Das Bild als einzige Waffe
Aktualisiert

Das Bild als einzige Waffe

Der Tod des japanischen Fotografen Kenji Nagai erschüttert die Weltöffentlichkeit. Noch während er stirbt, fotografiert er weiter. Im Wissen, dass Bilder und das Weltinteresse das Einzige sind, das die Bevölkerung dem Regime entgegen setzten kann.

Der japanische Video-Journalist Kenji Nagai sank, von einem Querschläger getroffen, zusammen, als er die Demonstration im Zentrum von Rangun für seine Agentur APF und die Weltöffentlichkeit festhalten wollte. Noch während er tödlich verletzt am Boden lag, hielt er das Geschehen fest.

Nagai wurde in die rechte Brust getroffen und erlag seinen Verletzungen wenig später. Inzwischen wurde der Tod des Fünfzigjährigen offiziell bestätigt. Die japanische Regierung formulierte laut Agenturberichten eine scharfe Protestnote an die Regierung von Birma.

Kenji Nagai war zum ersten mal in Birma. Er sei gemäss dem staatlichen birmesischen Fernsehen von Thailand aus mit einem Touristenvisum eingereist. Nagai hatte am Samstag seine Agentur informiert, dass er über die Bürgerproteste im Land berichten wolle. Nagai war ein erfahrener Reporter, der schon in Irak, Jordanien und Israel gewalttätige Konflikte festhielt.

Die Bilder vom Tod des Fotografen werden jetzt zur Ikone des Freiheitskampfs der Bevölkerung von Birma. Die Regierung versucht zwar verzweifelt, sämtliche Informationen und Bilder von den Protesten zu unterdrücken. Die Militär-Junta liess am Freitag gar sämtliche Internet-Verbindungen kappen. Trotzdem finden Augenzeugenberichte, Fotos und Dokumenten ihren Weg ins Ausland. Regimekritiker rufen die Weltöffentlichkeit in Blogs auf, ihr Augenmerk auf das Geschehen in Rangoon zu richten. Es sei das einzige Mittel, das die Machthaber von einem Blutbad zurückhalten könne. Selbst Staaten wie China, die bisher die Junta der Generäle in der Uno stets deckten, seien angesichts der Bilder und der Informationen, die an die Weltöffentlichkeit gelangen, nicht mehr zu einer bedingungslosen Unterstützung bereit.

Der Grund, weshalb das Regime bisher noch vor einem Blutbad zurückschreckte liegt, gemäss verschiedenen Kommentatoren, an den Bildern, wie sie Kenji Nagai und all die anderen Profi- und Amateurfotografen von den Geschehnissen in Rangoon machen und gemacht haben, und daran, dass solche Aufnahmen jetzt, im Gegensatz zum Aufstand von 1988 der Weltöffentlichkeit nicht mehr vorenthalten werden können. Es bleibt zu hoffen, dass die Fotos von Kenji Nagai und die Bilder von seinem Tod stark genug sind, um das Regime vom Schlimmsten abzuhalten.

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