Aktualisiert 11.08.2009 11:16

CDU-KandidatinDas Dekolleté des Anstosses

Ein Wahlplakat, das tiefe Einblicke erlaubt: Die Berliner CDU-Kandidatin Vera Lengsfeld macht Werbung mit dem Dekolleté von Kanzlerin Angela Merkel und einem zweideutigen Slogan. Die Partei ist irritiert.

von
pbl

«Voller Körpereinsatz an der Strassenlaterne» – mit diesen fast schon bösartigen Worten kommentiert «Spiegel Online» das Plakat, das seit Sonntag im Berliner Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg hängt. Es zeigt die CDU-Bundestagskandidatin und ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld neben Bundeskanzlerin Angela Merkel – beide Frauen tief dekolletiert, dazu der Slogan «Wir haben mehr zu bieten».

Dabei griff Lengsfeld auf das Foto zurück, das Merkel im April 2008 bei der Eröffnung der neuen Oper in Oslo zeigt. Die Aufnahme der Kanzlerin mit tiefem Ausschnitt machte weltweit Schlagzeilen. In der Parteizentrale der CDU zeigte man sich wenig amüsiert: «Das ist nicht mit uns abgesprochen», so ein Sprecher zu «Spiegel Online». Und auch nicht mit Angela Merkel, wie Vera Lengsfeld freimütig einräumte. Kreuzberg-Friedrichsrain sei für die CDU ein spezielles Umfeld. «Da musste ich mir etwas einfallen lassen», so die 57-Jährige.

Rot-grüne Hochburg

In der Tat ist der trendige Bezirk für die Union ein hartes Pflaster, vor vier Jahren brachte sie es auf einen Anteil von gerade mal 12,4 Prozent. Kreuzberg ist eine rot-grüne Hochburg, am meisten Stimmen machte Christian Ströbele: der Fundi-Grüne, der 2002 mit dem Motto «Ströbele wählen – Fischer quälen» den eigenen Aussenminister aufs Korn genommen hatte, holte hier das einzige Direktmandat für seine Partei.

Daran dürfte sich am 27. September kaum etwas ändern. Die Aufmerksamkeit aber ist Vera Lengsfeld sicher. Seit die Plakate aufgehängt wurden, habe sie mehrere tausend Zugriffe auf ihrem Wahlblog registriert, so die Kandidatin. Die Kommentare sind kontrovers, vor allem Männer üben Kritik. Vera Lengsfeld ist mit dem Ergebnis dennoch mehr als zufrieden, wie sie gegenüber «stern.de» erklärte: «Der Effekt, den ich mir erhofft habe, ist über die Massen eingetreten.»

Bereits von 1990 bis 2005 war Lengsfeld Bundestagsabgeordnete, auch zur Wahl 2005 wollte sie eigentlich wieder antreten. Bei der Nominierung in ihrer thüringischen Heimat erlitt sie jedoch eine bittere Niederlage. Nur fünf von 45 Parteifreunden an der Basis stimmten für sie. Lengsfeld, die nach der Wende damit fertig werden musste, dass sie in der DDR im Auftrag der Stasi vom eigenen Ehemann bespitzelt wurde, verzichtete danach auch auf eine Kandidatur auf der Thüringer Landesliste. Diesmal steht sie auf Platz sechs der Berliner Landesliste und hat damit gute Chancen, zumindest auf diesem Weg erneut in den Bundestag einzuziehen. (pbl/dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.