Von Terroristen verschleppt: Das blüht den entführten Schülerinnen

Aktualisiert

Von Terroristen verschlepptDas blüht den entführten Schülerinnen

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ist dafür bekannt, dass sie gefangene Frauen als Sexsklavinnen missbraucht. Eltern werfen der Regierung in Nigeria Untätigkeit vor.

von
kmo

«Wir befürchten, dass die entführten Mädchen als Sexsklavinnen enden», sagte ein Mitglied des nigerianischen Geheimdiensts zu «The Nation». Dazu würden sie von einer Terroristen-Basis zur nächsten transportiert, so der Agent weiter. Das geschehe in der Nacht, damit die Schülerinnen nie wissen, wo sie sich befinden.

Laut dem «Guardian», der sich ebenfalls auf die Aussagen des anonymen Geheimdienstlers beruft, dürften die Mädchen schliesslich in einem der grossen und am meisten gefürchteten Terror-Camps in Sambisa oder Algoni enden. Die Geheimdienstquelle wirft der nigerianischen Regierung zudem vor, sie würde die Angriffe auf diese beiden Stützpunkte immer wieder hinauszögern.

15 Tote bei Anschlag in Nigeria

Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach einige der Entführten über die Grenze zum Tschad und nach Kamerun für jeweils 12 Dollar zwangsverheiratet worden seien. Von den Geiseln konnten bislang 53 Mädchen fliehen, 223 sind nach Angaben der Polizei noch in der Gewalt ihrer Entführer.

«Ich werde sie auf dem Markt verkaufen»

In einem Video, das der Nachrichtenagentur AFP am Montag vorlag, hatte sich die islamistische Terrorgruppe Boko Haram am Montag zur Entführung der Mädchen bekannt: «Ich habe eure Mädchen entführt», sagt Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau, «ich werde sie auf dem Markt verkaufen, so Gott will.» In der 57 Minuten langen Aufnahme spricht Shekau von den 276 Schülerinnen, die vor drei Wochen aus ihrer Schule in Chibok im Nordosten des Landes verschleppt worden sind.

Gegen die Massenentführung hatten sich umgehend Proteste formiert. In verschiedenen Städten des Landes demonstrierten Eltern für die Freilassung ihrer Kinder und kritisierten dabei auch die Regierung von Goodluck Jonathan. Sie warfen ihr Unfähigkeit und Tatenlosigkeit vor.

First Lady lässt Protestführerinnen verhaften

Ebenfalls am Montag wurde bekannt, dass zwei Anführerinnen der Proteste verhaftet wurden. Saratu Angus Ndirpaya aus der Stadt Chibok sagte, die Frau von Präsident Goodluck Jonathan habe sie und Aktivistin Naomi Mutah Nyadar festnehmen lassen. Nach einem nächtlichen Treffen in der Präsidentenvilla in Abuja seien sie beide in eine Polizeistation gebracht worden. Ndirpaya kam umgehend wieder frei, Nyadar wurde weiter festgehalten.

Die First Lady Patience Jonathan habe den Protestiererinnen vorgeworfen, sie gehörten selbst zu dem Terrornetzwerk, das für die Entführung der Schülerinnen verantwortlich gemacht wird, sagte Ndirpaya. Auch habe die Fist Lady angezweifelt, dass überhaupt Kinder verschleppt worden seien. Sie habe den Frauen vorgeworfen, diese hätten die Entführung erfunden, um die Regierung in einen schlechten Ruf zu bringen.

Präsident zunehmend unter Druck

Angesichts der für 2015 anstehenden Wahlen in Nigeria ist die Entführung der Schulmädchen für den Präsidenten Goodluck Jonathan ein Desaster. Die Regierung warf der Opposition denn auch umgehend vor, aus der Entführung politisches Kapital schlagen zu wollen.

Boko Haram kämpft seit Jahren für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und verübt regelmässig Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Schulen und Kirchen. Der Name Boko Haram bedeutet übersetzt etwa «westliche Bildung ist Sünde». (kmo/sda)

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