Teuerung - Das bedeutet der weltweite Preisanstieg für die Schweiz
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Teuerung Das bedeutet der weltweite Preisanstieg für die Schweiz

Monatlich werden das Tanken, Heizen und Einkaufen teurer. Was steckt hinter dem Anstieg? Und ist der Trend bald vorüber?

von
Dominic Benz
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In der Schweiz sind das Tanken, der Strom und der Restaurantbesuch nochmals teurer geworden.

In der Schweiz sind das Tanken, der Strom und der Restaurantbesuch nochmals teurer geworden.

Carsten Koall/dpa
Weltweit steigen die Preise. 

Weltweit steigen die Preise.

Markus Scholz/dpa
Im Euroraum verteuerten sich die Preise im November gegenüber dem Vorjahresmonat durchschnittlich um 4,9 Prozent. Das ist so viel wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1997.

Im Euroraum verteuerten sich die Preise im November gegenüber dem Vorjahresmonat durchschnittlich um 4,9 Prozent. Das ist so viel wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1997.

Sebastian Gollnow/dpa

Darum gehts

  • Die Teuerungsraten steigen weltweit.

  • Grund sind die Pandemie und die lockere Geldpolitik der Zentralbanken.

  • Die neue Corona-Variante Omikron könnte für einen weiteren Preisschub sorgen.

  • Die wichtigsten Fragen und Antworten zum weltweiten Preisanstieg

Die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen weltweit. In den USA, Deutschland sowie im gesamten Euroraum legt die Teuerung, auch Inflation genannt (siehe Box), seit Monaten unaufhaltsam zu. Was steckt hinter dem Anstieg? Und wird in der Schweiz jetzt auch alles immer teurer? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie stark steigen die Preise?

Die Teuerungsraten erreichen derzeit neue Rekordwerte. Im Euroraum verteuerten sich die Preise im November gegenüber dem Vorjahresmonat durchschnittlich um 4,9 Prozent. Das ist so viel wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1997. Alleine in Deutschland stieg die Teuerung um 5,2 Prozent und knackt erstmals seit knapp 30 Jahren die Fünf-Prozent-Marke. In den USA zogen die Preise mit 6,2 Prozent noch deutlicher an.

Wie siehts in der Schweiz aus?

Die Teuerung steigt auch hierzulande, allerdings weniger stark. Im November legten die Preise im Vergleich zum Vorjahr nur moderat um 1,5 Prozent zu. Im Oktober waren es 1,2 Prozent. Die relativ niedrige Inflation hat laut Matthias Geissbühler unter anderem mit der derzeitigen Frankenstärke zu tun. «Diese ist inflationsdämpfend», sagt der Investment-Chef von Raiffeisen Schweiz zu 20 Minuten. Vor allem Waren, die die Schweiz aus Europa importiert, kosten umgerechnet in Franken weniger, was im Schnitt die Teuerung begrenzt.

Welche Produkte werden teurer?

Wegen der Teuerung müssen die Konsumentinnen und Konsumenten deutlich mehr Geld liegenlassen. So sind in der Schweiz das Tanken, der Strom und der Restaurantbesuch zuletzt nochmals teurer geworden. Auch im Euroraum sind die Kosten an der Tankstelle und fürs Heizen massiv gestiegen. Hinzu kommen höhere Preise für Lebens- und Genussmittel. In den USA muss man etwa auch für Kleider, Fleischwaren und Autos immer mehr bezahlen. Besonders in den USA seien viele verschiedene Güter von einem Preisanstieg betroffen, sagt Geissbühler.

Warum geht die Inflation durch die Decke?

Die Weltwirtschaft hat sich schnell von der Corona-Krise erholt. «Das Angebot kann jedoch nicht mit der Nachfrage mithalten», so Geissbühler. Denn bei den Unternehmen klemmts. Seit Monaten haben sie mit Produktionslücken und Lieferengpässen zu kämpfen. Auch Rohstoffe sind angesichts des gestiegenen Bedarfs knapp. Das führt zu höheren Preisen. «Wir haben es demnach sowohl mit einer nachfragegetriebenen Inflation als auch einem Angebotsschock zu tun», so der Ökonom.

Steigen die Preise nur vorübergehend?

Darüber sind sich die Ökonomen uneinig. Viele sehen im Anstieg der Teuerung ein vorübergehendes Phänomen. Schon Anfang des kommenden Jahres sollen die Preise wieder weniger stark steigen. Anders sieht es mittlerweile US-Notenbank-Chef Jerome Powell. Mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron gebe es Risiken für die Wirtschaft, sagte er am Dienstag. Die Inflation könne daher womöglich doch länger anhalten. Auch Matthias Geissbühler sieht weiter steigende Preise – wenn auch nicht mehr im jetzigen Ausmass. «Denn die Lieferengpässe werden nicht so schnell aufhören.» Es besteht jedoch dann die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale (siehe Box).

Und was kann man gegen Inflation tun?

Die wichtigsten Zentralbanken fahren seit Jahren eine lockere Geldpolitik, um die Wirtschaft und den Konsum anzukurbeln. Kritiker sehen darin aber einen Treiber der Inflation und warnen vor dauerhaft hohen Preisen. Die Zentralbanken stehen daher unter Druck, ihre Konjunkturprogramme zurückzufahren – trotz Pandemie. «Die Zentralbanken stecken in einem Dilemma – entweder Inflation bekämpfen oder weiterhin mit einer lockeren Geldpolitik die Wirtschaft stützen», sagt Geissbühler. Er sieht jedoch angesichts der Inflation in den USA eine Zinserhöhung nun schneller kommen. «Eine erste dürfte es im zweiten Halbjahr 2022 geben.»

So gefährlich ist Inflation

Unter Inflation versteht man allgemein die stetige Verteuerung von Waren und Dienstleistungen. Dieser Anstieg der Verbraucherpreise in einer Volkswirtschaft wird in der Regel als Inflationsrate zum Vorjahr erhoben. Die Berechnung basiert auf einem fiktiven Warenkorb je nach Konsumverhalten der betrachteten Bürgerinnen und Bürger. Dabei werden die Preisänderungen bei teureren Produkten wie Strom stärker gewichtet als bei Zucker oder Briefmarken.

Eine zu hohe Inflation kann zu einer Preisspirale führen. Denn höhere Preise bedeuten, dass die Konsumentinnen und Konsumenten weniger für ihr Geld erhalten. Sie werden also höhere Löhne verlangen, um ihren Lebensstandard halten zu können. Um die höheren Löhne zu bezahlen, werden Unternehmen wiederum die Preise für ihre Produkte weiter erhöhen. Daraus entsteht ein Teufelskreis.

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