22.09.2015 16:10

Jägerin des Jahres«Das Ausnehmen der Tiere finde ich interessant»

1800 Hirsche sollen in den nächsten zwei Wochen im Wallis geschossen werden. Auch Jagdbotschafterin Kerstin Kummer legt sich auf die Lauer und hofft dabei auf viel Schnee.

von
dia
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Kerstin Kummer aus dem Kanton Wallis ist im März 2015 zur «Jägerin des Jahres gewählt worden.

Kerstin Kummer aus dem Kanton Wallis ist im März 2015 zur «Jägerin des Jahres gewählt worden.

Facebook / Kerstin Kummer
Die 22-Jährige soll das Image der Jagdzunft aufpolieren.

Die 22-Jährige soll das Image der Jagdzunft aufpolieren.

Facebook / Kerstin Kummer
Ihre Wahl rief aber nicht nur positive Reaktionen hervor. Kummer erhielt unter anderem auch Morddrohungen.

Ihre Wahl rief aber nicht nur positive Reaktionen hervor. Kummer erhielt unter anderem auch Morddrohungen.

Facebook / Kerstin Kummer

Im Kanton Wallis hat die Hochjagd begonnen. In den nächsten zwei Wochen gehen 2700 Jäger auf die Pirsch – darunter auch Kerstin Kummer, die «Schweizer Jägerin des Jahres». Etwas nervös sei sie, sagte sie in einem Interview mit dem «Walliser Boten».

Die 22-Jährige aus Bitsch VS, die mit ihrem Titel Imagepflege für die Schweizer Jäger betreiben soll, wird allein auf die Hirschjagd gehen. Selbst die beiden Familienhunde werden sie nicht begleiten. Einer der Hunde hat zwar die Schweisshundeprüfung gemacht, doch «mein Bruder wird diesen Hund mitnehmen».

«Emotionaler Moment»

Kummer, die aus einer Jägerfamilie kommt, hat für die Jagd zwei Wochen Ferien genommen. Früher habe sie nur einzelne Tage für die Jagd aufgewendet. Erwartungen an sich selbst hat sie keine. Anders als vor einem Jahr spüre sie diesmal auch keinen Druck. «Im vergangenen Jahr war der Druck da, weil ich an mir manchmal gezweifelt habe.» Dann schoss sie ihr erstes Wild. «Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder weinen soll», berichtet sie über ihr Erlebnis im Magazin «Tierwelt».

Es sei ein sehr emotionaler aber auch faszinierender Moment für sie gewesen. Mit dem Aufschneiden des Tierkörpers habe sie keine Probleme gehabt. Viele würden das Ausnehmen als «grusig» finden. «Ich finde es interessant. Du siehst an den Organen, ob das Tier gesund war», so Kummer.

Morddrohungen erhalten

Um die Bestände stabil zu halten, will der Kanton Wallis dieses Jahr 1700 Hirsche schiessen lassen. Kummer hat sich keine Zielvorgabe gemacht. «Ich gehe nicht nur auf die Jagd, um die Abschusskriterien des Kantons zu erfüllen. Ich gehe wegen mir selber auf die Jagd, weil ich es so will.» Viel wichtiger sei ihr eine «saubere Jagd». Ein Jäger müsse sein Gewehr absolut im Griff haben. Dafür werde auf den Oberwalliser Schiessständen geübt. «Ich muss das anvisierte Tier sauber schiessen und nicht nur anschiessen».

Seit März amtet Kummer als Jagdbotschafterin. Dass der Titel nicht nur Sonnenseiten hat, musste sie bald merken. «Die Reaktionen waren schlimmer als befürchtet. Es gab sogar Morddrohungen», sagte sie im August. Die Mutter machte mit den schlimmsten Briefen kurzen Prozess und verbrannte sie im Ofen. Mittlerweile hat sich Kummer an die Kritik gewöhnt. «Ich kann keinen bekehren, der die Jagd hasst.»

Mutter bereitet Wild zu

Die Jägerin hofft nun auf ideale Wetterbedingungen. Am liebsten hätte sie Schnee. So würde das Wild «in wärmere Gefilde» getrieben. Hauptsache kein Wind. «Das wäre gar nicht ideal – dann riechen uns die Tiere.»

Das Fleisch der geschossenen Tiere wird entweder im Bekanntenkreis verkauft oder in der Familie gegessen. Die Mutter bereite das Fleisch jeweils zu, im Restaurant verzichte sie hingegen auf Wild: «Bei Mama schmeckt es halt einfach am Besten».

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