Aktualisiert 25.08.2015 08:49

Auf ExplosionsstelleDas Chüngeli soll zeigen, dass Tianjin sicher ist

Um das besorgte Volk nach den Explosionen in Tianjin zu beruhigen, greifen die chinesischen Behörden zu ungewöhnlichen Mitteln.

von
kmo
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Um die besorgte Bevölkerung zu beruhigen, stellten die Behörden von Tianjin Ende August Käfige mit Tauben, Hühnern und Kaninchen auf die Unglücksstelle. Die Tiere sollen beweisen, dass die Region nicht mehr giftig ist.

Um die besorgte Bevölkerung zu beruhigen, stellten die Behörden von Tianjin Ende August Käfige mit Tauben, Hühnern und Kaninchen auf die Unglücksstelle. Die Tiere sollen beweisen, dass die Region nicht mehr giftig ist.

Reuters/China Stringer Network
Ist die Explosion verantwortlich für das Massensterben? Tausende tote Fische wurden am 20. August ans Hai-He-Ufer angespült.

Ist die Explosion verantwortlich für das Massensterben? Tausende tote Fische wurden am 20. August ans Hai-He-Ufer angespült.

Reuters
Die Regierung sieht keinen Zusammenhang zwischen dem vergifteten Wasser und dem Fischsterben.

Die Regierung sieht keinen Zusammenhang zwischen dem vergifteten Wasser und dem Fischsterben.

Reuters/Stringer

In der Bevölkerung der chinesischen Stadt Tianjin wächst der Unmut über die Behörden. Zwei Wochen ist es nun schon her und die Menschen wissen immer noch nicht, was genau passiert ist und wer dafür verantwortlich ist, dass giftiges Material derart nahe an Wohngebieten gelagert wurde. Aber vor allem fürchten sie sich vor den Auswirkungen der Katastrophe auf die Umwelt.

Den Versicherungen der Behörden, dass die Umgebung nicht vergiftet sei, mögen immer weniger Glauben zu schenken. Nun griff die Stadtregierung zu einer ungewöhnlichen Massnahme: Beamte stellten Käfige mit Tieren auf die Unglücksstelle. Kaninchen, Tauben und Hühner sollen nun beweisen, dass die Region für Menschen sicher sei.

Medienbericht über die Versuchstiere:

(auf Chinesisch)

(Quelle: YouTube/The most moving news Hit)

Derweil ist die Zahl der Todeopfer auf mindestens 129 gestiegen. 44 Menschen werden noch vermisst, 39 der über 600 Verletzten schweben nach wie vor in Lebensgefahr.

Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag unter Berufung auf örtliche Behördenvertreter. Eine Serie gewaltiger Explosionen hatte am 12. August das Gefahrgutlager erschüttert, das Lager und seine Umgebung wurden komplett zerstört. Immer wieder brachen in den folgenden Tagen neue Brände in dem inzwischen weiträumig abgeriegelten Gebiet aus.

In dem Lager waren tausende Tonnen gefährlicher Chemikalien zwischengelagert, darunter allein 700 Tonnen des hochgiftigen Natriumcyanids. Allen Beschwichtigungen der Behörden zum Trotz befürchten viele Einwohner der 15-Millionen-Stadt eine Umweltkatastrophe.

Die Regierung kündigte eine gründliche Untersuchung der Hintergründe an. Mehrere Verantwortliche des Lager-Betreibers Rui Hai International Logistics wurden inzwischen wegen Verstosses gegen die Sicherheitsbestimmungen festgenommen.

Zu den Besitzern soll auch der Sohn eines ehemaligen örtlichen Polizeichefs gehören. Dieser sorgte der Medienberichten zufolge mit Hilfe seiner Kontakte dafür, dass der Betrieb des Lagers genehmigt wurde und es alle Kontrollen überstand

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