Erdbeben in Kroatien: «Das Beben war auch in der Schweiz spürbar»
Publiziert

Erdbeben in Kroatien«Das Beben war auch in der Schweiz spürbar»

Nach dem Erdbeben in Kroatien erklärt der Seismologe Philipp Kästli, was ein derartiges Beben auslöst – und wie das Erdbebenrisiko in der Schweiz ist.

von
Nathan Keusch

Am Dienstag kam es in Kroatien zu einem schweren Erdbeben. Vor allem betroffen sind die Städte Petrinja und Sisak. Das Beben hatte eine Stärke von 6,3.

Darum gehts

  • Am Dienstag kam es in Kroatien zu einem Erdbeben der Magnitude von 6,3.

  • Der Erdbebenforscher Philipp Kästli erklärt die Ausmasse des Erdbebens und gibt Tipps, wie man sich verhalten soll, falls die Erde bebt.

  • Auch in der Schweiz kann es jederzeit zu einem grösseren Beben kommen.

Ein Erdbeben richtete am Dienstag in den kroatischen Städten Petrinja und Sisak grobe Zerstörungen an. Der Seismologe Philipp Kästli vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED) beantwortet 20 Minuten die wichtigsten Fragen rund um das Erdbeben in Kroatien. Das Interview wurde schriftlich geführt.

Herr Kästli, in Kroatien hat es am Dienstag ein Erdbeben der Stärke 6,3 gegeben. Wie muss man sich ein solches Beben vorstellen?

Am Epizentrum ist dies eine heftige Erschütterung von ein paar Sekunden, wobei Gebäude noch länger nachschwingen können. Weiter weg treffen die langsameren Sekundär- und Oberflächenwellen spürbar verzögert ein, sodass man mehrere Erschütterungen wahrnehmen kann. Es haben sich beim Erdbebendienst rund 20 Leute gemeldet, die das Beben in der Schweiz gespürt haben.

Zur Person

Philipp Kästli ist Seismologe beim Schweizerischen Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich. Der Erdbebenforscher ist IT-Koordinator und widmet sich in seiner Forschung der räumlichen Datenanalyse und der Makroseismik.

Was sind die möglichen Auswirkungen eines Bebens dieser Stärke?

Ein schweres Erdbeben wie in Kroatien kann im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern zu beträchtlichen Gebäudeschäden führen: Risse, eingestürzte Kamine, heruntergefallene Dachziegel. Bei empfindlichen Gebäuden kann es auch zu Teileinstürzen kommen.

In einem Gebäude ist man durch einstürzende Wand- und Deckenteile sowie herunterfallende Lampen, Deckenverkleidungen oder umstürzende Möbel gefährdet. Draussen in den Strassen werden vor allem herunterfallende Gegenstände gefährlich. Weiter muss man unter Umständen mit Sekundärschäden rechnen, etwa Brände durch Kurzschlüsse oder Hangrutschungen.

Wie kam es zum Beben in Kroatien?

In der betroffenen Region erstreckt sich über rund 50 Kilometer die Nordwest–Südost verlaufende Petrinja-Verwerfung, an der auch bereits früher kleinere Beben aufgetreten sind. Vermutlich entstand das heutige Beben dadurch, dass sich hier über Jahrhunderte aufgebaute Spannungen in einer ruckartigen Verschiebung entladen haben.

1 / 7
Das Erdbeben soll die halbe Stadt Petrinja zerstört haben, wie Medien berichten.

Das Erdbeben soll die halbe Stadt Petrinja zerstört haben, wie Medien berichten.

Screenshot: Twitter
Bereits am Vortag hatte in Petrinja die Erde mit einer Stärke von 5,2 auf der Richterskala gebebt. Das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) gab die Stärke des heutigen Erdbebens mit 6,4 an.

Bereits am Vortag hatte in Petrinja die Erde mit einer Stärke von 5,2 auf der Richterskala gebebt. Das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) gab die Stärke des heutigen Erdbebens mit 6,4 an.

REUTERS
Das Beben war in ganz Kroatien, aber auch in Österreich, Italien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina zu spüren.

Das Beben war in ganz Kroatien, aber auch in Österreich, Italien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina zu spüren.

REUTERS

Schwere Erdbeben verbindet man mit Japan oder Kalifornien – ist auch Europa eine Erdbebenregion?

Durch die tektonische Bewegung des afrikanischen Kontinents in Richtung Europa haben vor allem Teile des Mittelmeerraumes eine hohe Erdbebengefährdung. In der von diesem Beben betroffenen Region Kroatiens ist die Gefährdung mittel und in etwa vergleichbar mit den gefährdeteren Gebieten der Schweiz.

Ist ein solches Beben also auch in der Schweiz möglich?

Ein Beben der Magnitude 6 kann in der Schweiz im Prinzip jederzeit und überall auftreten – die statistische Wahrscheinlichkeit dafür beträgt etwa ein Prozent pro Jahr. Mit dem Kroatien-Beben knapp vergleichbare Beben gab es zum Beispiel 1856 bei Visp mit einer Magnitude von 6,2 und 1946 bei Sierre mit der Magnitude von 5,8.

Was sollte man tun, wenn die Erde bebt?

In Gebäuden bringt man sich am besten in einem Türrahmen oder unter einem stabilen Tisch in Sicherheit, wo einem keine losen Gegenstände auf den Kopf fallen können. Um aus dem Gebäude zu laufen, ist die Dauer des Bebens typischerweise zu kurz. Draussen entfernt man sich aus der direkten Umgebung von Gebäuden. Ein weiterer Punkt sind die Nachbeben. Gebäude, die beim Hauptbeben in ihren Tragstrukturen beschädigt worden sind und ihre Widerstandsfähigkeit eingebüsst haben, können gefährlich sein. Sie sollten nicht betreten werden, solange sie nicht von den Einsatzkräften geprüft und freigegeben worden sind.

Deine Meinung

157 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Wirt CH

30.12.2020, 14:51

überall Covid19 Krise sorry ich kann unmöglich spenden bitte keine Werbe Anrufe.

Salatic

30.12.2020, 14:40

Woher kommt der Name ic? Unlogisch.

Tonci

30.12.2020, 12:55

An alle die meinen hier wäre der Platz für Provokationen à la wer hat was verdient, wer hat was in der Vergangenheit falsch gemacht und wer sollte wem helfen. Schreibt doch lieber garnichts als sowas. Da haben Menschen alles verloren und ihr erwähnt hier den Krieg, Karma, Klischees etc. Ich wünsche sowas niemanden und niemand hat sowas verdient. Wer spenden möchte sollte spenden, wer nicht möchte der muss nicht. Aber hört doch auf die Politik irgendwo einzumischen wo sie nicht hingehört.