Umfrage: Das beschäftigt die Party-Generation
Aktualisiert

UmfrageDas beschäftigt die Party-Generation

Sie feiern zu heftig und haben keine Perspektiven: In der medialen Berichterstattung schneiden Jugendliche oft mies ab. Doch wie geht es den Erwachsenen von morgen wirklich?

von
Anne-Sophie Keller

Das Party-Treiben am Wochenende sei zu wild, man brauche mehr Polizei und fordere Alkoholverkaufsverbote: Im Fokus der aktuellen Diskussionen um Party-Exzesse stehen die Jugendlichen. Doch sind diese wirklich so perspektivenlos, dass sie sich jedes Wochenende abschiessen müssen? An was halten sie sich? Und wie fühlt man sich eigentlich als junger Teil der Gesellschaft? Wir haben zehn junge Menschen getroffen und zugehört.

Saufen, baggern, Party machen

«Viele in meinem Alter gehen lieber feiern, als sich Gedanken über ihr Leben zu machen», erzählt Sarah (20). Heute orientiere man sich zu stark an Stars. Ihre Kollegin Carla hat eine klare Meinung zu den negativen Schlagzeilen über ihre Generation: «Oftmals suchen die betroffenen Jugendlichen die Probleme. Ich hatte strenge Eltern und klare Grenzen. Dafür bin ich dankbar», stellt die 19-Jährige fest. Radikal wirkt hingegen die Aussage von Cesar (16): «Ich gehe gar nicht mehr aus. Viele gehen nur um zu prügeln. Die wollen gar nicht feiern.»

Grosse Ängste und falsche Vorbilder

Der 16-jährige Louis absolviert zurzeit eine Lehre als Detailhandelsfachmann und möchte später einen eigenen Betrieb führen: «Ich habe viele Chancen erhalten.» Einfach sei es dennoch nicht: «Als junger Mensch hat man viele Einflüsse und muss lernen, auf sich selber zu hören.» Ana (16) hat kürzlich eine Praktikumsstelle gefunden – keine allzu leichte Aufgabe: «Mehr als die Hälfte meiner Klasse hat Angst, nichts zu finden.» Es sei schwierig, sich für etwas zu entscheiden; die vielen Möglichkeiten können schnell überfordern. Für Serhat ist es wichtig, Dinge zu haben, an denen man sich festhalten kann: «Für mich ist dies meine Familie. Aber oftmals orientieren sich junge Leute lieber an Kollegen oder Stars aus Reality Shows. Klar wird das Zusammenleben mit Erwachsenen dann schwierig», sagt der 17-Jährige.

Ein Silberstreifen

«Die momentane Diskussion über Ausgangs-Exzesse ist schon krass», erzählt Lukas (20). Aber die allgemeine Berichterstattung habe generell zugenommen: «Früher haben die Jungen ja auch rebelliert. Wenn man aber eine gute Erziehung geniessen durfte, findet jeder seinen Platz in der Gesellschaft.» Auch der gleichaltrige Luca findet nicht, dass sich die Perspektiven der Jungen verschlechtert haben: «Es gibt heute einfach extrem viele Plattformen, auf denen Probleme diskutiert werden können – was gut ist! Jedoch werden Schwierigkeiten so extrem präsent.»

Cristina (16) schätzt indes, dass man sich heute als junge Frau respektiert und sicher fühlen kann: «Wenn man doch mal in Konflikte gerät und sich richtig verhält, passiert selten etwas». Auch Eduardo zieht eine positive Bilanz: «Ich bin mit neun Jahren in die Schweiz gekommen und habe das Gefühl, dass die Leute hier sehr offen sind», erzählt der 17-Jährige. Momentan arbeitet er als Maurer im Geschäft seines Onkels. Wo er in fünf Jahren steht, weiss er aber noch nicht.