Aktualisiert 26.10.2010 13:25

Thomas Muster

Das Comeback des ewigen Kämpfers

Nach einer elfjährigen Pause kehrt Thomas Muster (43) in Wien auf die ATP-Tour zurück. Die ehemalige Weltnummer 1 reiht sich damit nahtlos in die Liste fragwürdiger Comebacks von «Sport-Opas» ein.

von
pre

Vor drei Wochen ist Thomas Muster 43 Jahre alt geworden. Der Österreicher, der einst die Nummer eins der Tenniswelt war, bestreitet in Wien erstmals seit elf Jahren wieder ein Match auf der ATP-Tour. Turnierdirektor Herwig Straka, der übrigens auch Musters Manager ist, hat ihm eine Wildcard zugesichert. Sein Auftaktgegner ist Landsmann Andreas Haider-Maurer. Als dieser 1987 geboren wurde, war Muster bereits in seinem vierten Profijahr.

Sechs Challenger-Turniere hat Muster 2010 gespielt, aber nur einmal die erste Runde überstanden. Damit sammelte Muster sieben ATP-Punkte und liegt auf Rang 974 der Weltrangliste. Die Chancen auf ein erfolgreiches Comeback sehen also nicht gerade rosig aus.

Ein unermüdlicher Kämpfer

Muster ist ein Relikt aus der Zeit als die Besten der Welt noch Becker, Sampras und Agassi hiessen. Der Österreicher war ein Kämpfer: Unvergessen wie er sich nach einer Knieoperation 1989 auf dem Trainingsplatz abrackerte. 1999 hatte er sich vom Tenniszirkus verabschiedet, zog nach Australien und hatte etliche Kilos zugelegt. Gerüchten zufolge rauchte er zwei Päckchen Zigaretten pro Tag. Für sein Comeback hat Muster erneut trainiert wie ein Verrückter und mittlerweile fühle er sich wieder wie mit 22.

Warum er in seinem Alter noch mehrere Stunden täglich für seine Rückkehr schuften wolle, wurde er vor seinem Comeback gefragt. Es wurde über allerlei spekuliert, auch über Geldnot. «Blödsinn», sagte Muster. «Ich suche die Herausforderung. Mir geht es um die Spiele, die Atmosphäre, das Training». Und genau da liegt der Hund begraben: Muster braucht den Wettkampf. Das Leben nach dem Tennis konnte ihn nicht in gleichem Masse erfüllen, wie das der Profisport getan hat. Nach seiner Aktivkarriere war Muster, der immer als harter Kämpfer und galt, österreichischer Davis-Cup-Kapitän und trat gleichzeitig immer wieder bei Schaukämpfen auf. Das Tennis liess ihn nie ganz los.

«Auf Denkmäler machen nur die Tauben»

Wie Muster ging es schon zahlreichen alternden, ehemaligen Spitzenathleten. Michael Schumacher setzte sich im März dieses Jahres wieder ins Formel-1-Cockpit, Lance Armstrong stieg 2009 für die Tour de France wieder aufs Rennrad. Skispringer Janne Ahonen trauerte dem verpassten Olympiagold nach und wagte sich in der Saison 2009/10 wieder auf die Schanze. Michael Jordan war mit Baseball und Golfen nicht zufrieden und kehrte gleich zweimal zurück aufs NBA-Parkett. Viermal versuchte sogar Evander Holyfield, an die alten Erfolge anzuknüpfen.

Diese Liste liesse sich beinahe beliebig fortsetzen. Eines ist all den Rückkehrern gemeinsam. Den Weg zurück stellten sie sich alle etwas einfacher vor. Nur selten waren die Comebacks der Altstars von Erfolg gekrönt. Die Kritik folgte auf der Stelle. Armstrong und Schumacher hätten ihr eigenes Denkmal beschädigt, war vielerorts zu lesen. Ob er nicht Angst habe, sein Denkmal zu beschädigen, wurde Muster gefragt. «Auf Denkmäler machen nur die Tauben», lautete sein Anwort.

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