Aktualisiert 26.02.2010 16:49

Dumm gefahrenDas Auto, der Beton und die Strasse, die nicht ist

Das Betreten einer Baustelle ist in der Regel verboten. Und in frischen Beton sollte man auch nicht fahren. Ein Autolenker hat in Wallisellen gleich beide Regeln missachtet – und hatte ein knöcheltiefes Problem.

von
Marius Egger

Dem Navigationsgerät kann der Autolenker kaum die Schuld in die Schuhe schieben. Denn die Strasse, auf der sich der ungewöhnliche Vorfall gestern Donnerstag ereignete, gibt es offiziell noch gar nicht. Sie ist erst im Bau begriffen. Das weiss jetzt auch der Autolenker. Aber der Reihe nach.

Daniel Richter ist Polier. Für die Firma Eggbau Bülach steht er derzeit in Wallisellen auf der Baustelle. Dort entsteht in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof ein neuer Stadtteil: Mittim heisst der. Als Polier schaut Richter nach dem Rechten. Jeden Tag. Gestern Donnerstag musste er auch wieder nach dem Rechten schauen. Aber einen solchen Fall hatte er noch nie. Er lacht heute noch.

Als die Bauarbeiter beim Essen waren

Richter macht am Donnerstag Mittagspause. Das Essen ruft. Doch dann ruft plötzlich etwas anderes. Es sind Mitarbeiter eines Subunternehmens. Die haben vor dem Mittag die Strasse betoniert, die es offiziell noch gar nicht gibt. Als Richter auf die Baustelle kommt, traut er seinen Augen nicht. Im flüssigen Beton steckt ein Auto fest. Ein Rad auf dem harten Asphalt, drei Räder im frischen Beton und ein älterer Mann, der in diesem Moment die Welt wohl nicht mehr ganz verstanden hatte.

Richter tat, was ein Polier in einem solchen Moment zu tun hat. «Ich habe den Mann erst mal zusammengeschissen.» Dem älteren Herr war nicht ganz wohl. «Er hat sich entschuldigt. Ihm war das auch nicht recht.» Der älteren Frau im Auto auch nicht. «Sie hat geweint», sagt Richter.

Mit vereinten Kräften

Das Problem konnte schliesslich behoben werden. Die Bauarbeiter zogen den Citroën aus dem flüssigen Beton. In einer halben Stunde konnte auch die Strasse geflickt werden. Eine Rechnung muss der Mann nicht fürchten. Da ist der Polier locker. «Den grössten Schaden hat der Automobilist.» Der fuhr jedenfalls schnell davon. «Vermutlich ging er das Auto waschen.» Richter lacht.

Weshalb der Autofahrer in den Baustellenbereich hinein fuhr, kann sich auch Richter nicht erklären. «Die Strasse gibt es offiziell noch gar nicht und ist nur für den Baustellenverkehr zugelassen.» Das wäre doch jedem aufgefallen. Dem älteren Herr nicht. Vielleicht lags an den Ortskenntnissen. Auf seinem Nummernschild steht: TG.

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