Aktualisiert 22.12.2011 15:18

«Time out»

Das «Desperado-Konzept» als Erfolgsrezept?

Wenn grosse Stars auf dem Markt nicht zu haben sind, dann braucht es den Mut zum «Desperado-Konzept». Den Mut der Lakers zum Transfer von Duri Camichel.

von
Klaus Zaugg
Der langjährige EVZ-Captain Duri Camichel soll für die Lakers zum Glückgriff werden. (Bild: Keystone)

Der langjährige EVZ-Captain Duri Camichel soll für die Lakers zum Glückgriff werden. (Bild: Keystone)

Die einfachste Massnahme, um aus einem Lotterteam eine konkurrenzfähige Mannschaft zu machen, ist der Transfer: Man hole drei, vier Nationalspieler und schon saust und braust es wieder.

In den 1980er Jahren ist so aus dem zerstrittenen Haufen Lugano in einer Zeitspanne von zwei Jahren eines der erfolgreichsten Hockeyunternehmen Europas geworden. Möglich machten es die Transfers von Giovanni Conte, Noldi Lörtscher, Fredy Lüthi, Andy Ton, Roberto Triulzi, Thierry Andrey, Beat Kaufmann und Sandro Bertaggia.

Eine solche Transferoffensive ist heute gar nicht mehr machbar. Weil inzwischen alle NLA-Unternehmen gute Löhne bezahlen können und weil Spieler heute darauf achten, dass sie genügend Eiszeit erhalten und eine solche Ansammlung von Stars meiden.

Lakers wie einst Lugano

Es gibt durchaus Parallelen zwischen dem HC Lugano der frühen 1980er Jahren und den aktuellen Lakers. Der Wille und das Geld sind vorhanden, um endlich eine Rolle zu spielen. Was damals Geo Mantegazza in Lugano, das ist heute die Männerrunde um Hans-Ueli Rihs bei den Lakers. Kapitalisten, die das Geld haben, die besten Spieler einzukaufen.

Aber eben: Die sind heute nicht mehr so einfach zu haben. Also braucht es ein anderes Konzept. Möglich wäre beispielsweise der langfristige Aufbau mit eigenen Nachwuchsspielern. Die gibt es bei den Lakers nicht. Kein anderes NLA-Unternehmen ist in diesem Bereich so schwach wie die Lakers. Es bleibt letztlich nur das «Desperado-Konzept»: Einkäufe von zweit- und drittklassigen Spielern auf dem Transferwühltisch.

Es braucht ein glückliches Händchen

Entscheidend ist dabei, Spieler zu finden, die etwas zu beweisen haben, die zeigen wollen, dass sie besser sind als ihr Ruf. Oder die eine letzte Chance suchen. Teams mit solchen Spielern können weit über sich hinauswachsen. Die Lakers haben während der Saison zwei solche Ausländer verpflichtet: Pawel Brendl und Janne Niinimaa – und die Wirkung ist erstaunlich. Am Freitag können die Lakers mit einem Sieg gegen die SCL Tigers erstmals den letzten Platz abgeben.

Geradezu ein Musterbeispiel eines «Desperado-Transfers», einer beispielhaften Umsetzung des «Desperado-Konzeptes» ist die Verpflichtung von Zugs Duri Camichel auf nächste Saison. Camichel spielt in Zug weit unter seinem spielerischen Nominalwert und er ist ein überaus ehrgeiziger und selbstkritischer Spieler. Ein Musterprofi. Die Chance, in einem neuen Team seine Karriere neu zu lancieren, wird dazu führen, dass er wieder sein bestes Eishockey spielen wird. Camichel wird die Lakers auf und neben dem Eis besser machen.

Mit Camichel die Wende?

Die Lakers waren am Anfang der Saison eine Mannschaft mit zu vielen Problemspielern (Riesen, Burkhalter, Reid, Roest), geführt von einem Trainer mit zu wenig Berufserfahrung. Entsprechend waren die Resultate. Nun zeichnet sich ab, dass aus den Lakers nach und nach ein «Desperado-Team» werden kann. Immer mehr «so-jetzt-erst-recht-Energie» statt Resignation. Die Verpflichtung von Camichel könnte sich dereinst im Rückblick als der Transfer erweisen, der aus den Lakers ein neues, erfolgreiches Team gemacht hat.

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