Aktualisiert 26.06.2019 08:39

«Switzerländers»«Das Alphorn darf kein Massenprodukt werden»

Kein Instrument klingt so sehr nach der Schweiz wie das Alphorn. Heinz Tschiemer (36) baut die traditionellen Blasinstrumente von Hand.

von
Noah Zygmont

Das ist Heinz' «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)

Die Bewohner von Habkern BE winken einem zu, wenn man in ihr Dorf einfährt. Der Brunnen bildet das Zentrum, gleich daneben befindet sich die Werkstatt von Heinz Tschiemer. Darin riecht es nach Leim und Holz, aber auch ein bisschen nach Käse. Im Hintergrund läuft leise das Radio, die Moderation wird jedoch immer wieder durch lautes Sägen übertönt. Heinz ist bei der Arbeit. Seit sieben Jahren stellt er Alphörner her, die von Menschen aus der ganzen Welt gekauft werden.

Zusammen mit seiner Familie führt der 36-jährige Berner die Werkstatt. «Vorher war hier ein Dorflädeli, dann habe ich das Alphorn-Geschäft übernommen und bin hier eingezogen», erzählt Heinz, der nebenbei auch Alpkäse produziert. Jährlich baut er bis zu 70 Hörner, die er zu einem Drittel im Ausland verkauft. «Vor allem Koreaner und Japaner bestellen sich ein exklusives Souvenir, wenn sie in der Schweiz zu Besuch sind. Es ist für sie oft die Alternative zu einer Uhr, weil es eben zu 100 Prozent Swiss und handmade ist.»

Für ein Standard-Alphorn bezahlt man bei Heinz rund 4000 Franken. Der vierfache Vater arbeitet etwa eine Woche an jedem Exemplar: «Kleben, Malen, Schneiden, Sägen – wir machen alles selbst.» Sogar das Fichtenholz kommt aus der hauseigenen Sägerei, die von Heinz' Vater bewirtschaftet wird. Schliesslich entscheide am Ende das Holz über die Qualität des Horns, sagt Heinz.

«Mir fehlt leider die Zeit, um das Spielen öfter zu üben»

Er spiele auch selber Alphorn, allerdings mit etwas Mühe: «Mir fehlt leider die Zeit, um öfter zu üben.» Mit circa 640 Einwohnern gehöre sein Heimatdorf zwar zu den kleineren Gemeinden im Kanton Bern, trotzdem gebe es um die 25 Vereine. «In etwa sechs bin ich selbst Mitglied», erzählt Heinz. Einen Alphorn-Bläser-Verein gäbe es leider noch keinen, dafür aber einen Fahnen-, Trachten- oder auch einen typischen Jodler-Verein. Weil das Dorf so klein sei, kenne jeder jeden.

Switzerländers - Videoaufruf

Switzerländers - Videoaufruf
(Video: M. Täuber / T. El Sayed)

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Um die Entwicklung der Gemeinde voranzutreiben, engagiert sich Heinz auch politisch. Dabei komme es auch mal zu Auseinandersetzungen: «Wenn es an einer Versammlung einen Entscheid gibt, den nicht alle befürworten, kommt es vor, dass sich die Personen der zwei Parteien auf der Strasse eine Zeit lang nicht mehr grüssen.» Das lege sich dann aber wieder.

«Hier interessiert man sich nicht für Ferien und Geld»

In Habkern lebe man die Tradition noch und sei mit dem Vorhandenen sehr zufrieden. «Hier interessiert man sich nicht für Ferien und Geld. Wir sind eher bescheiden und leben gern in unserer heilen Welt.» Auch beim Bau der Alphörner gehe es ihm nicht darum, reich zu werden, erklärt der gelernte Kaufmann, es sei Teil seiner Identität. Das Alphorn sei ein Kulturgut, das der Schweiz gehöre. «Es darf auf keinen Fall zum Massenprodukt verkommen!»

Als Heinz Tschiemer von «Switzerländers» hörte, überlegte er nicht lange. Er wollte seine Sicht auf sein Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «seine Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!

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