«Das birgt viel sozialen Sprengstoff»
Aktualisiert

«Das birgt viel sozialen Sprengstoff»

Ein neues interkantonales Integrationsprojekt soll Jugendlichen zu einer Lehrstelle verhelfen. Mit dem so genannten Perspektiven-Camp wollen der Bund sowie die Kantone Aargau und Luzern verhindern, dass Jugendliche in die Sozialhilfe abdriften.

Jedes Jahr fänden Tausende von Jugendlichen in der Schweiz keine Lehrstelle, teilten die Projektverantwortlichen am Freitag in Beromünster (LU) mit. Wer auch bei den Brückenangeboten leer ausgehe, drohe zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Der Initiant des Projekts, der Luzerner FDP-Nationalrat Otto Ineichen, schätzt, dass zwischen 15.000 und 25.000 Jugendliche heute ohne Berufsperspektive dastünden. Viele von ihnen seien bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) angemeldet, wo jedoch rund 40 Prozent von ihnen ausgesteuert würden, weil sie nicht vermittelt werden könnten. «Das birgt viel sozialen Sprengstoff», wird Ineichen in der Mitteilung zitiert.

Das nun in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und den Kantonen Aargau und Luzern lancierte Perspektiven-Camp ist Teil von Ineichens Lehrstellenprojekt Speranza 2000. Oberstes Ziel ist es, dass die Jugendlichen nach Abschluss des neunmonatigen Camps eine Lehrstelle finden. Am Pilotprojekt, das am vergangenen Montag startete, nehmen 16 junge Frauen und Männer teil. Nach der Einführungswoche im Studienheim Don Bosco in Beromünster folgt eine Erlebniswoche in einem Walliser Bergdorf, wo die Jugendlichen gemeinnützige Arbeiten verrichten. In der dritten Woche arbeiten die Beteiligten an der Berufsfachschule Zofingen an Schlüsselkompetenzen wie Motivation und Einsatzbereitschaft. Bis Ende Februar arbeiten die Jugendlichen anschliessend an drei Tagen in einer internen Werkstätte oder einem externen Betrieb und gehen an zwei Tagen in die Berufsfachschule. In der zweiten Phase zwischen März und Juni absolvieren sie ein Betriebspraktikum und besuchen noch einen Tag pro Woche die Schule.

Ineichen hofft, dass auch andere Kantone das Projekt zum Vorbild nehmen. Wenn sich das Modell bewährt, soll es in einem Jahr schweizweit aufgezogen werden. Die Kosten bewegen sich laut dem FDP-Politiker im unteren Segment der heutigen kantonalen Brückenangebote und Motivationssemester, die je nach Kanton jährlich zwischen 16.000 und 50.000 Franken pro Jugendlichen kosteten.

(dapd)

Deine Meinung