Boombranchen: Das andere Gesicht der Finanzkrise
Aktualisiert

BoombranchenDas andere Gesicht der Finanzkrise

Obwohl an den Börsen die nackte Panik regiert, gibt es nicht nur Verlierer. Harte Zeiten verhelfen schwerer Musik, Staatsinterventionen und warmen Heizrohren zu einem Höhenflug.

von
Cyprian Zajac

Zum grossen Profiteur der Finanzkrise könnte die Investment-Legende Warren Buffett werden. Mit seiner Investmentstrategie und seinem feinen Händchen für Finanzen hat er schon oft dann Geld verdient, wenn andere alles verloren haben. Mittlerweile ist die Lage an den Finanzmärkten so verzweifelt, dass er als der mögliche Retter des Systems gehandelt wird.

Von diesem Status könnte auch der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama profitieren, weil Buffett ihm öffentlich seine Unterstützung zugesichert hat, wie die «Financial Times Deutschland» berichtet. Ausserdem ist Obama, im Gegensatz zu McCain, nicht mit der Regierung Bush verbandelt, unter deren Regime die Krise entstanden ist.

Tiefere Heizölpreise

Aber auch der einfache Bürger kann gewinnen. Überall wird eine Abkühlung der weltweiten Konjunktur oder gar eine globale Rezession befürchtet.

Kühlt die Wirtschaft ab, wird weniger konsumiert und folglich auch weniger produziert. Damit brauchen die produzierenden Länder weniger Energie, was die Nachfrage etwa nach Heizöl sinken lässt.

Das wirkt sich direkt auf den Preis aus: Das Heizöl wird billiger. Das wiederum lässt die Nachfrage der einfachen Hausbesitzer steigen – sie wollen sich zu einem guten Preis für den Winter eindecken. Diese Zunahme der Nachfrage hat aber bei weitem nicht den gleichen Einfluss auf den Preis wie ein denkbarer Rückgang der Nachfrage der globalen Industrie.

Die Tendenz zeigt also weiterhin nach unten, was auch der Heizöllieferant Agrola bestätigt. Die Preise sind wieder, nach dem Hoch im Sommer, auf der Höhe vom Februar 2008. Wer jetzt aber seine Bestände mit günstigem Öl auffüllen will, muss Geduld haben - es ist mit Lieferengpässen von mehreren Wochen zu rechnen.

Der Staat meldet sich zurück

Auch der Staat steht als Sieger da. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde er als Bremse der freien Marktwirtschaft verflucht. Staatliche oder staatsnahe Firmen drängten in die Unabhängigkeit und wurden privatisiert. Nachdem der freie Markt seine immer wieder beschworenen Selbstheilungskräfte schmerzlich vermissen lässt, suchen nun selbst erzkapitalistische Banker den Schutz von Vater Staat. Karl Marx und Co. würden sich ein Schmunzeln wohl nicht verkneifen können.

Whitesnake-Sänger: Gute Zeit für Hardrock

Auch David Coverdale, Sänger der Band Whitesnake, kann der Finanzkrise positive Seiten abgewinnen. «Hardrock war immer dann besonders erfolgreich, wenn irgendwelche Krisen im Gange waren», erklärt er. Die Menschen seien in solchen Zeiten verunsichert und verängstigt. Hardrock und Heavy Metal hätten in solchen Zeiten eine «therapeutische Wirkung».

(scc)

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