«Schwester, hat es noch Eis?»: Das Crystal Meth lieferte er im Ford Mustang aus
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«Schwester, hat es noch Eis?»Das Crystal Meth lieferte er im Ford Mustang aus

Am Montag müssen sich vor dem Basler Strafgericht vier Personen wegen Handels mit Crystal Meth verantworten. Die Bande handelte kiloweise mit der Zombie-Droge, die sie über ein türkisches Netzwerk bezogen hat.

von
Lukas Hausendorf
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Eine Basler Bande vertickte Crystal Meth im grossen Stil, das sie über ein türkischstämmiges Netzwerk bezog. Dabei fungierten zwei der Beschuldigten als Zwischenhändler und ein thailändisches Paar als Dealer.

Eine Basler Bande vertickte Crystal Meth im grossen Stil, das sie über ein türkischstämmiges Netzwerk bezog. Dabei fungierten zwei der Beschuldigten als Zwischenhändler und ein thailändisches Paar als Dealer.

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Die Bande muss sich nun vor dem Basler Strafgericht verantworten. Der Hauptbeschuldigte soll allein zwischen Mai und Dezember 2019 Ware im Wert von knapp 226’000 Franken umgesetzt haben.

Die Bande muss sich nun vor dem Basler Strafgericht verantworten. Der Hauptbeschuldigte soll allein zwischen Mai und Dezember 2019 Ware im Wert von knapp 226’000 Franken umgesetzt haben.

JSD Basel-Stadt
Crystal Meth ist in der Schweiz noch eine Randerscheinung und wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik unter «Andere Betäubungsmittel» geführt. 2019 wurden 8,3 Kilo der Droge in der Schweiz sichergestellt. Zum Vergleich: Bei Kokain waren es 857 Kilo.

Crystal Meth ist in der Schweiz noch eine Randerscheinung und wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik unter «Andere Betäubungsmittel» geführt. 2019 wurden 8,3 Kilo der Droge in der Schweiz sichergestellt. Zum Vergleich: Bei Kokain waren es 857 Kilo.

BFS – Polizeiliche Kriminalstatistik

In der Schweizer Betäubungsmittelstatistik ist Crystal Meth noch eine Randerscheinung. In der polizeilichen Kriminalstatistik werden die sichergestellten Mengen in der Kategorie «Andere Betäubungsmittel» abgebildet. 2019 wurden in der Schweiz 8,3 Kilo der Droge sichergestellt. Zum Vergleich: Bei Heroin waren es 117 Kilo, bei Kokain gar 857 Kilo. Trotzdem: Die rasch abhängig machende Zombie-Droge ist auf dem Vormarsch.

«Bis vor drei Jahren war diese Drogenart bei uns nicht existent», sagt Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft. Seither tauche sie immer öfter auf. Bis jetzt war sie in Basel vorwiegend im Rotlichtmilieu und in thailändischen Kreisen verbreitet. Gill geht aber davon aus, dass es eine «nicht unerhebliche» Dunkelziffer bei Crystal-Meth-Fällen gibt.

Ein Fall, der am Basler Strafgericht ab Montag verhandelt wird, zeigt, dass die Droge auch neue Konsumentenkreise erschliesst und liefert Hinweise darauf, wie der Handel organisiert ist. Drei Männer und eine Frau müssen sich wegen qualifizierten Handels und Verbrechen nach dem Betäubungsmittelgesetz verantworten. Drei der Beschuldigten konsumierten selbst Crystal Meth, nicht aber der Kopf der Bande.

Kundschaft im Zehnminutentakt

Zwischen Frühling 2018 und Dezember 2019 haben der Hauptbeschuldigte und sein Komplize über sechs Kilo Crystal Meth in der Schweiz vertrieben. Beliefert wurden auch Kunden in Zürich und im Mittelland. In Basel arbeiteten sie mit zwei thailändischen Konsumenten zusammen, die als Dealer eine grössere Stammkundschaft bedienten. Sie bedienten ihre Kundschaft in ihrer Kleinbasler Wohnung teilweise fast im Zehnminutentakt. Einen Teil ihres Kundenstamms bildeten Ungarinnen aus dem Rotlichtmilieu.

In der Anklage ist die Kommunikation zwischen ihnen und den Kunden auf über 80 Seiten SMS-Protokollen minutiös nachgezeichnet. Kommuniziert wurde immer in Codes. «Schwester, hat es noch Eis?», erkundigte sich ein Kunde nach Crystal Meth.

Aufgeflogen ist die Bande im Rahmen einer gross angelegten Ermittlung des Basler Betäubungsmitteldezernats, wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hervorgeht. Die «Aktion Butan» liefert auch Hinweise darauf, wie die Droge in die Schweiz gelangt. Der Kopf der Basler Bande bezog das Crystal Meth demzufolge über ein türkischstämmiges Netzwerk, das auch in den Kokainhandel involviert sein und im Geschäft mit Geldspielautomaten mitmischen soll. Der Hauptbeschuldigte, ein 35-jähriger Schweizer türkischer Herkunft schloss sich der Organisation im Frühjahr 2019 an, ebenso sein 41-jähriger Komplize, ein in Basel wohnhafter Türke, der selbst Kokain und Crystal Meth konsumierte.

Ferien, schnelles Auto, Designertasche

Den Erlös aus dem Drogengeschäft lieferten sie an Hintermänner ab, die von den Ermittlern bis jetzt nicht identifiziert werden konnten. Nach Berechnungen der Basler Staatsanwaltschaft erzielten sie damit innert eines halben Jahres einen Umsatz von fast 430’000 Franken. Wie hoch ihr persönlicher Gewinn dabei war, ist nicht bekannt.

Für ein komfortables Leben war es allemal genug. Der Hauptbeschuldigte gönnte sich im September 2019 einen Ford Mustang für 17’500 Franken in bar, Ferien für fast 4000 Franken und eine Louis-Vuitton-Tasche für 1900 Franken. Mit dem Sportwagen lieferte er auch das Crystal Meth aus, zuletzt nach Zürich, wo er am 12. Dezember 2019 mit 150 Gramm an der Haustüre des Kunden von der Polizei angehalten wurde.

Er befindet sich seit Ablauf der Untersuchungshaft in Sicherheitshaft, ebenso die Thailänderin, in deren Wohnung reger Drogenhandel betrieben wurde. Die beiden anderen Beschuldigten sind inzwischen wieder unter Auflagen auf freiem Fuss. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Informationen und Substanzwarnungen

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