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RückforderungsbelegeDas bedeuten die Codes auf der Arztrechnung

Patienten sind mit der Kontrolle der Arztrechnung oft überfordert. 20 Minuten erklärt die Codes und was die Ärzte zum Zahlensalat sagen.

von
K. Wolfensberger

Wer zum Arzt geht, erhält im Anschluss an den Besuch unweigerlich eine Rechnung inklusive Rückforderungsbeleg zugestellt. Dem Patienten stellt sich nun die Frage, ob die Leistung vom Arzt korrekt verrechnet wurde. Das Problem: Viele sind mit der Kontrolle des Belegs überfordert. Etliche Codes und Ziffern sorgen für Verwirrung. Die genaue Bedeutung erklärt die Infografik von 20 Minuten (siehe oben).

«Vor allem dann, wenn der Arzt mehr als nur eine kleine Kontrolle macht oder eine Blutabnahme vornimmt, wird es zu kompliziert», erklärt Patrick Hischier, Mediensprecher des Konsumentenforums. Dabei sei eine genaue Kontrolle wichtig und auch die Pflicht der Patienten. Hischier empfiehlt daher: Wenn eine Arztrechnung Fragezeichen aufwirft, sollte man deshalb beim Arzt noch einmal nachhaken.

Krankenkassen können nicht kontrollieren

Diese Arbeit auf die Krankenkassen abzuwälzen, ist kaum möglich. «Nur der Patient kann beurteilen, ob eine auf der Rechnung aufgeführte Leistung auch tatsächlich vom Arzt so erbracht worden ist», sagt Sandra Kobelt vom Krankenkassenverband Santésuisse zu 20 Minuten. Dieser setzt sich daher für leichter lesbare Rechnungen ein. Kobelt sagt: «Es sollte auf der Rechnung zum Beispiel ersichtlich sein, wie lange eine Behandlung tatsächlich gedauert hat. Auf den heute verwendeten Rechnungen kann der Patient dies nicht transparent ersehen.»

Dieser Aussage widerspricht Urs Stoffel, Mitglied des Zentralvorstands des Verbands FMH. Zwar sei es auch von Seite der Ärzte unbestritten, dass die Rückforderungsbelege kompliziert sind, so Stoffel zu 20 Minuten. Was sich aber trotz der Unübersichtlichkeit gut feststellen lasse, sei die Dauer einer Konsultation beim Arzt. So fänden sich hierfür bei der Auflistung der erbrachten Leistungen meist drei Kostenpunkte mit dem Titel «Konsultation», verbunden mit dem Zusatz «erste 5 Minuten», «jede weiteren 5 Minuten» oder «letzte 5 Minuten». Zählt man die Anzahl dieser drei Positionen zusammen, erhält man die Gesamtdauer einer Konsultation, so Stoffel.

Comparis fordert Arbeitsprotokoll

Für Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte beim Vergleichsdienst Comparis, ist das zu kompliziert. Er sagt: «Ich empfinde es als stossend, dass die medizinischen Leistungserbringer nicht unmittelbar nach der Behandlung vom Patienten einen Arbeitsrapport unterschreiben lassen, wie das jeder Handwerker nach seinem Einsatz auch tut.» Auf dem Rapport müsste der Patient die bezogenen Leistungen bestätigen, eine Kopie davon ginge an die Kasse. Unstimmigkeiten könnten sofort geklärt werden.

«Der Arbeitsrapport-Vorschlag ist für das Gesundheitswesen nicht geeignet», entgegnet FMH-Vertreter Urs Stoffel. Er erklärt: «Ärzte müssen viele Leistungen in Abwesenheit des Patienten erbringen, zum Beispiel Laboruntersuchungen.» Patienten seien daher nicht in der Lage, deren Durchführung zu visieren. «Trotz der Nichtumsetzbarkeit des Vorschlags sollte es Ärzten ein Anliegen sein, den Patienten leicht verständliche Belege zukommen zu lassen», sagt Stoffel. Es gebe hierfür speziell für Praxen entwickelte Softwares. Sie ermöglichen es, den Rückforderungsbeleg in eine leicht leserliche Auflistung der Arzt-Leistungen umzuwandeln, die den Patienten mitgeschickt werden kann.

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