Aktualisiert 13.11.2007 16:22

Das Camp der Stammspieler?

Pünktlich zum Jahresabschluss des Nationalteams gegen Nigeria sind die Schweizer Fussballer wieder «en vogue». Gegen 90 Prozent der aufgebotenen Internationalen standen in ihren ausländischen Klubs am Wochenende in der Startformation.

In den vergangenen Monaten war die Liste der Reservisten oder Tribünenplatz-Abonnenten oft länger als jene der Stammspieler. Die Ankunft in Feusisberg war deshalb auch mit der Hoffnung verbunden, wieder zu Spielpraxis auf hohem Level zu gelangen. Nun steht für einmal primär das Ringen um einem Platz im EM-Kader im Fokus, nicht die Besorgnis, das eigene Bewerbungsdossier durch die Ersatzrolle beim Verein zu gefährden.

Von einer Trendwende zu sprechen, wäre wohl verfrüht, aber die Fakten sind dennoch bemerkenswert: 17 von 19 eingerückten Akteuren haben in Italien, England, Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal 90 Minuten gespielt. Selektionär Köbi Kuhn ist die positive Entwicklung selbstredend nicht entgangen: «Jeder hat sich für einen Weg entschieden, der ihm die Chance zum Stammplatz offen lässt. Einige kehrten gar in die Schweiz zurück, um sicher spielen zu können.»

Kuhn wertete den Wechsel in die Schweizer Spitzenliga überhaupt nicht als Rückschritt, sondern als «gutes Zeichen, dass sie in der Nationalmannschaft unbedingt dabei sein wollen». Ohne einen Namen zu nennen, dachte der Nationalcoach vor allem an Marco Streller und David Degen. Das Duo fand beim FC Basel zur alten Formstärke zurück; Streller blühte richtiggehend auf und schoss bereits neun Treffer.

Ausserhalb der Landesgrenzen hat sich die problematische Situation von Xavier Margairaz erheblich verändert. Der ehemalige Meisterdribbler des FCZ hat begriffen, aus welcher Richtung der Wind in Osasuna weht - oder je nach Lesart stürmt. Der vorwiegend stille Romand musste sich selber austricksen: «Ich darf dort nicht scheu sein und muss halt auch laut meine Ansprüche anmelden.»

Die offensivere Art kommt offenbar an. Zuletzt begann Margairaz in der Primera Division dreimal in Folge. Ein anderer Westschweizer verkörpert zwar das Gegenteil von Margairaz, auf seine Meisterschaftspremiere musste er gleichwohl viel länger warten: Gelson Fernandes, 21-jährig, das Talent von Manchester City. Gegen Portsmouth erlebte der unerschrockene Kämpfer aus dem Wallis seinen Einstand. Nach dem 0:0 wählten ihn die City-Anhänger zum «Man of the Match».

Margairaz, Fernandes, Streller, David Degen, vor kurzem allesamt nur Wackelkandidaten, tragen ihren Teil zum viel beschworenen Konkurrenzkampf bei. Kuhn stimmt dieser Einschätzung zu: «Es wird härter, ja. Und vergessen wir nicht, dass noch ein paar wichtige Spieler fehlen.» Als letzte Chance für die Spieler aus der «zweiten» Reihe mag er den Test gegen Nigeria aber nicht klassifizieren. Nur die Torhüterrotation wird enden, auf dem Feld «macht eine Vorselektion noch keinen Sinn». (si)

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