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Weniger GeldDas bedeuten begrenzte Banker-Boni

Die Banker-Party ist vorbei. Nach zähen Verhandlungen hat das EU-Parlament beschlossen, die Boni für Top-Banker zu plafonieren. Was sind die Folgen? Hier die wichtigsten Antworten.

von
Sven Zaugg

Worum geht es bei der Plafonierung der Banker-Boni?

Ab 2014 soll es eine Obergrenze bei Bonuszahlungen geben. Darauf einigten sich das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten am Donnerstag nach monatelangen Verhandlungen. Die Obergrenze der Boni wird standardmässig auf ein Jahresgehalt beschränkt. Wenn die Aktionäre der Bank zustimmen, kann die Bonuszahlung auch auf zwei Jahresgehälter erhöht werden.

Wann tritt die neue Regelung in Kraft?

Für rund 8200 Banken in der EU gilt die neue Regelung ab 2014. EU-Parlamentarier sprachen von einer Revolution im Finanzmarkt und zeigten sich in ersten Reaktionen zufrieden mit dem Ergebnis. Jetzt müssen die Mitgliedstaaten noch endgültig zustimmen.

Wie wirkt sich die neue Regelung aus?

Eine Salärobergrenze soll die Manager vor risikoreichen Geschäften abhalten, die sich kurzfristig positiv auf das eigenen Einkommen auswirken, die aber schlecht für die Bank, für die Aktionäre und letztlich auch schlecht für die Sparer sind. Kritiker sagen indes, die neue Regelung führe lediglich dazu, dass die Fixgehälter erhöht werden.

Was macht die Schweiz?

Wir gehen noch einen Schritt weiter: Die Abzocker-Initiative macht keinen Unterschied zwischen Top-Bankern und Pharma-Chefs. Wird die Initiative am 3. März vom Schweizer Stimmvolk angenommen, werden alle Top-Verdiener an die Kandare genommen. Die EU erhofft sich derweil mit den neuen Eigenkapitalvorschriften eine Stabilisierung des Finanzsektors. Das soll letztlich auch der Realwirtschaft zu Gute kommen. Diese ist als Kreditnehmerin auf solide finanzierte Banken angewiesen.

Wer versuchte die strengeren Regeln zu verhindern?

Die Gegner der neue Regelung kommen naturgemäss aus der Finanzbranche. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) warnte vor einer starken staatlichen Regulierung von Bonuszahlungen an Spitzenbanker. Der Branchenverband hielt den Vorschlag des Europäischen Parlaments für zu weitreichend. Zäher Widerstand kam auch aus Grossbritannien. Dort ist der Finanzsektor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das Königreich fürchtet Nachteile für den Finanzplatz London und sperrte sich gegen den Eingriff in die Vergütungspolitik der Banken. Die kommenden Jahre werden zeigen, dass der Nachteil einzelner Finanzplätze vernachlässigbar ist. Gewonnen wird dafür mehr wirtschaftliche Stabilität.

Macht es Sinn, nur eine einzige Branche zu regulieren?

Nein. Grundsätzlich müssten sich die EU-Parlamentarier Gedanken darüber machen, wie man den fürstlichen Gehältern über alle Branchen hinweg beikommen könnte. Der bestbezahlte Manager Europas ist – und das ist bezeichnend - auch kein Banker, sondern Verwaltungsratspräsident des Technologiekonzerns Tyco mit Sitz in Schaffhausen. Der US-Amerikaner Edward Breen kassierte 2012 30 Millionen Dollar für sein Mandat. Und Daniel Vasellas Treuprämie von 72 Millionen Franken zeigt eindrücklich: Abzocker gibt es nicht nur bei den Banken. Revolutionär wäre, es würden internationale Standards definiert, wie viel Top-Manager im Verhältnis zu ihren Angestellten verdienen dürfen. Davon sind wir aber noch weit entfernt, denn in Brüssel haben die Vertreter der Wirtschaftslobbies ein gewichtige Stimme.

Wie kam die neue Regelung zustande?

In erster Linie geht es um die Überarbeitung der Eigenkapitalvorschriften für Banken – das sogenannte «CRD-IV-Paket». Das Kernstück des Pakets ist die Umsetzung der neuen internationalen Eigenkapitalvorschriften («Basel III) ins EU-Recht. Die Plafonierung der Boni wurde auf Druck des EU-Parlaments mit den neuen Eigenkapitalvorschriften verknüpft. Grundsätzlich geht es darum, dass die Banken künftig mehr Eigenkapital halten müssen. Damit soll verhindert werden, dass Banken wie die UBS («too big to fail») und andere Finanzinstitute mit Finanzspritzen vom Staat gerettet werden müssen. Denn letztlich resultiert die europäische Schuldenkrise aus dem Kollaps des Finanzsystems – und nicht umgekehrt.

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