Aktualisiert 16.02.2020 11:00

Private Tierschützerin

«Das Amt verbietet mir, Tieren zu helfen»

Seit 14 Jahren nimmt Leserin N. K. Tiere in Not bei sich auf und vermittelt sie dann gratis weiter. Das Veterinäramt Zürich hat ihr das nun verboten.

von
viv
1 / 7
Leserin N. K. nimmt seit 14 Jahren Tiere bei sich auf, die keiner mehr will.

Leserin N. K. nimmt seit 14 Jahren Tiere bei sich auf, die keiner mehr will.

Leser-Reporter
Danach vermittelt sie die Tiere an Personen, die ihnen ein neues Zuhause bieten können.

Danach vermittelt sie die Tiere an Personen, die ihnen ein neues Zuhause bieten können.

Leser-Reporter
Immer wieder kommen ihr auch verletzte Tiere in die Hände.

Immer wieder kommen ihr auch verletzte Tiere in die Hände.

Leser-Reporter

Hunde, Katzen, Vögel, Nager oder auch Fledermäuse – immer wieder hat sich Leserin N. K.* in den vergangenen Jahren um Tiere gekümmert, die verletzt waren oder einfach auf der Strasse ausgesetzt wurden. «Danach suche ich jeweils Personen oder Organisationen, die den Tieren ein neues Zuhause geben können», so die 32-Jährige. 14 Jahre lang sei sie schon im Tierschutz aktiv. Nun macht ihr aber ein Brief des Veterinäramts Zürich einen Strich durch die Rechnung: «Mir wurde mitgeteilt, dass ich das nicht mehr tun dürfe, da mir eine Handelsbewilligung fehlt.» Sie habe nun ein Gesuch für eine Bewilligung abgeschickt.

Die Bonstetterin ist aber sauer: «Obwohl ich da helfe, wo sonst kaum jemand hilft, wird mir dies nun vom Veterinäramt verboten. Das ist doch ein Witz. Wir Tierschützer sind Tag und Nacht für Tiere in Not im Einsatz. Doch anstatt uns zu unterstützen, werden uns unsinnige Auflagen gemacht. Hingegen darf jeder Privat-Vermehrer und Landwirt seine Tiere unkontrolliert verkaufen.»

Hier sieht man, wie K. ein kleines Kätzchen pflegt. (Video: Facebook)

Mehr Unterstützung gewünscht

Um Profit gehe es bei ihren Hilfsaktionen nicht: «Für mich steht allein das Wohl der Tiere im Vordergrund. Ich gebe sie kostenlos weiter, wenn ich vom Platz überzeugt bin.» Sie mache sogar ein Minusgeschäft, da sie Tierarztkosten tragen müsse und Futter für die Tiere kaufe. Seit sie den Brief geöffnet hat, hat sie damit aufgehört. «Die Angst, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, ist für mich zu gross, obwohl ich bis jetzt keine entsprechende Bestimmung im Gesetz gefunden habe, lediglich ein Informationsschreiben», sagt K. Eine Bekannte von ihr habe aus denselben Gründen schon einmal eine Anzeige erhalten.

«Ich frage mich, ob die Ämter überhaupt für das Tierwohl einstehen», so K. Ihr sei bewusst, dass es am einfachsten wäre, die Tiere jeweils in einem Tierheim unterzubringen, doch diese seien meistens ausgelastet, weil sie auch Ferientiere aufnehmen. Darum wünscht sich die 32-Jährige, dass Tierschützer wie sie mehr Unterstützung von den Ämtern erfahren – sie setze sich ja schon seit Jahren für Tiere ein und habe sich nie etwas zuschulden kommen lassen.

Veterinäramt macht keine Ausnahmen

Wie Mona Neidhart, Kommunikationsverantwortliche des Veterinäramts Zürich sagt, gibt es aber keine Ausnahmefälle: «Das Veterinäramt ist nicht befugt, einzelne Personenkreise bevorzugt zu behandeln. Ausnahmen sind durch die Gesetzgebung nicht vorgesehen, auch dann nicht, wenn das Handeln dadurch motiviert ist, «einem Tier helfen zu wollen». Die Eigentumsübernahme und -Übertragung von Tieren sei in der Tierschutzgesetzgebung des Bundes als Handel geregelt. «Um vorausschauend unnötige Belastungen für Tiere zu vermeiden, hat der Bundesrat eine Bewilligungspflicht festgeschrieben», so Neidhart.

Bewilligungen werden erteilt, wenn die personellen Voraussetzungen, die Unterbringungsmöglichkeit, die Betriebsabläufe und die Dokumentation den Mindestanforderungen genügen. Laut Neidhart muss ausserdem jeder, der ein verlorenes Tier findet, dies unverzüglich der Findeltiermeldestelle mitteilen. «Findeltiere können in ein Tierheim gebracht werden. Diese verfügen über die notwendigen Bewilligungen und sind befugt, Tiere zu platzieren.»

*Name der Redaktion bekannt

Fehler gefunden?Jetzt melden.