Aktualisiert 06.02.2014 12:09

Wechsel zu Vancouver

Das Beste, das Raphael Diaz passieren konnte

Der «Trade» von Montreal zu Vancouver ist für Raphael Diaz ein Glücksfall und ist auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Sotschi hilfreich.

Persönlich hätte das Debüt von Raphael Diaz im Dress der Canucks nicht besser laufen können. Der Zuger Verteidiger erzielte bei der 1:3-Niederlage in Boston den einzigen Treffer seines Teams, nachdem er zuvor in 58 Partien ohne Torerfolg geblieben war. Mit 25:26 Minuten erhielt er am meisten Einsatzzeit und verliess das Eis mit einer Plus-1-Bilanz. Beim Schuss sei auch Glück dabei gewesen, so Diaz bescheiden. Er habe einfach versucht, aufs Tor zu schiessen, manchmal würden solche Schüsse reingehen.

Anscheinend ist die aufreibende Zeit spurlos an Diaz vorbei gegangen. Am Tag zuvor hatte er von Montreals General Manager Marc Bergevin einen Anruf bekommen, in dem ihm dieser mitgeteilte, dass er fortan in Vancouver spiele. Diaz war davon überrascht, ja gar schockiert. Obwohl seine Aktien bei Montreal nach der Beförderung des erst 21-jährigen Nathan Beaulieu in die NHL gesunken und er achtmal in Folge überzählig gewesen war, hatte er nicht mit einem Tauschgeschäft gerechnet. Nach dem Anruf ging es hektisch zu und her. «Ich hatte und habe so viel um die Ohren. Aber ich freue mich auf die neue Herausforderung», teilte er am Montagabend per WhatsAppmit.

Vom Top-4-Verteidiger zum Trade-Spieler

Diaz ist ein Paradebeispiel dafür, wie schnelllebig die NHL ist. Nachdem er im Mai 2011 von Montreal verpflichtet worden war, erkämpfte er sich im Vorbereitungscamp gleich einen Stammplatz. In der ersten Saison wurde er durchschnittlich während 18 Minuten eingesetzt, in der zweiten gar während beinahe 21 Minuten, in den Playoffs spielte er im Schnitt mehr als 22 Minuten. Auch in der aktuellen Saison gehörte er zu Beginn zu den Top-4-Verteidigern der Canadiens, wobei er ausgezeichnet mit Josh Gorges harmonierte. Dann seien Spieler von Verletzungen zurückgekehrt. Spieler, die einen Vertrag hätten, so Diaz vielsagend. Konkret meinte er Alexej Jemelin, mit dem Montreal Ende Oktober bei einem jährlichen Lohn von 4,1 Millionen Dollar um vier Jahre verlängert hatte. Und dies, obwohl der Russe in den letzten beiden Jahren schlechtere Statistiken aufwies als der Zuger.

Da bei Montreal im Sommer nicht nur der Vertrag von Diaz, sondern auch jene der Topverteidiger P.K. Subban und Alexej Markow auslaufen, war es wohl in erster Linie ein politischer Entscheid gegen den Schweizer, zumal der «Salary Cap», die zulässige Gehaltsobergrenze, reduziert worden ist. Zwar gab es Gespräche bezüglich einer Vertragsverlängerung mit Diaz, der ursprünglich gerne bei Montreal («es ist eine exzellente Organisation, die mir sehr geholfen hat») geblieben wäre. Doch nach allem, was passiert ist, kam auch bei Diaz der Wunsch nach einer Luftveränderung auf. «Als Spieler willst du so viel wie möglich spielen und dem Team helfen.»

Zu einem der besten Defensiv-Spieler entwickelt

Diaz kann im Sommer seinen neuen Arbeitgeber frei wählen und will selbstredend seinen Lohn von derzeit 1,25 Millionen Dollar um einiges erhöhen. Insofern ist der «Trade» zu Vancouver das Beste, das geschehen konnte. Auch deshalb, weil er bei den Canucks mit Yannick Weber auf einen guten Freund trifft. Nun kann er wieder zeigen, welche enorme Fortschritte er in der NHL im defensiven Verhalten gemacht hat. So blockte er in dieser Saison bereits 103 Schüsse. Dies ist etwas, das er in Montreal gelernt hat. Auch in einer zweiten Statistik weist Diaz ausgezeichnete Werte vor. In der vergangenen Qualifikation hatten nur zwei NHL-Verteidiger, die 300 und mehr Minuten im Einsatz standen, pro 60 Spielminuten weniger Gegentreffer erhalten.

Ein Glücksfall ist der Wechsel auch im Hinblick auf das Olympia-Turnier, da er sonst ohne Spielpraxis nach Sotschi hätte reisen müssen. Angesichts der langen Verletztenliste bei Vancouver in der Verteidigung wird er auch in den restlichen beiden Partien vor der Olympia-Pause viele Einsatzminuten erhalten. Nächster Gegner ist in der Nacht auf Freitag auswärts Montreal. Dann kann er zeigen, dass es ein Fehler war, ihn wegzugeben. (si)

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