Eishockey: Das beste Langnau seit 1976
Aktualisiert

EishockeyDas beste Langnau seit 1976

Die Langnauer haben den Tempotest gegen den HC Davos nicht bestanden und 2:3 verloren. Aber so gut waren die Emmentaler in der Neuzeit noch nie: 14 Punkte-Vorsprung auf den Strich, auf den HC Lugano.

von
Klaus Zaugg
Der Langnauer Topscorer Daniel Steiner, im Kampf um den Puck gegen den Davoser Reto von Arx rechts.

Der Langnauer Topscorer Daniel Steiner, im Kampf um den Puck gegen den Davoser Reto von Arx rechts.

Die besten Langnauer seit 1976 (dem Jahr des meisterlichen Ruhmes): Zum ersten Mal im Zeitalter der Playoffs (seit 1985/86) haben die Emmentaler realistische Chancen auf die ersten NLA-Playoffs ihrer Geschichte. Wenn sie es jetzt nicht schaffen - dann wohl nie mehr.

Gegen den HC Davos platzten zwar zweiten Drittel nach der 2:0-Führung die taktischen Reifen wegen Tempoüberschreitung. Die feine Linie zwischen Tempo und Hektik wurde überschritten und in diesem Bereich war das Spiel der Davoser präziser, kaltblütiger, effizienter. Langnaus Topskorer Daniel Steiner (30) ärgerte sich: «Die Davoser haben mit Tempoläufen auf dem Aussenbahnen die Wende und die Entscheidung herbeigeführt und wir sind auch selber schuld, weil wir zu viele Scheiben verloren und zu viele Stellungsfehler gemacht haben.»

Die Tiger hatten hockeytechnisch zumindest 30 Minuten lang sogar noch besser gespielt als beim unvergesslichen 9:1 gegen Lugano. Aber der HC Davos ist eines der schnellsten Teams in Europa.

Tempo, Tempo, Tempo

Ob Steiner weiterhin bei den SCL Tigers bleibt, wird heute Sonntag entschieden. «Verschiedene Teams haben Interesse» sagt Steiner. «Wir haben allen für eine konkrete Offerte eine Frist gesetzt bis am Sonntagabend. Dann entscheiden wird.» Wechselt er nicht ins Ausland, bleibt er bei den SCL Tigers. Mit 7 Toren und 20 Assist aus 23 Spielen ist er der beste Skorer des Teams.

Nach diesem 2:3 gegen ein grosses Davos lautet letzte noch offene Frage im goldenen Emmentaler Hockeyherbst nach wie vor: Ist es den SCL Tigers auch möglich, das höchstmögliche Tempo auszuhalten? Die Antwort lautet weiterhin: Nein. Gegen die Kloten Flyers (2:7 und 1:3) und gegen den HC Davos (0:3 zum Saisonauftakt und 2:3), gegen die zwei schnellsten Mannschaften der Liga, haben die Emmentaler nach wie vor noch keine Punkte geholt.

Aber für eine Ehrenmeldung hat es gereicht. Die Langnauer forderten in ihrem intensivsten, schnellsten Spiel der Saison einem starken HC Davos alles ab und drückten noch in der Schlussminute heroisch auf den Ausgleich. Weil sie dazu in der Lage waren, das Tempo (fast) immer mitzufahren. Für ein paar Aussetzer sind sie letztlich zu bitter bestraft wurden.

Der beste Beweis, für diese neue Tempofestigkeit: Früher fiel Daniel Steiner auch dem unkundigen und neutralen Beobachter sofort auf. Weil er ein paar Stundenkilometer schneller lief als alle seine Spielkameraden. Jetzt ist Steiner nur noch am gelben Helm des Topskorers zu erkennen. Er ist nicht mehr schneller als die anderen Langnauer. «Das ist doch ein gutes Zeichen und zeigt, wir stark wir als Kollektiv geworden sind» sagt Steiner. «Wir spielen mit vier Linien und so hat jeder genug Energie.»

Hat der neue Trainer John Fust den Tigern Beine gemacht, dass sie selbst gegen diesen starken HCD mitzufräsen vermochten? Ist im Training das Laufen und Kurven geübt worden? Nein. Die SCL Tigers sind deshalb schnell, weil sie schnell denken, schnell die Situationen erfassen und die Scheibe schnell spielen - treu der uralten Weisheit, dass der Puck immer schneller ist als der schnellste Spieler, schneller auch als Daniel Steiner, schneller als alle Davoser.

Den spektakulärsten Beweis für diese Theorie erbrachten die beiden Kanadier Mike Iggulden und Pascal Pelletier bei ihrem «Ping-Pong-Durchspiel», das zum 2:0 führte. Da wankte der HCD. Aber er fiel nicht.

Nun gehen die SCL Tigers mit 14 Punkten Vorsprung auf den Strich in die Pause - die beste Ausgangslage, die sie zu diesem Zeitpunkt je hatten. Immer mehr zeichnet sich ab: Ambri, Biel und die Lakers sind für die Playouts längst gesetzt. Nur noch Lugano kann sich auf Kosten von Servette oder Langnau in die Playoffs retten.

Der wichtigsten Verbündeten für die Genfer und die Emmentaler sind jetzt Luganos Trainer Philippe Bozon und Luganos Goalie David Aebischer. So lange Aebischer im Tor und Bozon an der Bande steht, wird Lugano nicht mehr vom 9. Platz weg kommen.

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