12.01.2016 21:40

iPhone 7«Das Aus der Kopfhörer-Buchse kommt sowieso»

Apple will beim neuen iPhone angeblich den Kopfhörer-Anschluss streichen. Höchste Zeit, findet ein Analyst: Die ersten Klinkenstecker gab es bereits 1878.

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tob

Das Gerücht, dass Apple beim kommenden iPhone die Buchse für Kopfhörer abgschaffen wird, hat viele 20-Minuten-Leser erzürnt. Mehr als 430 Kommentare sind zum Thema eingegangen. «Das wäre ein Desaster. Das ist eine unnötige Idee der Erfinder», schreibt Rash Kaufmann. Estrada beschreibt das Vorhaben als «Kapitalismus und Wegwerfgesellschaft in Höchstform», da man bei einer Umsetzung die alten (teuren) Kopfhörer kübeln könne. Wer weiterhin die «alten» Kopfhörer verwenden möchte, müsste wohl oder übel einen Adapter verwenden.

Weniger aufgeregt ob des Gerüchts scheint indes die Branche selbst zu sein: «Keiner der Kopfhörerhersteller fühlt sich dadurch bedroht oder ist gar unvorbereitet», schreibt der Journalist Vlad Savov von Theverge.com, der an der Tech-Messe CES in Las Vegas «mit vielen Kopfhörerherstellern» über das Thema gesprochen hat. Als Grund vermutet Savov: Viele Hersteller hätten bereits kabellose Bluetooth-Kopfhörer im Sortiment oder arbeiteten an Headphones, die sich an Apples Lightning-Anschluss stecken lassen.

Lizenzgebühren für Lightning

Allerdings müssten Dritthersteller für die Nutzung des Ports Lizenzgebühren an Apple bezahlen. Die Hersteller, die bereits über den Apple Store Kopfhörer verkaufen, darunter Bang & Olufsen oder Bowers & Wilkins, werden wohl als Erstes auf den Lightning-Zug aufspringen, so Savov.

Ob das kommende iPhone wirklich ohne Kopfhörerbuchse ausgeliefert wird, wird sich wohl erst im Herbst zeigen. Dann dürfte Apple den Nachfolger des iPhone 6S vorstellen.

Das lukrative Weglassen

Für Apple würde die Rechnung auf alle Fälle aufgehen. Denn der iPhone-Hersteller sei geübt in der Kunst des «lukrativen Weglassens», schreibt die «Zeit». Mit dem ersten iMac starb das Diskettenlaufwerk. Der Mac von 2012 hatte kein CD-Laufwerk mehr, dem MacBook von 2015 fehlen gar alle Anschlüsse ausser einer USB-C-Buchse.

Allerdings hätte eine Umstellung nicht nur negative Folgen für die Nutzer. So wäre es Herstellern möglich, einen Noise-Cancelling-Kopfhörer auf den Markt zu bringen, der ohne externe Batterie auskommt. Auch würde das Wegfallen der Klinkenbuchse im iPhone zusätzlich Platz schaffen – vielleicht ja sogar für einen grösseren Akku. Dagegen hätten wohl die wenigsten Nutzer etwas einzuwenden.

Stecker ist über 100 Jahre alt

Für den Techanalysten Horace Dediu, der früher für Nokia gearbeitet hat, ist klar, dass die Umstellung kommen wird. Die ersten Klinkenstecker gehen auf das Jahr 1878 zurück (siehe Box). Er prophezeit einen rapiden Wandel, bei dem Apple als Katalysator dient: «Geschehen wird es sowieso. Ohne Apple würde es einfach zehn bis 15 Jahre dauern, nun passiert der Übergang in maximal sieben Jahren», sagt Dediu zur BBC.

Dass die Zeit gekommen sei, den mehr als 100 Jahre alten analogen Anschluss zu ersetzen, sei nicht überraschend. «Es ist fast schon rätselhaft, wieso das so lange gedauert hat», sagt Dediu.

Stecker mit langer Geschichte

Die heute gängigen Klinkenstecker für Kopfhörer haben eine Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Die Ausführung mit 3,5 mm Durchmesser ist eine Miniaturisierung der klassischen 6,35-mm-Version. Diese Quarter-Inch-Stecker sind vor allem in der professionellen Musikproduktion und bei High-End-Stereoanlagen verbreitet, da sie belastbarer sind. Zum Einsatz kam der Anschluss auch in Telefonzentralen – die ersten Stecker wurden dort bereits 1878 verwendet, schreibt die BBC.

Eine Telefonvermittlungsstelle, ca. 1900 in Texas. (Foto: Richardson Public Library)

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