Aktualisiert 17.04.2012 10:59

1300 Jahre alt

Das älteste Buch Europas ist in neuen Händen

Die britische Nationalbibliothek hat für umgerechnet 13,1 Millionen Franken den St. Cuthbert Gospel gekauft. Gefunden wurde das Buch im Jahr 1104. Das Beste: Sie können darin blättern.

von
jcg
Der Einband und eine Seite des St Cuthbert Gospel. Eine digitale Version des Buches kann hier durchgeblättert werden.

Der Einband und eine Seite des St Cuthbert Gospel. Eine digitale Version des Buches kann hier durchgeblättert werden.

Die British Library ist neu stolze Besitzerin des ältesten vollständig erhaltenen Buches Europas. Bereits 1979 hatte die Nationalbibliothek den sogenannten St. Cuthbert Gospel als Leihgabe in ihre Bestände aufgenommen. Doch erst jetzt ist es ihr gelungen, die Kaufoption einzulösen. Denn mit 9 Millionen Pfund (umgerechnet 13,1 Millionen Franken) war der Preis, den die Vorbesitzer verlangten, nicht gerade ein Klecks. 4,5 Millionen Pfund steuerte der Fonds für das nationale Erbe (National Heritage Memorial Fund) bei, der Rest kam von weiteren Stiftungen und der Öffentlichkeit. Der britische Jesuitenorden will den Erlös für Bildungszwecke und Restaurationsarbeiten einsetzen.

Das Buch, eine Abschrift des Johannesevangeliums auf Latein, ist 96 mal 136 Millimeter gross und in rotes Leder gebunden. Es wurde im Nordosten Englands angefertigt und stammt aus der Zeit des Heiligen Cuthbert, der 687 starb. Das Buch wurde dem Kirchenführer als Grabbeigabe in den Sarg mitgegeben, als er im Kloster auf der Insel Lindisfarne vor der Nordostküste Englands beigesetzt wurde.

875 wurde das Kloster aus Angst vor Wikingerüberfällen aufgegeben. Die sterblichen Überreste Cuthberts wurden aufs Festland gebracht. 1104 wurde der Sarg in der Kathedrale von Durham geöffnet und das kostbare Buch wiederentdeckt. Die Kathedrale und die Universität von Durham sind denn auch am neu erstandenen Buch beteiligt und so wird der St. Cuthbert Gospel jeweils im Turnus in London und in Durham ausgestellt.

Vollständig digitalisiert

«Wenn man diesen kleinen und wunderschönen Schatz aus der Zeit der Angelsachsen anschaut, sieht man exakt das, was seine Erschaffer im 7. Jahrhundert gesehen haben», erklärte Lynne Brindley, die Leiterin der British Library am Dienstag. «Die ausgezeichnete Bindung, die Seiten, sogar die Nähte sind vollständig erhalten und ermöglichen uns so eine direkte Beziehung zu unseren Vorfahren vor 1300 Jahren», so Brindley weiter.

Wer einen Blick in das einzigartige Zeitzeugnis werfen will, muss nicht zwingend eine Reise nach London oder Durham, wo das Buch ab Juli 2013 ausgestellt wird, unternehmen. Die British Library hat das Buch Seite für Seite digitalisiert und online publiziert. Die Zeitreise beginnt hier.

Grossbritanniens oberste Bibliothekarin Lynne Brindley stellt den St. Cuthbert Gospel vor. (Quelle: YouTube/britishlibrary)

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