Hohe Sterberate: Das Bienensterben geht weiter
Aktualisiert

Hohe SterberateDas Bienensterben geht weiter

Auch in diesem Winter sind überdurchschnittlich viele Bienenvölker gestorben. Nun starten Forscher eine neue Offensive gegen die Varroa-Milbe, den Hauptverdächtigen der Seuche.

Schweizweit hätten 18 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebt, sagte Peter Neumann vom Zentrum für Bienenforschung der Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) auf Anfrage. Das sind zwar weniger als im vorherigen Winter, als etwa 30 Prozent der Völker starben, aber immer noch doppelt so viel wie normal.

Die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen sind laut Neumann gross. Schlimm getroffen habe es zum Beispiel den Kanton Freiburg. Dort ging diesen Winter jedes dritte Bienenvolk ein. Angesichts der wirtschaftlichen und ökologischen Bedeutung der Honigbiene startet das Bienenforschungs-Zentrum nun neue Forschungsprojekte.

Tödliche Milbe

Im Zentrum der Forschungsoffensive steht die Bekämpfung der Varroa-Milbe, wie die Forscher am Dienstag an einer Pressekonferenz in Bern-Liebefeld bekannt gaben. Dieser Parasit gelte als Hauptverdächtiger für das Bienensterben der letzten Jahre, heisst es in einem Communiqué.

Die Forscher verfolgen kurzfristig das Ziel, mit neuen Komponenten aus ätherischen Ölen alternative Bekämpfungsmethoden zu verbessern. Langfristig sollen biologische Anti-Milben-Mittel entwickelt werden, sei es durch krank machende Organismen, durch Sexuallockstoffe oder durch die Züchtung von Bienen mit höherer Toleranz gegen Varroa.

Andere Faktoren

Neben der Varroa-Milbe spielen laut den Forschern wahrscheinlich eine ganze Reihe weiterer Faktoren eine Rolle beim Bienensterben. Dazu zählen unter anderem Umweltfaktoren wie die Ernährung oder Pestizide und genetische Faktoren wie die Vitalität der Bienen.

Auch andere Länder Europas, China und die USA sind vom Bienensterben betroffen. Damit die Daten international verglichen werden können, wurde ein Netzwerk errichtet, das momentan 35 Länder umfasst.

Ein starker Rückgang der Bienenvölker hätte laut den Forschern verheerende wirtschaftliche und ökologische Folgen. Gemäss einer Schätzung der ALP aus dem Jahr 2002 beträgt der Gesamtwert der Frucht- und Beerenernte in der Schweiz 335 Millionen Franken pro Jahr. 80 Prozent davon gehen aufs Konto der Bestäubung durch Honigbienen. (sda)

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