Das Buch Gölä
Aktualisiert

Das Buch Gölä

Eine Gölä-Biografie? «Keine Angst, in drei Stunden bist du durch», besänftigte mich Dieter Liechti, der Autor. Und tatsächlich hatte ich, sonst ein ungemein langsamer Leser, das Buch in zweieinhalb Stunden hinter mir. Weil es mit Drive und in einem angenehm lakonischen Tonfall geschrieben ist.

Weil es lustig, leicht und luftig ist. Und weil es kaum Tiefgang hat. Wir wissen jetzt, dass Gölä ein ebenso kurzes Schnäbi hat wie sein Manager Tom Metzger. Dass die beiden auf Ibiza als kleine Aufmerksamkeit für Dani Beck eine russische Prostituierte angemietet haben, die dem TV-Mann eine ganze Woche gefügig war. Dass die Chefin von Göläs früherer Plattenfirma rote Höschen trägt und dauernd Gin trinkt. Man lacht sich stellenweise halb kaputt – und erfährt doch lauter derbe Details, die man gar nicht so genau hat wissen wollen. Ein Buch über Männerfreundschaften und Weiberbekanntschaften – Gölä nennt Frauen stets «Weiber» –, übers Saufen und Raufen. Dass es das Gölä-Bild von Bier, Weib und Gesang zementiert, das wir schon hatten, ist nicht Liechtis Schuld. Er hat nur aufgeschrieben, was Marco «Gölä» Pfeuti protokolliert haben wollte. Und vor allem ausgeklammert, was Pfeuti verschweigen wollte.

Gölä schützt das Private. Das mag ihn ja ehren, nur mutet die Gewichtung nun eigenartig an: Ein öder Segeltörn wird in aller Breite, Nacht für Nacht, Besäufnis für Besäufnis verhandelt – die Scheidung von Regina, Göläs neue grosse Liebe und seine zweite Vaterschaft je auf wenigen Zeilen. Ungereimtheiten bleiben ungereimt. Weshalb löste er seine Band damals per SMS aus Australien auf? Hat er die Schlägerei im Kaufleuten im Suff mit rassistischen Pöbeleien angezettelt? Die journalistische Recherche bleibt aus, die Analyse des Erfolgsphänomens Gölä ebenso. «I hätt no viu blöder ta» will nicht mehr sein als ein neckischer Einblick in die verrückteste Geschichte, die der Schweizer Rock seit Krokus schrieb. In drei Stunden ist man durch.

Bänz Friedli

Info

Dieter Liechti, «Gölä – i hätt no viu blöder ta», Orell Füssli, 240 Seiten, beigelegte CD mit unveröffentlichten Mundart-Songs, 29.80 Franken.

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