Aktualisiert 23.01.2015 11:05

EZB-Geldpolitik

Das bringt Draghis Plan der Schweiz und Europa

Die EZB kauft in grossem Stil Staatsanleihen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nützt Draghis Rettungsplan auch der Schweiz?

von
C. Landolt
EZB-Präsident Mario Draghi verkündet den Ankauf von Euro-Staatsanleihen. (AP Photo/Michael Probst)

EZB-Präsident Mario Draghi verkündet den Ankauf von Euro-Staatsanleihen. (AP Photo/Michael Probst)

Wurden die Erwartungen der Märkte mit Draghis Entscheid erfüllt?

Die Erwartungen waren im Vorfeld sehr hoch. Verschiedene Zahlen sind durchgesickert. Einzig die Grössenordnung weicht leicht von den Erwartungen ab. Die EZB beschloss, monatlich Anleihen im Gesamtwert von 60 Milliarden Euro zu erwerben. Im Vorfeld war über den Betrag von 50 Milliarden Euro spekuliert worden.«Mario Draghi hat die Markterwartungen nicht enttäuscht», sagt Dr. Felix Brill, Chefökonom und Partner von Wellershoff und Partners. Es habe keine «Riesenüberraschung gegeben», so Brill.

Hatte Draghis Ankündigung Auswirkungen auf den Euro-Franken-Kurs?

Der Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), Anleihen aufzukaufen, hat den Kurs des Euro gegenüber dem Franken vorerst kaum verändert. Um 15.10 Uhr wurde der Euro zu 0,9904 Franken gehandelt. Vor der Ankündigung war er nur wenige Hundertstel-Rappen höher gehandelt worden. Marktbeobachter erklären dies damit, dass die Massnahme weitgehend erwartet worden war.

Wie reagierte die Börse?

Der Swiss Market Index (SMI) lag vor wie nach der Ankündigung bei rund 7900 Punkten. Um 15.30 Uhr notierte der Leitindex bei 7861 Punkten. Das entspricht einem Minus von 1,6 Prozent. Nur ganz kurz schienen die Anleger an der Schweizer Börse Hoffnung zu schöpfen: Um 14.40 Uhr legte der Leitindex kurzfristig zu und baute dann einen Teil seiner Verluste ab. Nach der Bekanntgabe sank er dann wieder auf das Niveau von vorher. Am Ende des Börsentags lag der SMI schliesslich bei 7'999 Punkten. Das ist ein Minus von 0.11 Prozent.

Wie reagiert die deutsche Wirtschaft und Politik?

«Die EZB ist zum Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden», sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. «Diese Massnahme hilft dem Süden der Euro-Zone, der Norden braucht sie nicht», erklärte der Chef des einflussreichen Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk.

Was bedeutet der EZB-Entscheid für die Schweiz?

Auch die Schweiz hat ein Interesse daran, dass es der EU gut geht. Wenn Draghis Rettungsplan dazu beitrage, dass die europäische Wirtschaft in Schwung komme und das Wachstum anziehe, komme das auch der Schweizer Exportwirtschaft zugute. «Die Reaktion des Wechselkurses hat kurzfristig aber den grössten Einfluss», erklärt Brill. Dass der Euro-Franken-Kurs aber verhalten reagiert hat, zeigt, dass der Übergang nach wie vor anspruchsvoll ist, weil der Franken so stark ist. «Ich würde nicht auf eine allzu grosse stimulierende Wirkung für die Schweizer Konjunktur setzen», sagt Brill.

Hätte die SNB den Mindestkurs gegen die gigantische Geldspritze der EZB verteidigen können?

Grundsätzlich kann die SNB so viel Geld schöpfen wie sie will. «Da das Anleihekaufprogramm noch grösser ausgefallen ist, als die meisten Marktteilnehmer es erwartet hatten, wäre der Druck auf die Nationalbank enorm geworden», sagt ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis. Die SNB hätte die Euro-Aufkäufe massiv verstärken müssen, was zu Lasten einer immer noch weiter wachsenden Bilanz gegangen wäre. Zudem hätte die SNB laut Frangulidis wohl die Negativzinsen erhöhen müssen. «Folglich ist es wohl besser, die SNB hat den Mindestkurs schon vor Wochenfrist aufgehoben, als dies heute zu tun», so Frangulidis. An den Tagen vor dem Entscheid der SNB, den Mindestkurs aufzuheben, seien die Interventionsbeträge immer grösser, gab Fritz Zurbrügg, Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in einem Interview mit «Blick» bekannt. «Hochgerechnet auf einen Monat hätten wir allein im Januar für rund 100 Milliarden Franken intervenieren müssen», so Zurgrügg.

Die EZB will für 1140 Milliarden Euro Staatsanleihen kaufen. Kann sie sich das überhaupt leisten?

Ja, die EZB kann theoretisch beliebig viele Staatsanleihen kaufen. Die Amerikaner haben das auch gemacht. Sie haben pro Monat Staatsanleihen für 85 Milliarden Dollar gekauft und dies auch über einen längeren Zeithorizont.

Reicht Draghis Programm, um Europa aus der Krise zu helfen?

Sich nur allein auf die Geldpolitik zu verlassen, wäre vermessen. Die Geldpolitik kann gewisse Konjunkturimpulse setzen und den Regierungen Zeit kaufen. Mehr Strukturreformen wie etwa Steuererleichterungen würden aber auf keinen Fall schaden. «Nur bringen diese keine schnellen Erfolge», sagt Brill. Bis sich die volle positive Wirkung entfalte, dauere es oft Jahre.

Draghis Geldflut

An den Finanzmärkten gilt es als ausgemachte Sache, dass die EZB am Donnerstag ein milliardenschweres Kaufprogramm für Staatsanleihen nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed auf den Weg bringen wird. Wie das Programm aussehen wird, ist noch unklar. Es wird aber über ein Volumen von 500 Milliarden bis zu einer Billion Euro spekuliert. Banken könnten dann ihre Bonds abstossen und die verfügbaren Mittel stärker für neue Darlehen verwenden. Das soll das Wachstum in der Eurozone ankurbeln und die Inflation anheizen.

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