Afrika Cup für Anfänger: «Das bedeutet zu viel Arbeit für uns»
Aktualisiert

Afrika Cup für Anfänger«Das bedeutet zu viel Arbeit für uns»

Ohne Visum können Schweizer nicht nach Angola reisen. Für den Besuch des Afrika Cups ist für Journalisten auch die Akkreditierung unablässig. Beides zu organisieren wäre fast gescheitert. Geklärt hat sich alles praktisch im letzten Moment.

von
Reto Fehr
Luanda

Erst brauche ich eine Akkreditierung für den Afrika Cup. Denn wenn ich die nicht habe, muss ich gar nicht erst abreisen. Nach der Anmeldung fürs Medien-Login auf der Verbandsseite im September kommt auch gleich die Bestätigung: «Der Registrierungsvorgang war erfolgreich. Sie werden in den nächsten Tagen die Login-Daten erhalten.» Nach rund drei Wochen ohne weiteren Bescheid, frage ich auf der angegebenen Support-Mailadresse nach dem Zugangcode. Ich erhalte keine Antwort. Mitte Oktober melde ich mich mit einer anderen Email-Adresse nochmals an. Jetzt klappts. Doch bald warte ich wieder eine gefühlte Ewigkeit, denn der Akkreditierungsprozess dauert ähnlich lange. Nach einem Anruf in Kairo bei der «Confederation of African Football» (CAF) wird mir Anfang Dezember eine baldige Bestätigung versprochen. Tatsächlich folgt diese am nächsten Tag. Doch die nächste Hürde wartet schon. Ich brauche ein Visum.

«Es sieht alles gut aus»

Drei Wochen daure das höchstens, steht auf der Homepage der angolanischen Botschaft in Bern. Ich habe noch fünf Wochen bis zum geplanten Abflug. Zeit genug. Doch das «Bewerbungsformular» hat seine Tücken: Ich brauche unter anderem eine von einem anerkannten portugiesischen Übersetzer geschriebene Arbeitsbestätigung, zwei Fotos auf weissem Grund und ein Einladungsschreiben einer Person oder Gesellschaft aus Angola. Die Arbeitsbestätigung schicke ich nicht mit, meine Fotos sind auf blauem Grund und für das Einladungsschreiben rufe ich erneut beim CAF an. «Ich weiss noch nicht, ob wir diese Briefe schreiben», erklärt mir ein Sprecher. Warum nicht? «Wissen Sie, es sind viele Journalisten akkreditiert, allen einen Brief zu schreiben bedeutet zu viel Arbeit für uns», so die Antwort. Ich bin sprachlos und hänge auf.

Wird schon auch ohne das Schreiben klappen, sage ich mir und rufe zur Sicherheit einen Tag nach Versand meiner Unterlagen bei der Botschaft an. «Es sieht alles gut aus», verspricht man mir. Das Visum ist kein Problem. Tatsächlich kann es schnell gehen. Ein Arbeitskollege hat seine Einreisebestätigung eine Woche später bereits. Ich erhalte stattdessen ein Mail vom CAF mit der Aufforderung meine Passdaten per Mail an eine Adresse beim «LOC» zu senden. Obwohl ich nicht herausfinde, was «LOC» bedeutet, sende ich meine Angaben. Das soll den «Visumprozess beschleunigen», schreibt man mir. Trotzdem melde ich mich erneut bei der Botschaft: «Alles in Ordnung, die Unterlagen werden geprüft, sie haben Ihr Visum sicher bis Anfang Januar.»

Visum im letzten Augenblick

Am 4. Januar habe ich noch immer kein Visum. Bei der Botschaft teilt man mir gelassen mit: «Wir brauchen noch eine Unterkunftsbestätigung von Ihnen.» Konnte man mir das nicht vorher mitteilen? «Ihre Handynummer hat nicht funktioniert", so die Antwort. Wie auch immer. Da ich Bertrand, die Person bei der ich wohnen werde, zwei Tage lang nicht erreiche, treibe ich mit Glück und über Umwege doch noch das gewünschte Papier auf. Das Visum kommt am 8. Januar per Expresssendung, dem letztmöglichen Werktag. Die letzte Ziffer meiner Passnummer stimmt nicht, bei der Botschaft versichert man mir auf Anfrage, dass das nicht entscheidend sei. Ich habe keine Wahl als der Dame zu glauben. Einen Tag später sitze ich im Flieger nach Luanda. Es kann los gehen. Até logo Suiça, bemvindo a Angola.

Afrika Cup für Anfänger

Unter der Rubrik nimmt Sie 20-Minuten-Online-Sportchef Reto Fehr auf die Reise nach Angola an die Kontinentalmeisterschaften mit und berichtet – eine tägliche Internetverbindung vorausgesetzt – regelmässig aus Afrika. Das fängt bei der mühsamen Visumbeschaffung an, geht über die Unterkunftssuche bis hin zu den erhofften Erlebnissen und vermuteten Problemen im Land.

Unter der Rubrik nimmt Sie 20-Minuten-Online-Sportchef Reto Fehr auf die Reise nach Angola an die Kontinentalmeisterschaften mit und berichtet – eine tägliche Internetverbindung vorausgesetzt – regelmässig aus Afrika. Das fängt bei der mühsamen Visumbeschaffung an, geht über die Unterkunftssuche bis hin zu den erhofften Erlebnissen und vermuteten Problemen im Land.

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