätten ihn gern noch eine Saison behalten», sagt Vizepräsident Wadim Wassiljew. «Aber Manchester United hat ein unglaubliches Angebot gemacht, das wir nicht ablehnen konnten.»

Englische Medien sprechen von «Panikkauf»

Auf der Insel begegnet man dem Transfer teils mit Skepsis. Zuletzt machte in englischen Medien der Begriff «Panikkauf» die Runde, weil van Gaal nach den Abgängen von Falcao, van Persie und Hernández mit Wayne Rooney nur noch einen prominenten Mittelstürmer im Kader hatte und unbedingt nachrüsten wollte.

Das ändert nichts daran, dass der Ausdruck «Martial Arts» bald eine alternative Bedeutung erfahren könnte. Dann nämlich, wenn der 50-Millionen-Euro-Teenager erste Kunststücke im Old Trafford aufführt.

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