Aktualisiert 15.01.2015 17:56

Fragen und Antworten

Das bedeutet der SNB-Entscheid für uns

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank ist ein Paukenschlag. 20 Minuten beantwortet die drängendsten Fragen.

von
V. Blank und S. Spaeth
Der Euro-Franken-Mindestkurs von 1.20  ist Geschichte.

Der Euro-Franken-Mindestkurs von 1.20 ist Geschichte.

Warum kam der Schritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) für alle so überraschend?

Die SNB hatte während Jahren betont, den Euro-Mindestkurs um jeden Preis zu verteidigen. «Wenn sich eine Notenbank aber zu einem solchen Schritt entschliesst, muss sie Knall auf Fall handeln», sagte UBS-Chefökonomen Daniel Kalt zu 20 Minuten. Die Marktteilnehmer auf diesen Schritt vorzubereiten, sei nicht möglich gewesen.

Warum hebt die SNB den Mindestkurs gerade jetzt auf?

Sie begründet den Schritt damit, dass sich die Überbewertung des Frankens abgeschwächt hat. Der Franken bleibe zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hab sich seit der Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert. Die ausserordentliche Massnahme habe die Schweizer Wirtschaft vor schwerem Schaden bewahrt. Zudem hat sich der Franken gegenüber dem Dollar abgeschwächt.

Hat der Entschied der Glaubwürdigkeit der SNB geschadet?

Wenn man den Märkten während Jahren verspreche, durchzuhalten, und dann plötzlich eine Kehrtwende mache, richte das einen gewissen Schaden an, sagt Chefökonom Kalt. Auch zahlreiche Devisenhändler sprachen von einem massiven Glaubwürdigkeitsverlust.

Wie reagierten die Devisenmärkte?

Kurz nach der Ankündigung geriet der Devisenmarkt in Panik. Der Eurokurs stürzte auf rund 0.83 Franken ab, der Schweizer Leitindex (SMI) verlor zeitweise gegen 14 Prozent. Laut Händlern hatten gewisse Devisenhäuser den Handel mit Devisen sogar vorübergehend eingestellt.

Was ist gefährlich an der Aufgabe des Mindestkurses?

Es droht eine übermässige Aufwertung des Frankens. Kurzzeitig fiel der Euro nach Bekanntgabe des SNB-Entscheids auf unter einen Franken. Die Gemeinschaftswährung stürzte zwischenzeitlich auf 0.8321 Franken ab. Gleichzeitig hat die SNB aber die Negativzinsen erhöht, was Druck vom Franken wegnehmen soll. Die SNB hat seit 2011 immer wieder betont, den Mindestkurs um jeden Preis zu verteidigen. Darum ist für Chefökonom Frangulidis klar: «Die SNB hat mit dem Aufheben des Mindestkurses an Glaubwürdigkeit verloren.»

Was bedeutet die Aufhebung des Mindestkurses für den Schweizer Tourismus ...

Ein Aufenthalt in der Schweiz wird durch die Aufwertung des Schweizer Franken für ausländische Gäste jetzt noch teurer. Bleibt der Franken gegenüber dem Euro stark, ist mit einem noch stärkeren Gästerückgang zu rechnen. Die Wechselkurssituation ist seit Jahren eine grosse Belastung für den Tourismus. Die Aufhebung des Mindestkurses dürfte für die Branche ein herber Schlag sein. Schweiz-Tourismus-Sprecherin Daniela Bär hatte erst kürzlich zu 20 Minuten gesagt: «Der Mindestkurs ist für uns zentral. Wir haben auch beim bestehenden Kurs schon ein Preisproblem.»

... die Exportwirtschaft ...

Auch die Schweizer Exportwirtschaft ächzt seit Jahren unter dem starken Franken. Der Grund: Schweizer Waren sind durch den Wechselkurs zum Euro für ausländische Abnehmer deutlich teurer geworden. Die Aufhebung des Mindeskurses dürfte die Lage für exportierende Schweizer Unternehmen zusätzlich erschweren.

... und die Aktienbesitzer?

Die Schweizer Börse erlitt massive Verluste. Der Leitindex SMI schloss am Donnerstag über 8 Prozent tiefer. Der Börsenwert der grössten Schweizer Firmen sank insgesamt um über 100 Milliarden Franken. Grund dafür ist der Umstand, dass Gewinne in anderen Währungsräumen in Schweizer Franken weniger wert sind. Zudem verteuern sich im Ausland beispielsweise Schweizer Maschinen oder Uhren. Das dürfte die Verkäufe bremsen. Schweizer Anleger, die Aktien in Euro oder Dollar halten, haben ebenso massive Verluste erlitten.

Was hat die Aufgabe des Kursziels mit den kommende Woche bevorstehenden Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu tun?

Die Nationalbank hatte laut ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis Bedenken wegen eines möglichen Ausstiegs von Griechenland aus der Eurozone. Zudem war man auf den Märkten davon ausgegangen, die EZB werde im grossen Stil Staatsanleihen europäischer Länder kaufen. Das hat den Aufwertungsdruck auf den Franken weiter verstärkt. «Die SNB hätte enorm intervenieren müssen», so Frangulidis.

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