Reinach BL – «Das Ding steht auf einem Kinderspielplatz und die Schwalben kacken davor»
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Reinach BL«Das Ding steht auf einem Kinderspielplatz und die Schwalben kacken davor»

Ein neu errichtetes Mehlschwalbenhaus führt zu Beschwerden von Anwohnenden in der Baselbieter Gemeinde Reinach. Experten halten deren Befürchtungen allerdings für unbegründet.

von
Tanya Vögeli
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Das neue Mehlschwalbenhaus des Vereins für Natur- und Vogelschutz Reinach wurde im März bei einem Spielplatz an der Leymenstrasse errichtet und bietet 48 Mehlschwalbenpärchen Platz zum Brüten.

Das neue Mehlschwalbenhaus des Vereins für Natur- und Vogelschutz Reinach wurde im März bei einem Spielplatz an der Leymenstrasse errichtet und bietet 48 Mehlschwalbenpärchen Platz zum Brüten.

Verein für Natur und Vogelschutz
Finanziert wurde das Schwalbenhaus durch Spendengelder und viel Eigenleistung des Vorstands vom Verein für Natur- und Vogelschutz aus Reinach.

Finanziert wurde das Schwalbenhaus durch Spendengelder und viel Eigenleistung des Vorstands vom Verein für Natur- und Vogelschutz aus Reinach.

20min/Marco Zangger
Früher sah der Spielplatz anders aus, wie eine Userin betont: «Ein schöner Spielplatz mit einem Dino. Dann haben sie ihn ‹naturnah› umgebaut.»

Früher sah der Spielplatz anders aus, wie eine Userin betont: «Ein schöner Spielplatz mit einem Dino. Dann haben sie ihn ‹naturnah› umgebaut.»

Google Street View

Darum gehts

  • In Reinach BL wurde ein Mehlschwalbenhaus über einem Spielplatz errichtet.

  • Auf Facebook ärgern sich nun Anwohnende über das Vogelhaus. Sie befürchten, dass der Spielplatz verkotet wird von den Mehlschwalben.

  • Ein Vogelkundler gibt Entwarnung: Das Zusammenleben von Mehlschwalben und Menschen sei problemlos möglich.

Ein Mehlschwalbenhaus gibt in der Baselbieter Gemeinde zu reden. Ende März wurde dieses mitten auf einem Spielplatz an der Leymenstrasse errichtet. Bei Anwohnenden kommt dieses Geschenk gar nicht gut an. «Falscher Platz, wenn man mich fragt. Hat nicht wirklich etwas auf einem Spielplatz verloren», nervt sich eine Reinacherin auf Facebook. Nicht allein die Ästhetik ist manchen ein Dorn im Auge. Ein anderer bemerkt sarkastisch: «Das Ding steht auf einem Kinderspielplatz und die Schwalben kacken davor und nicht im Nest drin. Davor steht noch eine Bank zum Sitzen, perfekt gelöst.»

So naheliegend die Befürchtung ist, dass Mehlschwalben bald den Spielplatz verkoten, ist sie auch wirklich berechtigt? «Gemäss unseren Erfahrungen gelingt ein Nebeneinander von Menschen und Mehlschwalben hervorragend», sagt Michael Schaad von der Vogelwarte Sempach. «Verschiedene Mehlschwalbenhäuser an stark belebten Orten wurden von Mehlschwalben besiedelt. Uns wäre nicht bekannt, dass es in vergleichbaren Fällen zu Problemen wegen des Vogelkots gekommen wäre», so Schaad.

Besiedlung kann noch Jahre dauern

Der Standort des Mehlschwalbenhauses ist denn auch nicht zufällig gewählt. Das Quartier ist schon seit 1968 ein Brutplatz der Zugvögel. Gestiftet hat dies der Verein für Natur- und Vogelschutz Reinach aus eigenen Mitteln und mit Spenden. Dessen Präsident Fabio Di Pietro sagt, dass verschiedene Standorte für das Schwalbenhaus mit der Gemeinde besprochen wurden: «Der jetzige Ort in der Leymenstrasse war ein Kompromiss und aus Schwalbensicht ein guter Standort.» Die Anwohnerschaft der Umgebung sei im Rahmen des Baugesuchs informiert worden und es sei einspruchslos angenommen worden.

«Der natürliche Abfall der Vögel ist gering und der Spielplatz wird immer wieder von der Gemeinde gereinigt. Ausserdem kann es, wie unsere Erfahrungen mit den Schwalbenhäusern in Reinach zeigen, noch Jahre gehen, bis Mehlschwalben dort einziehen», erklärt Di Pietro. Durch das Schwalbenhaus würden die umliegenden Wohngebiete entlastet und ein harmonischeres Zusammenleben erzielt. Der Neubau bietet bis zu 48 Mehlschwalbenpärchen Platz zum Brüten.

Nistplätze verschwinden zunehmend

Die Gemeinde begrüsst die Initiative des Vereins Natur- und Vogelschutz. Gemeinderätin von Reinach, Doris Vögeli, freut sich über das Projekt: «Der Verein hat ein Baugesuch für das Mehlschwalbenprojekt eingereicht und dies wurde bewilligt. Das ist auch gut so, wo sollen die Schwalben denn sonst noch hin?», sagt Doris Vögeli, Ressortverantwortliche Umwelt im Reinacher Gemeinderat. Tatsächlich finden Schwalben immer weniger Nistplätze. Durch Renovationen gingen Nester verloren und die Fassaden moderner Häuser seien ungeeignet für den Bau von Schwalbennestern.

«Wir Menschen entfernen uns immer mehr von der Natur. Eltern sollen die Gelegenheit nutzen, ihren Kindern mehr von ihr zu zeigen, und sich am Zwitschern und den Beobachtungen während der Jungenaufzucht der Mehlschwalben erfreuen», sagt Vögeli.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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