Fussball-Legende ist tot: Das bewegte das Leben von Diego Maradona
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Fussball-Legende ist totDas bewegte das Leben von Diego Maradona

Neben dem Fussball beherrschten Drogen, Waffen und Frauen das Dasein von Diego Maradona. Ein Rückblick auf seine 60 Lebensjahre.

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Die Fussballlegende Diego Maradona ist am 25. November 2020 gestorben.

Die Fussballlegende Diego Maradona ist am 25. November 2020 gestorben.

Action Images via Reuters
Die Justiz in Argentinien hat seinen Leibarzt Leopoldo Luque formell der fahrlässigen Tötung beschuldigt.

Die Justiz in Argentinien hat seinen Leibarzt Leopoldo Luque formell der fahrlässigen Tötung beschuldigt.

Getty Images
Die Obduktion ergab, dass der 60-Jährige an einem Herzversagen in Verbindung mit einer Herzmuskelerkrankung und einem akuten Lungenödem starb.

Die Obduktion ergab, dass der 60-Jährige an einem Herzversagen in Verbindung mit einer Herzmuskelerkrankung und einem akuten Lungenödem starb.

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Darum gehts

  • Diego Armando Maradona ist tot.

  • Der Fussballgott hatte ein spektakuläres und einzigartiges Leben.

  • Erfolge und Eskapaden prägten den Argentinier.

  • Ein Überblick.

Es gibt unzählige Anekdoten über Maradona: Wie er seine Gegenspieler reihenweise narrte, wie er sogar den Tod gerade noch umdribbelte, wie er mit einem Luftgewehr auf Journalisten schoss oder sogar eine Kirche nach ihm benannt wurde. Als Fussballer war Maradona so unbeschreiblich gut wie vielleicht niemand davor oder danach. Als Mensch war er viele Jahre später mal so dick, dass er kaum sprechen konnte. Diego Armando Maradona: Dieser Name steht für ein Leben zwischen den Extremen, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Genie und Wahnsinn.

Wie der Mythos entstand

Der junge Diego Maradona.

Der junge Diego Maradona.

Foto: Twitter

Für viele Menschen ist Maradona stets ein Mythos geblieben. Die Legende beginnt in der Siedlung Villa Fiorito am Rande von Buenos Aires, wo «El Pibe de Oro» (der Goldjunge) früh vom Erstligisten Argentinos Juniors entdeckt wird. Als zwölfjähriger Balljunge soll er den Zuschauern mit seinen Kabinettstückchen während der Halbzeitpausen schon mehr Unterhaltung als die erste Mannschaft geboten haben. Im Alter von 15 Jahren gibt er sein Debüt in der ersten Liga, mit 16 ist er Nationalspieler, mit 17 Torschützenkönig und als 19-Jähriger erstmals Südamerikas Fussballer des Jahres.

Seine Erfolge

Am Anfang seines Lebens ging also noch Vieles gut. 1982 wechselt Maradona für eine Rekordablösesumme zum FC Barcelona, zum Halbgott steigt er aber erst zwei Jahre später auf. Für eine weitere Rekordablöse geht es weiter zu Napoli, also nicht zu den grossen Clubs im Norden Italiens, sondern zum verspotteten Fast-Absteiger in den verachteten Süden. «Kloake Italiens», tönen Juve- oder Milan-Fans beim direkten Duell. Hier beginnt die Verwandlung. Maradona steigt höher und höher, 1987 und 1990 führt er Neapel zu den bis heute einzigen Meisterschaften der Vereinsgeschichte. Die Neapolitaner verehren ihn wie einen Heiligen. Mit Argentinien wird er 1986 Weltmeister, 1989 gewinnt er mit Neapel auch noch den Uefa-Pokal.

Der Weg in die Drogen

Für Maradona blieb es nicht beim Rauchen.

Für Maradona blieb es nicht beim Rauchen.

Foto: Imago

Maradona kommt mit dem Hype klar, solange er Fussball spielt, auf dem Rasen wird er besser und besser. Aber: Abseits des Platzes wird er genauso unkontrollierbar wie für seine Gegenspieler. Er verfällt dem Kokain («Eine Line – und ich fühlte mich wie Superman»), zieht zum Teil von Sonntagabend bis Mittwoch um die Häuser, um danach bis zum nächsten Spiel am Wochenende wieder alles auszuschwitzen. Mehrmals wird er wegen Dopings überführt, seine Nationalmannschaftskarriere endet bei der WM 1994 wegen einer zweiten, monatelangen Sperre durch die Fifa.

Probleme mit Waffen

Im Februar 1994 schiesst Maradona mit einem Luftgewehr auf Journalisten, die vor seinem Haus bei Buenos Aires warten. Er wird später zu zwei Jahren und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Nach dem Fussball ist vor dem Fussball

Ähnliche Eskapaden liessen den Argentinier nicht mehr los. 1997 gibt er seinen Rücktritt als Profifussballer, doch seinem Lebensinhalt kehrt er nie ganz den Rücken. Von 2008 versuchte er sich als Nationaltrainer seines Heimatlands, später tourte er durch verschiedene Vereine – niemals Topstationen. Mal als Trainer, mal als Vorstandsvorsitzender. Im September 2019 übernahm Maradona den Trainerposten beim Erstligisten Gimnasia y Esgrima La Plata. Auf Instagram zeigte er sich mit einem kleinen Hund auf dem Arm, mit einer Taktiktafel im Garten oder mit einer einem Astronautenhelm ähnelnden Spezialmaske zum Schutz vor dem Coronavirus auf dem Kopf.

Die legendärsten Szenen

«Diego hatte ein Leben wie ein Traum. Und wie ein Alptraum», sagte sein langjähriger Fitnesstrainer Fernando Signorini. Unvergessen sind die «Hand Gottes», mit der er bei der WM 1986 gegen England getroffen hatte, oder sein Jahrhunderttor nach einem unfassbaren Dribbling im selben Spiel. Unvergessen sind aber auch die Jahre später erschienenen Bilder vom kugelrunden Maradona mit schrillblonden Haaren. Er scheiterte als TV-Moderator, verbrachte Wochen in Krankenhäusern, liess sich den Magen verkleinern und schrammte mehrmals knapp am Tod vorbei.

Grotesker Hype um seine Person

Die Liebe zu Maradona geht unter die Kopfhaut.

Die Liebe zu Maradona geht unter die Kopfhaut.

Foto: Imago

Das extreme Pendeln zwischen himmelhoch jauchzendem Übermut und verzweifelter Niedergeschlagenheit ist auch vielen seiner Landsleute nicht fremd. Der Rummel um Maradona nahm bisweilen groteske Ausmasse an. So gab es ein Maradona-Museum, ein Maradona-Musical und sogar eine Maradona-Kirche, in der das «Diego Unser» gebetet wurde. Nach seiner Fussballkarriere suchte Maradona auch immer wieder die Nähe zu den linken Caudillos Lateinamerikas. Gerne zeigte er sich an der Seite von Fidel Castro, Hugo Chávez oder Nicolás Maduro.

Gesundheitliche Probleme

Maradona hatte in den letzten Monaten mit seiner Gesundheit zu kämpfen und war mehrmals im Spital. Erst am 11. November, gut eine Woche nach einer Operation wegen einer Hirnblutung, war er aus einem Krankenhaus in einem Vorort von Buenos Aires entlassen worden. Beim einstigen Superstar war zunächst von emotionalem Stress, Blutarmut und Dehydrierung die Rede. Bei den Tests wurde dann eine Blutung zwischen harter Hirnhaut und Gehirn festgestellt. Maradona habe den möglicherweise schwierigsten Moment seines Lebens überstanden, sagte sein Anwalt Matías Morla da. Zwei Wochen später ist das Leben des Argentiniers vorbei.

Unvergleichliche Persönlichkeit

Allein für dieses Tor wird man Maradona nie vergessen.

Allein für dieses Tor wird man Maradona nie vergessen.

Foto: Keystone

Ob er der neue Pelé ist, wollen argentinische Reporter schon früh von ihm wissen. «Ich bin Maradona, kein neuer Irgendwas. Ich will einfach nur Maradona sein», antwortet der junge «Diegito». Und das ist ihm ohne Zweifel gelungen: Denn sein Lebensweg ist unvergleichlich.

(lai/dpa)

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