Aktualisiert 31.07.2014 14:47

Fragen und Antworten

Das bedeutet die Pleite für Argentinien

Argentinien steht vor dem nächsten Staatsbankrott. Wie düster ist die Zukunft für das krisengeplagte Land? 20 Minuten gibt Antworten auf die drängendsten Fragen.

von
Valeska Blank

Die zweitgrösste Volkswirtschaft Südamerikas steht erneut am Rande des Abgrunds. Zum zweiten Mal innerhalb von 13 Jahren steuert Argentinien auf eine Staatspleite zu.

20 Minuten hat die wichtigsten Fakten zusammengetragen und beantwortet die drängendsten Fragen.

Was heisst die Pleite für die Wirtschaft Argentiniens?

Die drohende Staatspleite verschärft die Krise, in der Argentiniens Wirtschaft ohnehin schon steckt. Mit dem erneuten Zahlungsausfall verspielt Argentinien endgültig seine Rolle als vertrauenswürdiger Schuldner. Die Inflationsrate beträgt mehr als 30 Prozent, die Landeswährung Peso hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert verloren. «Für das Land wird es jetzt noch schwieriger, sich an den privaten Kapitalmärkten zu finanzieren», sagt Henning Vöpel vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) zu 20 Minuten. Die Konsquenz: Das Land muss mehr einnehmen und sparen. Die Folge wäre ein Einbruch des privaten Konsums und der Investitionstätigkeit - Gift für jede Volkswirtschaft.

Was wäre die unmittelbare Folge, wenn die Staatsinsolvenz tatsächlich eintritt?

Noch mehr Anleger würden aus dem Peso flüchten, was die schwelende Währungskrise noch schlimmer machen würde. Argentinien würde auch die letzten Investoren verlieren. Nicht nur Gläubiger des Staates, auch Private, die beispielsweise in argentinische Unternehmen investiert haben, würden ihr Kapital zurückziehen. Das wiederum hätte schwerwiegende Folgen für den Finanzmarkt: «Aus einer Wirtschaftskrise entsteht eine Bankenkrise», sagt Vöpel, «wenn die Lage eskaliert, kann es sogar zu einem Bankrun kommen.»

Wie trifft die Krise die argentinischen Bürger?

Experten sind sich uneinig, wie stark sich der Zahlungsausfall auf das öffentliche Leben auswirken wird. Wenn sich der Staat aber nicht mehr über ausländische Gelder finanzieren kann, wird das die Bevölkerung empfindlich treffen. «Vieles müsste gekürzt werden - Sozialleistungen, Gesundheitsausgaben oder Investitionen in die Bildung - und die Steuerbelastung würde steigen», so HWWI-Professor Vöpel.

Wie wirkt sich die Krise auf den Rest der Welt aus?

Die Auswirkungen auf die globalen Märkte werden als begrenzt eingeschätzt. Argentinien gilt seit der Staatspleite 2001 als so unwichtig für die Weltwirtschaft, dass der Grossteil der Experten einen Flächenbrand an den Finanzmärkten ausschliesst. Auch die Schweiz dürfte nicht in Mitleidenschaft gezogen werden: Gemäss Angaben der Nationalbank belief sich der schweizerische Direktinvestitionsbestand in Argentinien per Ende 2012 auf lediglich 6,6 Milliarden Franken.

Wird es zu einer Eskalation kommen wie bei der Staatspleite 2001?

Das hängt davon ab, inwiefern sich Argentinien doch noch mit seinen Gläubigern einigen wird. Die meisten Akteure geben sich bis jetzt gelassen. Als Folge der Staatspleite im Jahr 2001 brachen Unruhen aus, es kam zu Verwerfungen an den Finanzmärkten. Ganz auszuschliessen ist eine Eskalation auch dieses Mal nicht, sagt HWWI-Experte Vöpel: «In solchen Krisen braucht es manchmal nur wenig, bis die Dynamik kippt und es zum Schlimmsten kommt.»

Ist die jetzige Krise mit derjenigen von 2001 vergleichbar?

Die meisten Experten verneinen das. Das jetzige Szenario unterscheide sich stark von der Situation vor 13 Jahren. Damals konnte Argentinien seine Schulden nicht mehr zahlen. Heute geht es vielmehr um den Unwillen des Landes, seine Gläubiger zu bedienen. Währungsreserven hätte es noch genug.

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