Alfa Romeo Giulietta: Das coolste Polizeiauto aller Zeiten
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Alfa Romeo GiuliettaDas coolste Polizeiauto aller Zeiten

Rein optisch war die Giulietta nicht jedermanns Sache. In der Polizeiversion schaffte sie es aber sogar ins Fernsehen.

von
Bruno von Rotz

Bei der Vorstellung im Spätherbst 1977 sorgte die Giulietta für Kontroversen, vor allem der hohe, flache Heckabschluss («das Julchen mit dem platten Po») und die seitliche Keilform schmeckten traditionellen Alfa-Fans nicht unbedingt. Dabei konnten die Alfa-Ingenieure auf Bewährtes zurückgreifen.

Heute würde man von einem modularen Längsbaukasten sprechen, damals übernahmen die Autobauer in Arese einfach die Technik der Alfetta. Damit waren die Motoren, zuerst mit 1,3 und 1,6 Litern Hubraum, gegeben. Ebenso das Aufhängungsdesign und die Transaxle-Bauweise mit Motor vorne und Getriebe an der Hinterachse.

Die Form aus dem Windkanal

Die gewählte Keilform bot handfeste Vorteile. Einerseits war das Heck dank der hohen Abrisskante vom Fahrersitz aus jederzeit einsehbar, andererseits wies die Giulietta der Baureihe 116 einen mustergültigen Luftwiderstandsbeiwert von 0,42 auf, was bereits die 108 PS starke 1,6-Liter-Version rund 180 km/h schnell machte.

Der grosse Vorzug der in ihren Dimensionen gegenüber dem Vorgänger Giulia vor allem in der Breite gewachsenen Giulietta war das grosszügige Passagierabteil, das fünf Personen angesichts von 4,21 Metern Länge erstaunlich viel Platz bot. Wer von der italienischen Polizei verhaftet wurde, freute sich sicherlich über die Giulietta, denn hier hatten die Beine im Fond viel Platz.

Preiswert, aber nicht leichtgewichtig

1070 kg wog die Giulietta, war aber komplett ausgerüstet. So waren unter anderem Verbundglas-Frontscheibe, Automatik-Gurten vorne, Halogen-Scheinwerfer, Drehzahlmesser und ein höhenverstellbares Lenkrad serienmässig im Preis von 16'910 Franken enthalten.

Von einem modernen sachlichen Styling sprachen die Journalisten beim Innenraum. Sie lobten die gut profilierten Sitze und die Gestaltung der Armatureneinheit, allerdings waren die Instrumente nicht besonders gut abzulesen. Dafür überzeugten Motor und Fahrverhalten. Bis 1985 konnten schliesslich rund 380'000 Exemplare abgesetzt werden, dann folgte der Alfa 75.

Rarität

Viele Giuliettas haben trotz der fortschrittlicher Rostvorsorge nicht überlebt. Man sieht sie kaum je auf der Strasse und nur wenig häufiger an Oldtimer-Veranstaltungen, zu denen sie natürlich schon lange zugelassen wären.

Noch seltener als eine normale Giulietta ist allerdings die für diesen Bericht porträtierte Variante «Polizia». Sie wurde einst für eine italienische Fernsehserie 1:1 nachgebaut, weil die Polizei kein Exemplar rausrücken wollte, aber immerhin Hand für eine exakte Kopie bot, und zeigt sich rund 35 Jahre später praktisch neuwertig mit 1600 km auf dem Tacho.

Keineswegs altbacken

So setzen wir uns also in die Giulietta, werfen den Vierzylindermotor an, der im Innern (leider) nur gedämpft wahrzunehmen ist. Das Fahren macht Spass, trotz langer Schaltwege. Der Komfort überzeugt und vom Heck hört man den legendären Alfa-Sound.

Und die Form? Wie hat sie sich gehalten? 1977 war sie avantgardistisch, später gingen viele Autobauer ähnliche Wege, heute wirkt eine fast 40-jährige Giulietta noch erstaunlich zeitgemäss, jedenfalls nicht altbacken.

Und so geniessen wir denn noch einmal den im öffentlichem Raum nicht erlaubten Griff zu den beiden Schaltern links am Armaturenbrett, lassen das italienische Polizei-Tatüü ertönen und das Blaulicht blinken.

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