Rafael Nadal: Das alles verschlingende Sandmonster
Aktualisiert

Rafael NadalDas alles verschlingende Sandmonster

Rafael Nadal ist auf seiner bevorzugten Unterlage der beste Spieler der Geschichte. 2017 überlässt er den Gegnern erneut nur Brosamen.

von
Kai Müller
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Der Sandkönig: Rafael Nadal hat auf der ATP-Tour 365 seiner 400 Partien auf der roten Asche gewonnen. Mit 52 Titeln ist er der erfolgreichste Spieler überhaupt.

Der Sandkönig: Rafael Nadal hat auf der ATP-Tour 365 seiner 400 Partien auf der roten Asche gewonnen. Mit 52 Titeln ist er der erfolgreichste Spieler überhaupt.

AP/Daniel Ochoa de Olza
Im April in Monte Carlo triumphierte der Spanier als erster Spieler zum zehnten Mal am selben Turnier.

Im April in Monte Carlo triumphierte der Spanier als erster Spieler zum zehnten Mal am selben Turnier.

AP/Claude Paris
Das gleiche Kunststück gelang ihm eine Woche später in Barcelona.

Das gleiche Kunststück gelang ihm eine Woche später in Barcelona.

AP/Manu Fernandez

Roger Federer hatte es geahnt. Nachdem er Rafael Nadal Anfang April im Final von Miami zum dritten Mal in Folge besiegt hatte, sagte der Baselbieter mit der Trophäe auf dem Arm: «Jetzt kommt ja die Sandsaison, da wirst du die Gegner wieder in Stücke reissen.»

Nun, man muss kein wagemutiger Prophet sein, um eine solche Prognose abzugeben. Nicht, wenn es um die Kombination Nadal und Sand geht. Die Faustregel ist einfach: Der Spanier ist auf der roten Asche ein beträchtliches Stück besser als auf den übrigen Unterlagen. Deshalb konnten sich seine Gegner leicht ausmalen, was im Frühling auf sie zukommen würde, nachdem der 30-Jährige auf Hartplatz die Finals in Melbourne, Acapulco und Miami erreicht hatte.

Wie zu seinen besten Zeiten

Nadal hat die Erwartungen prompt erfüllt. Er triumphierte in Monte Carlo und Barcelona jeweils zum zehnten Mal und blieb danach auch in Madrid ungeschlagen. Einzig vergangene Woche in Rom musste er sich im Viertelfinal dem Österreicher Dominic Thiem (ATP 7) beugen. Die Niederlage ändert nichts daran: Für das am Sonntag beginnende French Open gibt es nur einen Favoriten.

Nadals aktuelle Dominanz auf Sand erinnert an seine besten Zeiten, als er die Gegner Jahr für Jahr mit beängstigender Zuverlässigkeit zermürbte. Nachdem er 2005 endgültig den Durchbruch auf der ATP-Tour geschafft hatte, überliess er der Konkurrenz meist nur noch Brosamen. Von April 2005 bis Mai 2007 reihte er 81 Siege aneinander, ehe ihn Federer im Final von Hamburg stoppte. Auch 2010 beendete er ohne Niederlage. In den letzten zwölf Jahren erbeutete er bei all seinen Teilnahmen an Sandplatz-Turnieren sage und schreibe drei Viertel der möglichen Punkte.

Entsprechend beeindruckend sind Nadals Matchbilanzen. Am French Open musste er sich erst Robin Söderling (2009) und Novak Djokovic (2015) beugen, 2016 konnte er wegen seines lädierten linken Handgelenks nicht zur dritten Runde antreten. Seit er 2002 seine ersten Partien auf ATP-Stufe bestritt, verliess er den Sandplatz in 365 von 400 Einzeln als Sieger.

Nach Saisons aufgeschlüsselt, sieht das so aus:

Diese Zahlen machen den Mallorquiner zum erfolgreichsten Sandspieler der Geschichte. Mit 52 Titeln hat er inzwischen auch den Argentinier Guillermo Vilas distanziert.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wenn Nadal am 11. Juni nicht zum zehnten Mal die Coupe des Mousquetaires stemmen wird, muss zuvor etwas Aussergewöhnliches passiert sein.

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